Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Krassester Außenseiter der Bundesligageschichte

1. Spieltag Krassester Außenseiter der Bundesligageschichte

Schon der Aufstieg von 96-Gegner Darmstadt 98 war ein kleines Wunder für den Verein, der gern anders ist als der Rest der Liga. Die Spieler von Hannover 96 werden heute auch auf einen Ehemaligen treffen, Konstantin Rausch wird wohl im linken Mittelfeld auf die "Roten" warten.

Voriger Artikel
FC Bayern feiert 5:0-Sieg gegen den HSV
Nächster Artikel
Das war der Bundesliga-Auftakt

„Hannover wird immer mein Zuhause bleiben“: Konstantin Rausch (l.) spielt jetzt für Darmstadt 98 auf seiner Lieblingsposition im linken Mittelfeld.

Quelle: dpa

Darmstadt. Einen wirklichen Überblick über die Zahl der gegebenen Interviews hat Tom Lucka nicht mehr. Der Pressesprecher des Auftaktgegners von Hannover 96 will Vermutungen aber nicht vehement wiedersprechen, dass es fast schon zum Klassenerhalt reichen könnte, bekäme der SV Darmstadt 98 für jede Frage-Antwort-Runde mit Dirk Schuster einen Zähler gutgeschrieben. Der Trainer ist der gefragteste Gesprächspartner bei den Südhessen, auch wenn der Bezahlfernsehsender Sky in der Stadt gerade Flyer verteilen lässt, auf denen das bärtige Unikum Marco Sailer abgebildet ist. Das Potenzial als Publikumsliebling und Zeitzeugen eines Fußballwunders besitzen beide.

„Ob beim Etat, bei den Marktwerten der Spieler, bei der  Kapazität des Stadions oder der Zahl der Trainingsplätze: Man wird uns in jeder Tabelle immer auf dem letzten Platz finden“, stellt Schuster gerne fest. Der Fußballlehrer mit Wurzeln im ehemaligen Karl-Marx-Stadt  heuerte im Dezember 2012 bei den „Lilien“ an – da war der Traditionsclub gerade Letzter der 3. Liga. Dass es danach  steil bergauf ging, muss also irgendetwas auch mit ihm zu tun haben, obwohl der 47-Jährige natürlich so klug ist, alle Komplimente auf jene kleine, schlagkräftige Einheit umzuverteilen, die die Auferstehung am maroden Böllenfalltor erst möglich gemacht hat.

„Ganz wenige Leute machen hier ganz viel Arbeit“, betont Schuster.  Mit Leidenschaft und Herz. Und: „Niemand schaut hier auf die Uhr.“  

Er dient als das beste Beispiel. Mindestens zur Hälfte erfüllt der Tausendsassa auch noch Manager-Aufgaben. Wo andere Clubs ganze Scouting-Abteilungen vorgeschaltet haben, um die unzähligen Angebote der Spielerberater zu sichten, landet hier alles direkt beim Trainerstab. Torwarttrainer Dimo Wache könnte notfalls eine neue Software nutzen, aber lieber verlässt sich der bestens vernetzte Chef auf die Ratschläge ehemaliger Mitspieler, Trainer oder Freunde.

Als seine Scouts fungieren sein Vater, der DDR-Meistertrainer Eberhard Schuster, und der frühere Bundesligatrainer Horst Franz, der Vater seines Assistenten Sascha Franz. Ganz bewusst wurde nur der deutsche Markt bei der Spielersuche angezapft. Die Devise: „Unsere Spieler müssen von der ersten Minute an funktionieren.“ Längere Eingewöhnungszeit ist nicht möglich an einem limitierten Standort, der aus minimalen Mitteln (15 Millionen Euro Lizenzspielerbudget) das Maximum machen will. Der frühere 96-Profi Konstantin Rausch (er kam vom VfB Stuttgart), Luca Caldirola (Bremen), Junior Diaz (Mainz), Mario Vrancic (Paderborn), Peter Niemeyer und Sandro Wagner (beide Hertha BSC) heißen diejenigen, die nach einem Karriereknick nun für kleines Geld ein großes Ding drehen sollen: den Klassenerhalt mit dem „krassesten Außenseiter der Bundesligageschichte“ (Schuster).

