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Woher nehmen Sie die Motivation, Herr Löw?

WM-Qualifikation Woher nehmen Sie die Motivation, Herr Löw?

Am Mittwoch trifft sich die Nationalelf vor den WM-Qualifikationsspielen gegen Tschechien und Nordirland. Im RND-Interview spricht Bundestrainer Joachim Löw über aktuelle Herausfoderungen der Mannschaft – fordert „Anstand und Menschlichkeit“ im Umgang mit Trainern.  Teil eins des großen Interviews.

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Bundestrainer Joachim Löw.

Quelle: dpa

Berlin/Hannover. Herr Löw, Sie sind seit zehn Jahren Bundestrainer. Woher nehmen Sie Energie und Motivation, sich immer wieder neu zu erfinden?

(schmunzelt) In meiner Selbstwahrnehmung bin ich gefühlt erst seit fünf Jahren Bundestrainer. Weil immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen anstehen. Nach jedem Turnier überlegt man: Welche Lehren ziehen wir? Erreicht man die Mannschaft noch? Was habe ich für eine Eigenmotivation? Wie könnte man in zwei Jahren spielen? Wo stehen wir, wo wollen wir stehen? Wohin geht die Entwicklung im Weltfußball? Das alles ist eine große Herausforderung. Ich spüre bei mir keinerlei Abnutzungserscheinungen. Im Gegenteil: Mich reizt die Aufgabe, die Mannschaft und die Spieler zu entwickeln, junge Spieler zu integrieren. Ich denke in Momenten, nicht in Jahrzehnten.

Auch gerade eben konnten wir beobachten, wie Sie angesprochen und um Fotos gebeten werden. Wären Sie gern auch mal anonym?

Manchmal habe ich schon den Wunsch, mich auch mal unerkannt bewegen zu können. Ich weiß, dass ich im Fokus der Öffentlichkeit stehe. Und natürlich gehört das zur Rolle des Bundestrainers dazu. Damit umzugehen, musste auch ich lernen. Es ist ja etwas Schönes und auch eine Form der Anerkennung, erkannt und um ein Autogramm gebeten zu werden. Ich habe einen Freundeskreis, der andere Interessen hat. Für meine Freunde bin ich nicht der Bundestrainer.

Wie abhängig ist der Bundestrainer denn von der Arbeit der Klubtrainer wie Tuchel oder Ancelotti?

Wir bei der Nationalmannschaft haben unsere eigene Idee und Philosophie. Ich orientiere mich nicht an Vereinen, weil es da unterschiedliche Philosophien gibt. Die Nationalmannschaft steht für ihre Spielweise, ihre Vorstellungen. Die Spieler werden auch ein Stück weit danach ausgewählt.

Sie sind Weltmeistertrainer – inwiefern bilden Sie sich weiter?

Ich habe eine hohe Grundmotivation in mir. Für mich ist 2014 ein Ansporn. Wir wollten die Mannschaften fußballerisch und taktisch wieder in die Weltspitze führen. Ich habe gewusst: Wenn wir verschiedene Stufen nehmen, dann kommen wir wieder in die Weltspitze. 2014 waren wir mit Sicherheit auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung. Aber es ist für mich eine unglaubliche Motivation, dieses Gefühl noch einmal erleben zu wollen. Der eine Plan war, an die Weltspitze zu kommen. Der andere Plan ist, das zu bestätigen.

Bundesliga-Trainer haben die Zeit, etwas über zwei Jahre zu entwickeln, oftmals nicht. Zuletzt gab es bereits nach den ersten Spieltagen Entlassungen.

