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C-Junioren verprügeln Schiedsrichter

Polizei Hannover ermittelt C-Junioren verprügeln Schiedsrichter

In einem C-Jugend-Kreisligaspiel in Hannover ist ein 18-jähriger Schiedsrichter von Spielern krankenhausreif geschlagen worden. Die Tat wird weitreichende Folgen haben: Auf die Angreifer kommt nun eine Strafanzeige zu, der Mühlenberger SV wird die Mannschaft wohl auflösen.

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Der Schiedsrichter wollte die Partie nach Pöbeleien beim Stand von 3:0 für das Heimteam abbrechen. In der Pause sei der Unparteiische dann von Gästespielern tätlich angegriffen worden.

Quelle: Steiner / Archiv

Hannover. Jetzt gibt es Prügelszenen sogar schon im hannoverschen Jugendfußball. Am Sonnabend musste die 
C-Junioren-Partie zwischen dem SV Arminia III und dem Mühlenberger SV (1. Kreisklasse, Staffel 2) zur Pause beim Stand von 3:0 abgebrochen werden. Schiedsrichter Mohammed El Idrissi, gerade 18 Jahre alt, wurde Opfer einer Prügelattacke, die von einem Begleiter der Mühlenberger Mannschaft ausging. An dem Angriff beteiligten sich nach Angaben von Arminia-Trainer Alex Kölzer auch Gästefußballer, die erst 14 und 15 Jahre alt waren. „Solche Gewaltszenen habe ich noch nicht gesehen, gerade bei Leuten in dem Alter“, sagte der schockierte Übungsleiter.

Referee El Idrissi erlitt Gesichtsverletzungen und musste sich ärztlich behandeln lassen, über die Schwere der Blessuren gab es bis gestern Abend keine Angaben. Auch Kölzer vom SV Arminia musste Schläge einstecken, als er den Schiedsrichter vor den Übergriffen zu schützen versuchte. Er kündigte genau wie El Idrissi an, dass er in jedem Fall Strafanzeige wegen Körperverletzung stellen werde. Der angegriffene Schiedsrichter war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Am Wochenende hatte er der „Neuen Presse“ geschildert, dass er „Schmerzen am ganzen Körper, Augen, Kopfschmerzen, überall Schmerzen“ habe. Er habe dabei „rohe Gewalt“ erlebt, wolle aber in der Zukunft als Schiedsrichter weitermachen.

Die Ermittlungen in dieser Angelegenheit könnten sich problematisch gestalten. Der vermutliche Haupttäter, der Begleiter der Mühlenberger Fußballer, wird zwar polizeilich gesucht, ist aber nicht mit vollem Namen bekannt. Mühlenbergs C-Jugend-Trainer Oliver Zorn sagte gestern: „Er hat mich ab und zu unterstützt, aber ich kenne seinen Nachnamen nicht. Zurzeit habe ich auch keinen Kontakt mehr zu ihm.“ Der Verein hat Montagabend auf einer Krisensitzung ein Hausverbot für den jungen Mann verhängt.

Haupttäter kein Vereinsmitglied

„Darüberhinaus können wir ihn nicht weiter belangen, da er kein Vereinsmitglied ist“, sagte Michael Cichon, stellvertretender Spartenleiter bei den MSV-Fußballern und Trainer der Männerelf, die Tabellenführer in der Bezirksliga 2 ist. ergänzte, dass der sogenannte Begleiter keinen Posten beim Mühlenberger SV innehabe: „Er gehört nicht zum Trainerstab, sondern begleitet unsere C-Junioren ab und an, da er viele Spieler kennt. Wir werden seine genauen Daten herausbekommen und ihn haftbar machen.“ Über diese Einlassungen konnte Arminen-Coach Kölzer nur den Kopf schütteln. „Es ist schlimm, wer da beim MSV auf der Bank sitzen darf“, sagte er.

Der Kreis Hannover-Stadt des Niedersächsischen Fußballverbandes kündigte derweil an, dass ein Sportgerichtsverfahren einberufen werde, zu dem alle Beteiligten vorgeladen seien. „Das Gericht hat bereits einen Spiel- und Sonderbericht vom Schiedsrichter erhalten“, sagte der Jugendausschuss-Vorsitzende für Hannover-Stadt, Wolfgang Stengel, und fügte als persönliche Einschätzung hinzu: „So einen harten Fall hatten wir bislang nicht in der Region. Das schreit nach drakonischen Maßnahmen, denn die Jugend muss ihre Grenzen kennen.“ MSV-Funktionär Cichon gibt sich keinen Illusionen hin, wie das Verfahren für seinen Verein vermutlich ausgehen wird: „Wir werden vom Verband sicherlich bestraft werden.“ Erschwerend kommt noch hinzu, dass diese Junioren-Mannschaft bereits vor zwei Jahren auf eine ähnlich unsportliche Weise aufgefallen war und schon damals kurz vor der Auflösung stand.

Nimmt die Gewalt auf den Plätzen zu? Und welche Konsequenzen müssen gezogen werden? Ein Interview mit Bernd Ihle, dem Vorsitzenden des Sportgerichts in Hannover.

Mühlenberger SV noch unentschieden

Zu einer Abmeldung der Mannschaft konnte sich der Verein am Montagabend noch nicht durchringen. „Es ist schwierig, sofort eine Entscheidung zu treffen“, sagte Cichon. Denn aufgrund der Zeugenaussagen könne nicht wirklich genau gesagt werden, wie viele Spieler tatsächlich an der Attacke beteiligt waren. „Die Spieler, die wir feststellen können, werden mit Vereinsausschluss bestraft. Auch eine generelle Abmeldung der Mannschaft ist noch nicht vom Tisch.“ Aber der Verein wolle keine Spieler bestrafen, die bei der Partie gar nicht anwesend oder an der Prügelei nicht beteiligt waren. Der Mühlenberger SV selbst kündigte gestern noch eine zeitnahe Entscheidung zu den Ausschreitungen an. „Wir werden auf jeden Fall Maßnahmen ergreifen, denn man kann nicht einfach so weitermachen“, sagte Cichon. Bereits am Wochenende habe er sich bei dem verprügelten Schiedsrichter im Namen des Vereins entschuldigt.

Ob die Mühlenberger ihre C-Junioren auflösen oder neu strukturieren, ließ der Spartenleiter zunächst noch offen. Trainer Zorn wäre bereit weiterzumachen, wenn die Mannschaft bestehen bleibt. Viel Hoffnung hat er aber nicht. „Ich gehe davon aus, dass das Team aufgelöst wird“, sagte er.

Von Janosch Lübke

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