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Ein verhagelter EM-Test

1:3-Niederlage gegen die Slowakei Ein verhagelter EM-Test

Die DFB-Elf hat am Sonntagabend im Testspiel gegen die Slowakei mit 1:3 verloren. Unwetter in Augsburg hatten für eine lange Halbzeitpause gesorgt. Im Stadion solidarisierten sich die Fans nach einer diskriminierenden Aussage des AfD-Politikers Alexander Gauland mit Jérôme Boateng.

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 Nachbar

Bundestrainer Joachim Löw.

Quelle: dpa

Augsburg. Ein kräftiges Donnerwetter zur Halbzeit gibt es immer dann, wenn ein Trainer mit der Leistung seiner Mannschaft ganz und gar nicht zufrieden ist. Doch was am frühen Abend in Augsburg vom Himmel kam, war ein gewaltiges Unwetter samt Blitz, Donner, Hagel und Starkregen. Dadurch dauerte die Halbzeitpause beim ersten EM-Test der Nationalelf gegen die Slowakei satte 35 Minuten, ehe Schiedsrichter Serge Gumienny aus Belgien entschied: Ja, es darf heiter gerutscht und geschlittert werden auf dem regendurchtränkten Rasen. Die Slowaken gewannen die Wasserschlacht mit 3:1.

Was die Zuschauer in der Augsburger Arena oftmals erheiterte, hat Bundestrainer Joachim Löw überhaupt nicht gefallen. Genau zwei Wochen vor dem deutschen EM-Auftaktspiel in Lille gegen die Ukraine zeigte sich sein Team ziemlich anfällig in der Defensive, eine wirkliche Ordnung war nicht zu erkennen. Seit sieben Spielen hat man es nicht mehr geschafft, zu Null zu spielen – das gab es zuletzt vor fünf Jahren.

„So ein Spiel habe ich noch nie erlebt“, sagte Löw nach dem Schlusspfiff zur Wasserschlacht. „Es ist natürlich nicht ungefährlich. Es hat auch gedauert, bis wir uns daran gewöhnt haben.“ Das Fazit des Bundestrainers fiel entsprechend durchwachsen aus. „In der Offensive war ich zufrieden. Es waren ein paar gute Aktionen dabei. Im Mittelfeld waren die Räume zu weit offen. Defensiv haben wir es nicht gut gemacht“, sagte Löw. „Man kann von den jungen Spielern, die jetzt dabei waren, aber nicht alles verlangen.“

Die DFB-Elf im Testspiel gegen die Slowakei in Augsburg.

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EM-Teilnehmer Slowakei zockte diese jungen Spieler immer wieder ab und gab dem deutschen Trainerstab einige Denkaufgaben mit auf die Heimreise. Wer hat das Casting überstanden? Welche vier Spieler werden bis zur Meldefrist bei der Uefa in der Nacht auf Mittwoch aus dem Kader gestrichen? Noch am Abend flog der Tross der Nationalmannschaft zurück ins Trainingslager nach Ascona in der Schweiz.

Dort wird man diskutieren und aufarbeiten, was am Sonntag schiefgegangen ist. Der Regenkick in Augsburg hatte über weite Strecken der zweiten Halbzeit Slapstick-Charakter, taugt also nur bedingt, um herauszufinden, wer von den Youngstern nun mit nach Frankreich darf. „Ich hoffe natürlich, dass ich dabei bin“, sagte Leroy Sané, der 90 Minuten zum Einsatz kam. „Es ist ein großer Traum für mich.“ Und Nachwuchsspieler Julian Weigl sagte: „Ich hätte mir ein anderes Debüt vorgestellt. Die Platzverhältnisse waren sehr schwierig. Wir haben es nicht geschafft, unsere Überlegenheit auszunutzen. Ich mache mir jetzt keinen Kopf. Ich versuche Tag für Tag von den Jungs zu lernen. Es macht Spaß im Training.“

22.110 Zuschauer wurden Zeuge des Wasserballspiels, das in der Halbzeitpause kurz vor dem Abbruch stand. Was in der Länderspielhistorie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bislang übrigens erst einmal geschehen ist: 1978 wurde das Länderspiel in Frankfurt gegen Ungarn wegen Nebels nach 60 Minuten abgebrochen. Das wäre Löw sicher auch nicht recht gewesen, wollte er doch Erkenntnisse gewinnen. Aber konnte er das wirklich?
Immerhin: Torhüter Bernd Leno (Bayer Leverkusen), Joshua Kimmich (FC Bayern), Julian Brandt (Bayer Leverkusen) und Weigl (Dortmund) feierten ihre Premiere im Nationaltrikot. Somit stieg die Zahl der Debütanten in der Ära Löw auf 82. Das deutsche Neulingsquartett konnte jedoch nicht wirklich Pluspunkte sammeln, vor allem Weigl und Brandt, die in der zweiten, der Rutschpartie-Halbzeit spielten. Positiv fielen der spielfreudige Mario Götze und Mittelstürmer Mario Gomez auf, der den Elfmeter nach einem Foul an Götze verwandelte (13. Minute). Das 27. Länderspieltor gibt dem Torschützenkönig der türkischen Liga sicher noch mehr Selbstvertrauen.

Nach der Führung hatte das deutsche Team das Spiel aus der Hand gegeben. Wie schon häufiger und erneut unerklärlich. Ein Doppelschlag der Slowaken durch Marek Hamsik (41.) und Michal Duris (44.) zerstörte den bis dahin guten Eindruck. Juray Kucka traf zum 3:1 (52.) mit freundlicher Unterstützung des eingewechselten Torhüters Marc-André ter Stegen, der den Ball durch die Beine rutschen ließ. Was nicht am Regen lag.

Welle der Solidarität für Boateng

Am Abend ging Jerome Boateng seiner Arbeit nach, als sei nichts gewesen. Dabei war den ganzen Tag über einiges los, nachdem der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland den deutschen Nationalspieler mit einer diskriminierenden Äußerung beleidigt hatte. "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben", hatte der Politiker der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) gesagt - und damit einen Sturm der Entrüstung sowie eine Welle der Solidarität für den Weltmeister ausgelöst.

Zuspruch im Stadion für Jérôme Boateng.

Zuspruch im Stadion für Jérôme Boateng.

Quelle:

Zur zweitem Halbzeit gab Bundestrainer Joachim Löw Boateng für das Länderspiel gegen die Slowakei die Kapitänsbinde, nachdem er sich vor dem Anpfiff noch für den tunesisch-stämmigen Sami Khedira anstelle des angeschlagenen Bastian Schweinsteiger entschieden hatte. Doch schon vor dieser Geste war die Rückendeckung überwältigend. Benedikt Höwedes etwa postete Fotos von sich und Boateng im Internet, dazu schrieb er: "Wenn du für Deutschland Titel gewinnen willst, brauchst du Nachbarn wie ihn." Der Berliner Boateng ist Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters und träumte davon, als "erster farbiger Spieler die Kapitänsbinde für Deutschland zu tragen". Auch im Stadion war die Unterstützung für Boateng sichtbar, etwa auf Spruchbändern, die von den Zuschauern aufgehängt wurden: "Jerome, sei unser Nachbar!", stand auf einem zu lesen.

von Patrick Strasser/r.

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