Das hat Licht und Schatten. Es gibt Vereine, die längerfristig mit ihren Trainern zusammenarbeiten, die eine Vereinsphilosophie verfolgen und sich fragen: Welchen Trainertypus brauchen wir? Und wofür wollen wir als Verein stehen? Welche Identifikation wollen wir? Auf der anderen Seite gibt es auch Situationen, in denen Emotionen im Spiel sind und Fehler gemacht werden. Was ich mir generell wünschen würde, ist, dass Anstand und Menschlichkeit eine wichtige Rolle spielen. Das ist wichtig. Weil zu einer Führungsstärke auch gehört, dass man in der Kommunikation richtig miteinander umgeht. Über die Art und Weise, wie das manchmal passiert, sollte man diskutieren. Ich finde das nicht immer in Ordnung. Wobei ich hier gar nicht unbedingt einen der aktuellen Fälle meine, sondern dies als Grundsatz für das Miteinander sehe.

Rund um ein Länderspiel gibt es in Deutschland mehr als 80 Millionen Bundestrainer. Alle wissen alles besser. Nervt das?

Das ist ja auch das Schöne an meiner Aufgabe und am Fußball. Die Leidenschaft, die Emotion, das Herz müssen doch eine Rolle spielen. Die Menschen identifizieren sich mit unserer Nationalmannschaft, sie steht im Interesse von allen in Deutschland. Ich kann das sehr gut einordnen und gehöre nicht unbedingt zur nervösen Fraktion in dem Geschäft. (lacht) Wichtig ist für uns zu wissen, was wir für einen Plan haben und was wir erreichen wollen. Ich weiß, dass es von außen viele Einflüsse gibt und es auch viele Trainer gibt, die etwas anders machen würden. Aber davon bin ich frei. Wir wissen, was wir wollen. Und das versuche ich gemeinsam mit Thomas Schneider, Andy Köpke, Marcus Sorg und Oliver Bierhoff konsequent umzusetzen.

Waren Sie schon immer so gelassen?

Ich war in meiner Anfangszeit als Nationaltrainer auch schon überzeugt von dem, was wir tun. Aber klar: Man lernt auch aus Spielen und mit der Zeit. Es ist eine Mischung aus Überzeugung und Erfahrung. Wichtig ist, dass man sich treu bleibt und einen klaren Plan hat.

Wie schwer fällt es Ihnen, Spielern zu sagen: Du bist nicht dabei.

Es gibt immer Situationen, in denen man als Trainer Entscheidungen treffen muss, auch unangenehme und solche, von denen man weiß, dass sie Spielern wehtun. Aber in erster Linie bin ich für die gesamte Mannschaft und den Erfolg verantwortlich, ich treffe Entscheidungen im Sinne des Erfolgs. Ich muss Spielern auch mal wehtun. Das gehört dazu, das fällt nicht immer leicht. Das zu können ist eine Grundvoraussetzung. Wichtig ist, dass man offen mit seinem Gegenüber spricht und Entscheidungen begründet.

Ist bei der Anzahl der Spiele eine Grenze erreicht?

Absolut. Für die Topspieler auf jeden Fall. Was die tägliche Trainingsarbeit bei den Klubs betrifft, ist auch die körperliche und technische Arbeit wichtig. Es ist wichtig, dass ein Trainer mit Spielern, die über die Jahre hinweg generell eine hohe Belastung haben, verantwortungsvoll umgeht. Ich denke, dass es mehr und mehr ein Thema wird, dass Trainer mit solchen Kadern, wie sie Dortmund, Bayern und Real Madrid haben, auch einen Plan haben, wann sie Spielern eine Pause geben müssen, der sie erkennen lässt, wann ein Spieler überbelastet ist und wann die Verletzungsanfälligkeit steigt.

Wo steht die Bundesliga im internationalen Vergleich?

Ich sehe die Bundesliga auf einem sehr hohen Niveau – sportlich und auch was die Infrastruktur betrifft. In anderen Ligen werden hohe Gehälter gezahlt und die Spieler und Trainer liefern das, was man von ihnen erwartet. Aber die wichtige Aufgabe ist, junge Spieler zu entwickeln, zu integrieren und so eine gute Ausbildung zu gewährleisten. Das ist die Zukunft. Da sehe ich Deutschland führend. Das ist wichtig für die Entwicklung des Fußballs. Die Liga und die Klubs machen das auch im Zusammenspiel mit den Landesverbänden hervorragend. Da sind wir weiter als andere Ligen, in denen viel Geld bezahlt wird und in denen es häufig um einen ganz kurzfristigen Erfolg geht.

