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Der Fußball-König von Mallorca

Utz Claasen Der Fußball-König von Mallorca

Früher sorgte er bei Hannover 96 für die Schlagzeilen. Nun ist Utz Claassen auf Mallorca zum Fußballchef geworden: Ein Besuch bei dem Fußball-König, der auf der Lieblingsinsel der Deutschen für Furore sorgt – nicht nur mit einem 126-Punkte-Plan.

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Utz Claassen – hier vor der Haupttribüne des „Iberostar Estadio“ in Palma – will den RCD Mallorca zu Spaniens dritter Fußballmacht hinter dem FC Barcelona und Real Madrid machen.

Quelle: Archiv

Palma. Utz Claassen kommt ins Café „Cappuccino“ am Palau March in Palma und plauscht erst einmal mit der Kellnerin und dem Geschäftsführer. Man kennt hier auf Mallorca den prominenten Gast aus Hannover, der im perfekten Spanisch ein paar Freundlichkeiten austauscht, dann seinen Mantel auszieht, eine Cola bestellt und ein paar Sekunden später sofort auf Ballhöhe ist. Oder genauer gesagt bei seinem neuen Lieblingsthema: dem spanischen Fußball-Erstligisten RCD Mallorca, dessen größter Privataktionär der 48-Jährige ist und in dessen mächtigen Verwaltungsrat er großen Einfluss hat.

Claassen hat den Treffpunkt in Mallorcas Hauptstadt ausgewählt, das Café liegt zwei Torwartabstöße entfernt von der Kathedrale La Seu, dem Wahrzeichen der Stadt. Die Kathedrale ist für Claassen der „schönste Kirchenbau der Welt“, und wenn man so will, steht sie am Anfang von Claassens Mallorca-Geschichte. Als 14-Jähriger machte er in den Osterferien seinen ersten Urlaub auf der Lieblingsinsel der Deutschen. Allein die Anreise dauerte drei Tage, mit Übernachtungen in Dijon und Barcelona, von dort ging es mit der Fähre nach Mallorca. „Den Anblick der erleuchteten Kathedrale, als wir in den Hafen eingelaufen sind, werde ich nie vergessen“, sagt Claassen.

Es folgten weitere Urlaube auf Mallorca, mal in einem Zwei-Sterne-Hotel, mal in einem Hotel mitten in der Engländer-Hochburg Magaluf, „einer der tollsten Urlaube überhaupt“. Viele Jahre später hatte der Tourist Claassen zwei Erlebnisse, ohne die er heute vermutlich nicht den ambitionierten und in Deutschland aufmerksam beobachteten Versuch unternehmen würde, RCD Mallorca zu einer europäischen Fußballmarke zu machen. Claassen wollte abends ein Fußballspiel auf der Insel sehen, also fragte er im Hotel an der Rezeption, wann der heimische Klub spiele, wie er an eine Karte komme, wie viel die kostet und wie man ins Stadion komme. Die Antwort lautete in allen Fällen: Wissen wir nicht, können wir nicht sagen, keine Ahnung. Es war das erste Mal, dass der Hannoveraner eine Ahnung davon bekam, dass es sich bei dem führenden Fußballklub der Insel um eine „vernachlässigte, unterausgeschöpfte Marke“ handelt, wie es der Wirtschaftsmanager heute formuliert.

Claassen fand damals trotzdem irgendwie den Weg ins Stadion und sah bei dem Spiel „einen Stürmer, wie ich ihn noch nie gesehen habe: schnell, geradlinig, draufgängerisch“. Der Mann hieß Samuel Eto‘o, war damals völlig unbekannt und wurde später beim FC Barcelona ein Weltstar. „Seit diesem Spiel“, sagt er, „habe ich RCD Mallorca beobachtet.“

Herr Claassen, Sie könnten mit ihrem Geld Hannover 96 einen neuen Stürmer kaufen oder Bayern München unterstützen. Warum haben Sie sich ausgerechnet RCD Mallorca ausgesucht?
Die Bayern brauchen meine Unterstützung nicht. Und Martin Kind bei 96 auch nicht. Doch darum geht es nicht. Erstens: Ich bin ein Fußball-Hardcore-Fan, und das betone ich, weil ich weiß, dass es Lebensbereiche gibt, in denen sich Ökonomie rationeller vollzieht. Zweitens ist das Projekt, eine Sportmarke mit der Plattform Tourismus zu entwickeln, für mich als Betriebswirt intellektuell eine phantastische Herausforderung. Und drittens bin ich von dem Wertpotenzial der Fußballmarke Mallorca fest überzeugt.

