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Stimmen zur WM-Affäre

Fußball Stimmen zur WM-Affäre

In der WM-Affäre haben sich am Wochenende mehrere Personen aus Fußball und Politik zu den Vorgängen im Organisationskomitee der WM-Endrunde 2006 in Deutschland geäußert.

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Stimmen zur WM-Affäre

Quelle: JOHN MACDOUGALL / STF / SID-IMAGES/AFP

Köln. Der Sport-Informations-Dienst (SID) hat die Reaktionen gesammelt:

Otto Schily (als Bundesinnenminister 2005 auch Mitglied des Aufsichtsrates des WM-Organisationskomitees in der Bild am Sonntag): "Es ist äußerst fragwürdig, dass sich Herr Dr. Zwanziger in dieser Affäre als Ankläger gebärdet. Nach allem, was bisher bekannt geworden sei, sollte er sich eher in der Rolle des Beschuldigten sehen."

Horst R. Schmidt (im WM-OK Vizepräsident für das operative Geschäft und früherer DFB-Generalsekretär in der Bild): "Es ist ungeheuerlich, dass Theo Zwanziger den Inhalt eines privaten Telefonates an die Öffentlichkeit bringt. Der Name Bin Hammam ist möglicherweise gefallen. Aber ich werde nicht behaupten, dass er der Empfänger des Geldes ist. Ich weiß es einfach nicht."

Theo Zwanziger (von 2004 bis 2012 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes): "Der Vorwurf, ich hätte zu meiner Amtszeit diesen Vorgang überprüfen müssen, geht fehl, weil ich erst 2012 die Erkenntnisse gewonnen habe, die den bisherigen Erkenntnisstand veränderten. Wir waren bis 2012, ich denke, übereinstimmend, der Meinung, dass es um eine Rücküberweisung einer notwendigen Provisionszahlung ging."

Hans-Jörg Metz (Rechtsanwalt des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger): "Herr Schmidt teilte mit, dass eine Erklärung von Franz Beckenbauer käme, die zwar mit ihm, Schmidt, und Wolfgang Niersbach abgestimmt sei; auf eine Abstimmung mit Herrn Zwanziger werde aber kein Wert gelegt."

Joseph S. Blatter (suspendierter Präsident des Weltverbandes FIFA in der Zeitung Schweiz am Sonntag): "Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt. Nie im Leben. Auch nicht vom DFB. Das stimmt einfach nicht. Da kommt mir der Schlusskommentar der ARD in den Sinn: 'Es sollte ein Befreiungsschlag für Niersbach werden, doch wahrscheinlich war es ein Eigentor.' Ich war nicht involviert."

Dagmar Freitag (Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag bei WDR2): "Es dauert ja in der Regel lange, bis nationale Helden stürzen. Es ist im Moment nicht ausgeschlossen, dass auch die Person von Franz Beckenbauer massive Kratzer abbekommt. Das, was im Vorfeld der WM in Deutschland passiert ist, muss geklärt werden. Da darf auch vor großen Namen nicht haltgemacht werden. Ungewiss ist Wolfgang Niersbachs Zukunft als Fußball-Funktionär im Moment auf jeden Fall. Es ist im Moment schwer vorstellbar, dass man aus solch einer Affäre, wenn es sich als solche herausstellt, unbeschadet herauskommen sollte. Aber es wäre falsch, das alleine auf die Person Wolfgang Niersbach zu konzentrieren. Die Diskussion muss da weitergehen."

Wolfgang Thierse (Ex-Präsident des Deutschen Bundestages im Deutschlandfunk): "Die Vorgänge werden das Ansehen des DFB nicht steigern, um es sehr nett zu sagen. Deutschland ist doch nicht eine Ansammlung von Heiligen und erst recht nicht der Fußball-Bund und Beckenbauer. Man darf nie einen einzelnen Menschen überschütten mit Vertrauen und ihn alleine lassen und ihm sagen, er wird es schon richten."

Joachim Löw (Bundestrainer im Focus): "Die WM 2006 bleibt unverrückbar ein einmaliges Ereignis, bei dem wir Deutsche wunderbare, offene, herzliche Gastgeber waren. Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes wieder Flagge gezeigt. Vielleicht wäre die offene Willkommenskultur, die wir in der schwierigen Flüchtlingsfrage erleben, ohne die WM 2006 gar nicht möglich gewesen. Ich habe gesagt, dass ich riesiges Vertrauen in Wolfgang Niersbach habe. Dabei bleibe ich. Ich weiß, dass er selbst derjenige ist, der die Beantwortung der offenen Fragen vorantreibt."

Matthias Sammer (Vorstand Sport bei Bayern München bei Sky): "Das Allerschlimmste ist, wenn Menschen über die Medien alte Rechnungen begleichen wollen. Das ist schäbig, das tut man nicht."

Harald Strutz (Präsident FSV Mainz 05 und DFB-Vizepräsident bei Sky): "Es gibt keinen Deut, an der Integrität von Wolfgang Niersbach zu zweifeln. Zwanziger hat schon in seiner Zeit als DFB-Präsident Schaden angerichtet und sich jetzt mehr als demaskiert."

Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt bei Sky): "Was Dr. Zwanziger reitet, sich ständig öffentlich zu Wort zu melden, ist für mich völlig unverständlich."

Klaus Allofs (Geschäftsführer Sport VfL Wolfsburg): "Das sind Geschichten, die der Fußball nicht braucht."

Thomas Tuchel (Trainer Borussia Dortmund): "Es tut ein bisschen weh, weil es ja auch um den Fußball insgesamt geht."

Roger Schmidt (Trainer Bayer Leverkusen): "Es ist sehr schwierig, die Sachlage zu überschauen. Ich hoffe, dass es eine gute Auflösung gibt. Ich halte Herrn Niersbach für einen Top-Mann, einen loyalen, ehrlichen Menschen. Ich hoffe, dass es am Ende auch so herauskommt."

Willi Lemke (Sonderbeauftrager Sport der Vereinten Nationen in der Rheinischen Post): "Die vielen negativen Schlagzeilen schaden dem internationalen Ansehen des Sports. Insofern ist nicht auszuschließen, dass sich diese Schlagzeilen auch negativ auf die Bürgerbefragung in Hamburg auswirken, obwohl das Internationale Olympische Komitee seit Jahren frei von derartigen Skandalen ist."

Gianfranco Kasper (Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und Präsident des Ski-Weltverbandes in der Bild am Sonntag). "Die Hamburger werden sich zweimal überlegen, ob sie voll und ganz Ja sagen zu Olympia: Einfach, weil man denkt: Es ist sowieso alles korrupt. Wir werden alle in einen Topf geworfen, auch das IOC. Ich höre es jeden Tag, da heißt es: Ihr seid ja nichts anderes als Geldeinkassierer, ihr seid eine reine Mafia."

 

 

 

© 2015 SID

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