Haben Sie die Niederlage im EM-Halbfinale gegen Frankreich, einem Spiel, in dem Sie nicht schlechter waren, schon verarbeitet?

Die Enttäuschung nach dem Spiel war groß. Ich weiß: Hätten wir Frankreich geschlagen, wären wir Europameister geworden. Das, was ich kurz nach der EM spontan gefühlt habe, hat sich nun durch Zahlen und Fakten bestätigt. Wir haben hinterher ein paar Wochen genutzt, um Analysen zu erstellen. Wir haben uns alle EM-Spiele angeguckt, alle Daten ausgewertet. Und soll ich Ihnen etwas verraten?

Bitte.

Das Kuriose ist: In fast allen Bereichen waren wir besser als beim Turnier 2014 in Brasilien.

In welchen Bereichen?

Wir haben viel mehr Chancen herausgespielt, waren im letzten Drittel der Spiele viel besser, hatten viel mehr angekommene Pässe, haben weniger Konterchancen zugelassen, haben weniger Tore kassiert, haben mehr Zweikämpfe gewonnen, haben intensivere Läufe gemacht. Aber ein großes Manko war unsere Chancenverwertung. Wir brauchten unheimlich viele Chancen, um ein Tor zu erzielen.

Lässt sich schwer trainieren …

Das ist die Aufgabe. Natürlich werden wir Lösungen entwickeln. Ich möchte das jetzt nicht kleinreden, aber ich würde mir mehr Sorgen machen, wenn wir keine Chancen herausgespielt hätten. Aber unsere Spielweise, gerade gegen Mannschaften, die defensiv sind, ist gut. Das Spiel gegen Norwegen (3:0 zum Auftakt der WM-Qualifikation, d. Red.) muss der Anfang gewesen sein, Chancen besser zu nutzen. Das ist sicher ein Thema, das uns die nächsten zwei Jahre beschäftigen wird. Und: Wir müssen auch wieder dahin kommen, mehr Eins-gegen-eins-Spieler zu haben. Wir sind eine Kombinationsmannschaft. Aber wir brauchen mehr Spieler, die sich im Eins-gegen-eins in der Offensive durchsetzen.

Was sind die Säulen bei der Weiterentwicklung und der Neuerfindung der Mannschaft hinsichtlich 2018?

Die Integration von jungen Spielern ist eine Säule. Talente gibt es ja nicht wie Sand am Meer, wie viele denken. Das ist eine Meinung, die so nicht richtig ist. Aber wir haben schon einige sehr talentierte Spieler, denen ich auch zutraue, dass sie auf das Weltklasseniveau, das wir haben, kommen können, sodass wir damit 2018 noch ein bisschen breiter aufgestellt sind. An der Entwicklung der Spielweise müssen wir festhalten.

Anrufen – und mit Glück Jogis Jungs in Hannover sehen

Erst Hamburg, dann Hannover: Nach dem Spiel gegen Tschechien am Sonnabend (20.45 Uhr, RTL) in der Hansestadt macht sich die deutsche Fußballnationalmannschaft am Montag auf nach Hannover, wo sie das Hotel Radisson Blu an der Expo Plaza bezieht. Am Dienstag (20.45 Uhr, RTL) steigt in der HDI-Arena das WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland. Mit der HAZ können Sie dabei sein!

Für die Partie verlosen wir 11 x 2 Karten, nur heute haben wir von 0 bis 24 Uhr die Gewinn-Hotline geschaltet: 0137/9796400

Aus dem Festnetz kostet der Anruf 50 Cent, aus dem Mobilfunknetz kann es teurer sein. Bitte geben Sie eine Handy Nummer an, unter der Sie verlässlich zu erreichen sind.

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