Tourismus als Plattform: Wie meinen sie das?
Mallorca ist – auch wenn es komisch klingt – der bestangebundene deutsche Flughafen. Man kommt von Hannover besser nach Palma als nach Düsseldorf, im Sommer kann man von Mallorca in 115 europäische Städte fliegen. Jährlich kommen mehr als zehn Millionen Touristen auf die Insel: Wenn nur zwei Prozent der Touristen Fußball sehen wollen, ist das Stadion immer voll. Für mich ist Mallorca nach London und Moskau der attraktivste Standort für eine Sportmarke wegen dieser unglaublichen logistischen Anbindung. Und diese Marke ist dramatisch unterausgeschöpft. Als RCD in Insolvenz gegangen ist, sozusagen am Tiefpunkt war, da war für mich klar, mir das jetzt genauer anzuschauen.

Im vergangenen Jahr erwarb Claassen zehn Prozent der Anteile des Klubs und ließ sich in den Verwaltungsrat wählen, „viele Spanier wussten damals nicht, wie sie mich einschätzen sollen“, sagt er. Vom mallorquinischen Tennisstar Rafael Nadal und dessen Onkel erwarb er zusätzliche zehn Prozent. Seitdem wissen sie auf der Insel, „dass sie mich anders auf der Liste haben müssen als gedacht. Die Leute haben gesehen, dass da einer nicht investiert, nur weil er gerade Lust drauf hat. Der Erwerb der Nadal-Aktien hat denen gezeigt, dass da einer ist, der etwas vorhat.

Herr Claassen, gab es auf Mallorca eine Angst vor der Heuschrecke aus Hannover?
Ich sage Ihnen mal ein Beispiel: Wenn Boris Becker an einem Bundesligaklub beteiligt ist und verkauft seine Anteile an einen Spanier, dann bricht in Deutschland niemand in Jubel aus. Gemessen daran war das hier alles sehr moderat. Es gab null Feindseligkeit gegen mich als Investor. Die Mallorquiner sind zu mir ganz außerordentlich nett, mit der Sportpresse ist das etwas anders, aber das liegt in der Natur der Sache.

Was haben Sie gegen Vorurteile getan, dass da jemand aus Deutschland den ganzen Klub übernimmt?
Erst einmal: Ich habe mich da nicht reingedrängt. Ich bin angesprochen worden, die hatten Interesse, ich hatte Interesse. Aber ich will das RCD-Projekt nicht dominieren, das ist auf Mallorca verstanden worden. Ich werde nicht sagen, welche Spieler ge- und verkauft werden sollen und wie die Dinge auf der Insel zu regeln sind. Das wissen die Spanier viel besser. Ich will das Kosten-Nutzen-Verhältnis optimieren und beweisen, dass man auch in Spaniens 1. Liga überleben kann, wenn man finanzielle Vernunft walten lässt. Wir haben die Schulden in einem Jahr von 80 auf 40 Millionen Euro halbiert durch Verkleinerung des Kaders und Kostenabsenkungen. Und wir haben gegenüber dem Vorjahr mit 16 Millionen Euro Verlust elf Millionen Euro Gewinn gemacht. Ich kenne keinen Präzedensfall, in dem das so schnell gelungen ist. Und nebenbei: Wir sind – wenn auch mit Glück und haarscharf – nicht abgestiegen.

Von einem 127-Punkte-Plan ist die Rede, den Sie ihren spanischen Kollegen vorgestellt haben. Ist das eine Legende?
Im Dezember habe ich im Verwaltungsrat 70 Schaubilder gezeigt. Und dann im Januar einen 126 Punkte umfassenden Maßnahmenplan.

Wie lange hat die Sitzung gedauert? 15 Stunden?
Nein, nein, ich habe in der Wirtschaft schon längere Aufsichtsratssitzungen  geleitet. Der Katalog wurde schneller als ich gedacht habe beschlossen. Im Klub haben sie das nicht als Bedrohung, sondern als Chance empfunden. Leider dauert die Umsetzung auch länger als ich gedacht habe. Aber das hat Gründe. Es gibt auf Mallorca außer im Tourismus kaum Menschen, die gut Englisch oder Deutsch sprechen, deshalb hakt zum Beispiel die Kooperation mit Hannover 96. Zum anderen waren wir durch die zeitweilige Insolvenzverwaltung blockiert. Ich wollte unbedingt einen Kinderclub im Stadion. In Spanien sind Familien sehr wichtig. Die Insolvenzverwalter haben das neun Monate lang blockiert, bis ich gesagt habe, dass ich jetzt die Schnauze voll habe und das auf eigene Kosten zahle. Und auch Handwerker schicke, wenn es keine gibt.

Wie bekannt sind Sie mittlerweile auf der Insel?
Ich bin auf Mallorca so bekannt wie in Hannover.

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