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Prinz rechnet mit Bundestrainerin Neid ab

Nch WM-Aus Prinz rechnet mit Bundestrainerin Neid ab

Die schnelle Kurskorrektur von Silvia Neid verblüfft, auch wenn DFB und Spielerinnen erleichtert reagieren. Bei der Krisenbewältigung nach dem WM-Aus hinterlassen weder Bundestrainerin noch Verband einen souveränen Eindruck. Birgit Prinz beklagt atmosphärische Störungen.

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Fußball-Rekordnationalspielerin Birgit Prinz hat eine für sie enttäuschende Bilanz der Heim-WM gezogen.

Quelle: dpa

Erst sah Silvia Neid «keine Motivationsprobleme», dann heizte sie Rücktrittspekulationen an und zog in Rekordzeit einen Schlussstrich unter die aufflammende Debatte. Nach ihrem merkwürdigen Zick-Zack-Kurs hat die Trainerin der deutschen Fußball-Frauen Kritiker und Unterstützer gleichermaßen mit dem raschen Ende ihrer Sinnkrise verblüfft. Die Aufarbeitung des WM-Fehlschlags dürfte dank neuer Einblicke von Birgit Prinz aber weiter an Fahrt aufnehmen.

Es sei gut, dass Neid ihr Amt nicht aufgebe, meinte die Rekordnationalspielerin. Prinz, die nach der WM ihre internationale Karriere beendet hatte, offenbarte allerdings erstmals atmosphärische Störungen zwischen Trainerin und Mannschaft. «Grundsätzlich ist es kommunikativ nicht optimal gelaufen während der WM, sowohl zwischen mir und 'Silv' als auch an anderer Stelle», sagte die 33 Jahre ehemalige Spielführerin.

Die Bundestrainerin hätte sich «klarer zu mir oder klarer gegen mich positionieren müssen», meinte Prinz am Donnerstag im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. «Sie hat sich einerseits zu mir gestellt, aber andererseits durch die Auswechslungen gleichzeitig wieder zum Abschuss freigegeben.»

WM-Traum adieu: Für Tausende Fans im Freien und Millionen vor den Fernsehern ist der Traum vom WM-Hattrick der deutschen Elf zerplatzt. Mit hängenden Köpfen und traurigen Mienen verließen viele Besucher nach dem 1:0-Triumph der Japaner wortlos die großen Fanmeilen in Frankfurt und Wolfsburg sowie das Stadion in der VW-Stadt.

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Auch Inka Grings zeigte sich überrascht, dass Neid weitermache. «Damit hatte ich gerechnet. Aber ich hätte gedacht, dass sie sich wie angekündigt mehr Zeit nimmt für die Entscheidung», sagte die Stürmerin auf Anfrage.

Nach dem blamablen Viertelfinal-Aus hatten Neid nach eigenem Bekunden «drei Tage» daheim zum Nachdenken genügt, um ihre Selbstzweifel zu zerstreuen. Sie wolle «voller Tatendrang» neue Ziele in Angriff nehmen und freue sich auf die Europameisterschaft 2013.

«Ich habe so viel Zuspruch bekommen von meinen Spielerinnen und anderen Menschen. Ich kann es gar nicht mehr abwarten, wieder unten auf dem Platz zu stehen», hatte die 47-Jährige am Mittwoch in Frankfurt erklärt. Kurz darauf verfolgte sie «mit einem weinenden Auge» an der Seite von DFB-Präsident Theo Zwanziger, wie Deutschland-Bezwinger Japan mit einem 3:1 über Schweden in das WM-Finale einzog.

Ein «super Gespräch» mit Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach habe letztlich den Ausschlag gegeben, dass sie ihren kurz vor der WM bis 2016 verlängerten Vertrag erfüllen wolle, sagte Neid. Zuvor hatte sie noch zwei Tage lang in mehreren Interviews Rücktrittsgedanken geäußert und eine längere Bedenkzeit erbeten: Sie brauche «Abstand», um nach einer WM-Analyse über ihre Zukunft zu befinden, hatte sie erklärt.

«Ich glaube, dass es nicht ihre eigene Entscheidung war», reagierte Bernd Schröder am Donnerstag verwundert auf Neids raschen Sinneswandel. «Der DFB-Präsident und Wolfgang Niersbach haben einiges getan, um den Druck von der ganzen Diskussion wegzunehmen», merkte der Trainer von Meister Turbine Potsdam an. Neids Kritik, er habe den «Ehrenkodex» verletzt, wies er energisch zurück und mahnte eine «vernünftige Streitkultur» an. «Das ist Unsinn. Wenn wir uns auf dieses Niveau begeben, können wir langsam einpacken.»

Schröder hatte Neid mehrfach unter anderem für die zu lange Vorbereitungszeit und Taktik des DFB-Teams kritisiert. «Er hat dadurch auch den Ehrenkodex verletzt, das muss man ganz klar sagen», bemängelte die Bundestrainerin.

Alle Verantwortlichen des DFB und auch Neid selbst hatten nach dem deutschen WM-Aus immer wieder den Respekt vor den noch im Turnier verbliebenen Teams angemahnt. Umso unglücklicher mutet es an, dass der DFB Neids Entschluss per Pressemitteilung ausgerechnet während des ersten Halbfinals zwischen den USA und Frankreich (3:1) kundtat.

«Wir sollten weiterhin ein guter Gastgeber sein. Ich respektiere die Leistungen der anderen Mannschaften», hatte Neid noch am Tag nach dem Ausscheiden erklärt, und zog dann doch in den folgenden Tagen die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Rätselhaft bleibt auch, warum der DFB Interviews autorisierte, in denen Neid die Spekulationen um ihre Zukunft anheizte, um sie dann doch zur schnellen Kurskorrektur zu bewegen. Zwanziger, der Neid als «meine Trainerin» bezeichnet hatte, wollte sich bis Donnerstagmittag nicht zum erstaunlich raschen Ende der Neid-Diskussion äußern.

«Je schneller man jetzt ein Zeichen setzt, desto besser ist es. Sie ist eine tolle Trainerin», meinte Grings, die erst nach einem Urlaub im Süden im August entscheiden will, ob sie ihre Karriere im DFB-Dress fortsetzt.

Noch am selben Tag hatte Neid in einem Interview betont, man müsse «alles infrage stellen, auch ich mich selbst». Doch eine Analyse des missratenen Turnierauftritts steht nun noch aus. «Ich denke es ist wichtig, zu schauen, was bei der WM nicht gut gelaufen ist, wo man lernen muss, Dinge anders zu machen. Die Fehleranalyse muss betrieben werden», forderte Prinz.

Bundesliga-Sprecher Siegfried Dietrich sieht es ähnlich und schlug einen «Runden Tisch» mit allen Beteiligten vor. Die Bundestrainerin müsse sich nach so einer «fatalen Niederlage» realistisch mit der Kritik auseinandersetzen. «Sie muss sich auch fragen, was schief gelaufen ist», sagte der Manager des 1. FFC Frankfurt.

dpa

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