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Nach EM-Krawallen: Ex-Sicherheitsboss Spahn erhebt schwere Vorwürfe gegen Franzosen

Fußball Nach EM-Krawallen: Ex-Sicherheitsboss Spahn erhebt schwere Vorwürfe gegen Franzosen

Der frühere DFB-Sicherheits-Chef Helmut Spahn hat nach den schweren EM-Ausschreitungen von Marseille schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der französischen Polizei erhoben.

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Nach EM-Krawallen: Ex-Sicherheitsboss Spahn sieht UEFA in der Pflicht

Quelle: PIXATHLON/SID-IMAGES

München. "Der Austausch der Franzosen mit szenekundigen Beamten anderer Länder ist mangelhaft. Das Konzept stimmt nicht, es wird zu spät reagiert", sagte Spahn der Bild-Zeitung: "Die Bilder zeigen, dass die französische Polizei der Lage stets hinterherrennt. Das war ja auch im Stadion so, als erst mal gar nichts passierte, bis die Spezialeinheit kam. Als Polizei muss man aber schon aktiv werden, bevor sich die Ausschreitungen überhaupt richtig entwickeln."

Spahn hat kein Verständnis für das Vorgehen der französischen Sicherheitskräfte im Zuge der Krawalle, bei denen am Samstag rund um die Partie zwischen England und Russland (1:1) 35 Personen verletzt wurden (eine davon lebensgefährlich). "Nach dem Spiel bekam ich besorgte Nachrichten zahlreicher Fans. Sie haben sich in Marseille gefühlt wie in einem Kriegsgebiet. Denn die Polizei unterscheidet nicht zwischen Fans und Hooligans, sondern geht beispielsweise mit Tränengas gegen alle vor", äußerte der Hesse.

Mit Blick auf den weiteren Verlauf der Endrunde sieht Spahn schwarz. "Ich glaube, dass sich die Probleme bei dieser EM kurzfristig nicht mehr lösen lassen. Ehrlich gesagt ist es auch ein wenig erschreckend, dass die Franzosen die Standards der letzten 15 Jahre im Umgang mit Problem-Fans nicht wahrgenommen oder ignoriert haben", sagte der 55-Jährige: "Jetzt bricht natürlich Hektik aus und es werden noch viel mehr Polizisten zu den Spielen geschickt. Aber auch das kann provozieren und zu noch wüsteren Schlägereien führen."

Für die ebenfalls als Risikospiel eingestufte Partie zwischen Deutschland und Polen am Donnerstag in Paris (21.00 Uhr/ZDF) kann Spahn nur hoffen: "Ich kann den deutschen Fans nur wünschen, dass die Sicherheitskräfte aus den bisherigen Vorfällen die richtigen Schlüsse ziehen und endlich eng mit den szenekundigen Beamten aus Deutschland und Polen zusammenarbeiten."

Auch die Europäische Fußball-Union (UEFA) sieht Spahn in der Pflicht. "Weshalb ist es zu dieser Situation gekommen? Da ist jetzt auch die UEFA gefordert, dies dementsprechend zu überprüfen und auch die Konsequenzen zu ziehen. Und hoffentlich für die nächsten Spiele mit dem Organisationskomitee der Franzosen Maßnahmen einzuleiten, um das so gut es geht zu verhindern", sagte Spahn bei Sky Sport News HD.

Der Grund für die Auseinandersetzungen zwischen Russen und Engländern im Stadion ist für Spahn der Schwarzmarkt. "Es wird immer Möglichkeiten geben, und das hängt natürlich auch mit dem Ticketing-Konzept zusammen, dass sich Russen als auch Engländer auf dem ganz normalen Markt mit Tickets versorgen und sich dann auch in den normalen Bereichen dementsprechend aufhalten", äußerte Spahn: "Das war in Südafrika so. Das hatten wir in Deutschland. Wenn wir wussten, wir haben 15.000 Tickets an die Engländer verkauft, dann war es so, dass trotzdem 40.000 im Stadion waren. Also davon kann man nicht überrascht sein. Darauf muss man vorbereitet sein."

© 2016 SID

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