33 Jahre war Darmstadt nicht mehr in der Bundesliga. Die Rückkehr besitzt allein wegen der gegenüber damals fast unveränderten Spielstätte romantische Züge, aber der Slogan „Aus Tradition anders“ bedeutet nicht, dass der Standort das gängige Leistungsprinzip außer Kraft setzt. Eine Schonzeit für die Aufstiegshelden besteht nicht – schon im Heimspiel gegen 96 könnte die Hälfte der Startelf aus Neuzugängen bestehen.

Den Fehler, die Darmstädter zu unterschätzen, will 96-Trainer Michael Frontzeck nicht machen. „Wir wissen, was uns erwartet“, sagt er. In gewisser Weise ist auch Frontzeck Darmstadt-Fan. „Es ist fantastisch, was da abgelaufen ist“, sagt er, „sie haben mehr als das Optimum herausgeholt. Und sie sind nicht mit Glück aufgestiegen, sondern haben sich das verdient.“ Was Frontzeck und 96 heute nicht davon abhalten wird, Darmstadt möglichst gleich zum Auftakt die Bundesligalaune zu verderben.

Wussten Sie ...

... dass neun Darmstädter Profis Studenten sind? Sie haben sich beim Studieninstitut IST für eine Weiterbildung im Bereich Sportmanagement angemeldet. „Wir wollen so unseren Horizont erweitern“, sagt Kapitän Aytac Sulu.
... dass beim Aufsteiger ein zweiter ehemaliger 96-Profi spielt? Konstantin Rausch hat 150 Spiele für die „Roten“ absolviert und neun Tore geschossen, Jan Rosenthal kam in 80 Spielen im 96-Trikot auf elf Treffer. Anders als Rausch wird Rosenthal, der vor zwei Jahren mit dem Wechsel vom SC Freiburg zu Eintracht Frankfurt den größten Fehler seiner Karriere gemacht hatte, vermutlich nicht in der Anfangsformation stehen.
... dass die Einführung der Torlinienüberwachsungs-Technik nur im Darmstädter Stadion Probleme bereitet hat? Weil am Böllenfalltor nur die Haupttribüne ein Minidach hat, mussten extra Masten aufgestellt werden, die nun die 14 Kameras tragen, die den Torraum kontrollieren.
... dass Darmstadt und 96 die beiden einzigen Erstligaclubs sind, die von der Firma Jako mit Trikots ausgerüstet werden?

hr

Von Frank Hellmann
und Heiko Rehberg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Frontzeck hat die Qual der Wahl
Foto: Schulz? Felipe? Erdinc? Nur 96-Trainer Michael Frontzeck weiß, wer in Darmstadt auflaufen wird.

Schulz oder Felipe? Karaman oder Maximin? Erdinc oder Benschop? 96-Trainer Michael Frontzeck hat vor dem ersten Bundesliga-Spiel beim SV Darmstadt auf mehreren Positionen die Qual der Wahl.

mehr
Mehr aus Fußball
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wie hat mein Verein gespielt

Von Kreisliga bis Bundesliga: Hier finden Sie alle Fußball-Ergebnisse.

Recken besiegen HSC 2000 Coburg

Die TSV Hannover-Burgdorf bleibt sich treu in der Handball-Bundesliga. Starken Auftritten folgen Zitterpartien, und so wurde es am Sonntag gegen den HSC 2000 Coburg nichts mit dem allseits erwarteten klaren „Recken“ -Erfolg.

Die HAZ-Sportexperten schreiben gemeinsam den RotenBlog
27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

mehr
Anzeige