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Blatter und Platini für acht Jahre gesperrt

Fußball-Weltverband Blatter und Platini für acht Jahre gesperrt

Die Tage von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter (79) und UEFA-Boss Michel Platini (60) im Weltfußball sind endgültig gezählt. Die Ethikkommission des Weltverbandes verhängte am Montagmorgen jeweils acht Jahre Sperre gegen die beiden zuvor bereits provisorisch suspendierten Funktionäre. Platini kann eine Präsidentschaft bei der FIFA somit abhaken.

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Angeschlagen: Sepp Blatter.

Quelle: dpa

Zürich. Angeschlagen sieht er aus. Unrasiert, ein dickes Pflaster unter dem rechten Auge. Fast trotzig prangt das Fifa-Logo auf dem Revers seines Jacketts. Joseph „Sepp“ Blatter, entmachteter Präsident des Fußball-Weltverbands, versucht vor der Weltpresse zu retten, was nicht mehr zu retten ist: seinen Ruf, sein Andenken, sein Lebenswerk. Immer wieder repetiert er, manchmal fast flehend: „Ich bin der gewählte Präsident der Fifa.“ Dann holt er zum Rundumschlag gegen die Öffentlichkeit aus. „Sie haben mich alle vorverurteilt. Sie hätten mich mehr schützen müssen“, ruft er in die Runde.

Blatter will nicht akzeptieren, dass er verloren hat. Er fabuliert über fehlende Menschlichkeit und wie durch den Fußball Menschlichkeit eigentlich zelebriert werde. Kurz vor diesem Auftritt am gestrigen Montag in Zürich hatte die rechtsprechende Kammer der Fifa-Ethikkommission ihr Urteil über den 79-Jährigen gesprochen. Bisher war er für 90 Tage suspendiert, jetzt hat ihn das Kontrollgremium des Weltverbands unter Vorsitz des deutschen Richters Hans-­Joachim Eckert mit einem Achtjahresbann „für sämtliche nationalen und internationalen Fußballtätigkeiten (administrativ, sportlich und anderweitig)“ belegt. Und damit das Ende einer 40-jährigen Fifa-Karriere vom Zuständigen für Entwicklungsprogramme bis zum Präsidenten besiegelt. Blatter nennt das Gremium, das er einst selbst gegen allzu dubiose Machenschaften seiner Funktionärskollegen installiert hatte, nur noch „das Tribunal“.

Der Schweizer ist über sein eigenes, in Jahrzehnten aufgebautes System aus Begünstigungen, Handschlägen und Hinterzimmerdeals gestürzt. Noch vergangene Woche hat Russlands Präsident Wladimir Putin ihn als Friedensnobelpreisträger vorgeschlagen. Doch in Blatters Präsidentschaft fallen Skandale wie die umstrittenen Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 nach Katar. Auch in der deutschen Sommermärchen-Affäre um die WM 2006 taucht der Name Blatter auf. Die Ermittler der Kanzlei Freshfields, die den Skandal noch bis Ende Februar beim Deutschen Fußball-Bund aufarbeiten, wollen ihn angeblich befragen.

Fallstrick wurde aber schließlich eine Zahlung über 2 Millionen Schweizer Franken (1,8 Millionen Euro) im Februar 2011 an den Präsidenten des Europäischen Fußballverbands Uefa, Michel Platini. Den Vorwurf der Bestechung, nämlich, dass Blatter mit dem Geld die europäischen Stimmen für seine Wiederwahl 2011 kaufen wollte, konnten die Ermittler nicht erhärten. Und so ist in der Urteilsbegründung der Fifa-Ethiker von Verstößen gegen das Reglement bei der Annahme und Gewährung von Geschenken die Rede, von einem Interessenkonflikt und der Verletzung von Loyalitätspflichten.

Den Geld(geschenk)empfänger Platini hat Richter Eckert gleich mitkassiert. Auch der ehemalige französische Weltklassespieler, Europameister 1984 und seit 2007 Uefa-Chef, erhielt acht Jahre Fußballverbot. „Michel Platini ließ zudem ein absolut glaubwürdiges und integres Verhalten vermissen und offenbarte damit fehlendes Bewusstsein für seine Pflichten und die damit verbundenen Obliegenheiten und Aufgaben“, begründeten die Fifa-Richter den Entscheid. Es dürfte das Ende für Platinis Traum sein, am 26. Februar beim Fifa-Kongress in Zürich zu Blatters Nachfolger gewählt zu werden. Fünf Bewerber bleiben übrig, darunter Uefa-Generalsekretär und Platini-Ersatzkandidat Gianni Infantino. Platini hatte am Sonnabend gegen die Ethikhüter gewettert: „Ich bin schon verurteilt, ich bin schon verdammt.“ Gestern sprach der 60-Jährige von einer „Inszenierung“ und einem „erbärmlichen Urteil“. Der Kronprinz ist an der Seite seines einstigen Freundes und heutigen Rivalen untergegangen.

Vor Blatters Kandidatur 1998 als Fifa-Präsident hatte Platini für den Schweizer geworben. Blatter revanchierte sich 2007, als es galt, Platini ins Amt des Uefa-Bosses zu hieven. Als Blatter aber später nicht von seinem Amt lassen konnte, kam es zum Bruch.

Die beiden beharren trotz aller  Rivalität auf ihrer Version der Geschichte. Eine Schicksalsgemeinschaft. Ja, die 2 Millionen seien geflossen. Dabei habe es sich jedoch um ein verspätetes Honorar für Beraterdienste des Franzosen in den Jahren 1998 bis 2002 gehandelt. Auf Basis eines mündlichen Vertrags, einem „Gentlemen’s Agreement“, beteuert Blatter. Und das sei allen wichtigen Fifa-Instanzen bekannt gewesen. Diese „Beweise“ habe die Ethikkommission einfach ignoriert, klagt er. Alles ganz offiziell also? Warum ermittelt dann die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der „ungetreuen Geschäftsbesorgung“ gegen Blatter?

DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball bezeichnete die Strafe als „im Rahmen der Erwartungen“. Er mahnt: „Nur der Austausch von Köpfen reicht nicht aus. Es geht darum, verloren gegangenes Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Dies wird ohnehin Jahre dauern.“

Blatter gibt nun das Opfer und entschuldigt sich mit dramatischer Miene. „Es tut mir leid, dass ich immer noch ein Punchingball bin. Es tut mir leid für den Fußball. Es tut mir leid für die Fifa. Und es tut mir leid für mich.“ Seine Familie und seine Freunde seien gemobbt worden. Während dieser Worte sitzt Tochter Corinne neben ihm. Es ist die Mitleidsstrategie, das letzte Aufbäumen eines Mannes, von dem es heißt, dass er den Fußball, also das Spiel als solches, wirklich liebt. Er berichtet auch – zum wiederholten Mal – von seinen gesundheitlichen Problemen in der jüngeren Vergangenheit. „Wenn ich nicht solch hervorragende medizinische Hilfe bekommen hätte, wären wir heute nicht hier.“ Blatters Beteuerung: „Ich habe aber nie meinen Verstand verloren.“
Und deswegen ist er auch immer noch davon überzeugt, als ­Fifa-Präsident beim Kongress Ende Februar das Amt an seinen gewählten Nachfolger zu übergeben, denn: „Die Ethikkommission hat keinerlei Recht, den Präsidenten zu sperren.“

Die nächsten Instanzen, die sowohl er als auch Platini anrufen wollen, sind das Fifa-Berufungskomitee, der internationale Sportgerichtshof CAS und ordentliche Schweizer Gerichte. Blatter: „Ich werde kämpfen. Es ist noch lange nicht vorbei.“ Es klingt wie die Drohung eines Mannes, der nicht verstehen kann, dass es längst vorbei ist.

Von Sebastian Harfst

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