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Dieser Turban schrieb Fußball-Geschichte

Dieter Hoeneß Dieser Turban schrieb Fußball-Geschichte

Vor 34 Jahren schreibt Dieter Hoeneß Fußballgeschichte: Nach einem Zusammenstoß haben Ärzte Mühe, die Blutung am Kopf zu stoppen, doch Kämpfer Hoeneß trifft zur Entscheidung – per Kopf! Treffen mit einem Mann, der sich jetzt auf das Wiedersehen mit Bruder Uli freut.

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Dreimal muss Dieter Hoeneß nach einem Zusammenstoß in der ersten Hälfte an die Seitenlinie. Erst in der Halbzeit kann die Blutung gestoppt werden - die Wunde wird ohne Betäubung genäht.

Quelle: Imago

Es kommt immer noch viel Post. Die Fans wollen weniger über den Manager Dieter Hoeneß wissen oder über das WM-Finale 1986 in Mexiko. Sie fragen nach der 13. Minute von Frankfurt, als am 1. Mai 1982 die Köpfe von Dieter Hoeneß und Nürnbergs Alois Reinhardt zusammenknallten, das Blut spritzte, Hoeneß mit einem Turban bis zum Schluss durchhielt. Und - als hätte es im Drehbuch gestanden - nach 0:2 am Ende das 4:2 für Bayern gegen Nürnberg - nein, nicht schoss - köpfte!

In Ostwestfalen, wo sie die Wilde Hobbyfußball-Liga gründeten, feierte das Team „Dieter Hoeneß Hirnverband“ - ja, die gab es wirklich - mit nur neun Mann einen 7:2-Sieg gegen den „Geist von Bern“ und bejubelte es wie eine Weltmeisterschaft. „Sie haben mich angeschrieben“, sagt Hoeneß. Man könnte fast sagen, der Turban von Hoeneß ist nach dem Pokal selbst das zweitbekannteste Synonym für diesen Wettbewerb. Witzig war die Schlagzeile des Satiremagazins „Titanic“: „Auch Männer haben ihre Tage.“ Hoeneß fand es nicht schlimm: „Ich habe es mit einem Schmunzeln gelesen.“

Wenn Sie heute irgendwo in Deutschland zum Tanken fahren, in einen Flieger steigen …
... schauen mich die Leute an, überlegen. Früher oder später erkennen sie mich. Und sie sprechen mich auf den Turban an. Rührend wird die Geschichte, wenn Leute sagen: „Sie sind der Held meiner Jugend. Das werde ich nie vergessen.“

Es ist irgendwie ungerecht, Sie auf diese eine Szene zu reduzieren, bei 102 Toren in 224 Bundesligaspielen bei Bayern. Bei 44 in 105 Einsätzen für den VfB Stuttgart. Aber der 1. Mai 1982 war von der Dramaturgie einmalig.
Das eigentliche Drama war ja nicht meine Verletzung, sondern dass meine Frau hochschwanger zu Hause zuschaute. Und weil Dieter Kürten im ZDF ein paarmal vehement gefordert hatte, mich vom Platz zu holen. Alles andere wäre unverantwortlich … Das habe ich natürlich erst später erfahren, dass meine Frau in großer Sorge war. Aber zum Glück haben sie und Sebastian, der elf Tage später zur Welt kam, alles gut überstanden.

Es sah ja auch dramatisch aus.
Gut, ich musste dreimal zur Seitenlinie, immer wieder versuchten die Physios Toni Brablec und Fredi Binder mit neuen Verbänden die Blutung zu stoppen. In der Halbzeit bekamen wir dann alles in den Griff. Dr. Müller-Wohlfahrt hat den Cut in der Halbzeit genäht. Das war schmerzhaft, da eine Betäubung nicht möglich war.

Haben Sie daran gedacht, sich auswechseln zu lassen?
Nein. Es war ja ein Pokalfinale und wir lagen 0:2 zurück. Außerdem ist man bei einem solchen Spiel voller Adrenalin.

Damals war eine echte Nummer neun noch ganz vorne eingekeilt von Abwehrriesen. Das war nicht ungefährlich.
Da es noch den Libero gab, hat man als Mittelstürmer gegen zwei Leute gespielt. Wenn du an den sogenannten Vorstoppern vorbeigekommen bist, warst Du selbst schuld. Da gab es üble Treter. Wenn du Angst um deine Knochen hattest, warst du für diese Position fehl am Platz.

1986 fuhren Sie mit der Nationalelf nach Mexiko, wollten aufhören, falls Sie Weltmeister werden.
Da wir „nur“ Vizeweltmeister wurden, verlängerte ich um ein Jahr. Drei Monate später passierte beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach ein richtiges Unglück mit meinem Kopf. Bei einem Kopfballduell zog ich mir einen Jochbeinbruch und Brüche der Augenhöhle zu, wobei auch der Sehnerv beschädigt wurde. Gott sei Dank war das reparabel.

Bis heute sieht man noch die blauen Flecken unter Ihrem Auge. Ein Stück Draht ist auch noch drin. Das ist zeitlebens unauslöschlich. Dennoch liefen Sie wieder ein.
Ja, acht Wochen später. Wir lagen in Mannheim zurück, ich wurde eingewechselt. Zehn Minuten später kam eine Flanke, ich machte ein Kopfballtor - damit war die Blockade weg. Wie bei einem Skispringer, der sich nach einem schweren Sturz noch mal auf die Schanze wagt.

Sie betreiben mittlerweile in Grünwald eine kleine effektive Consultingfirma. Was tun Sie da?
Wir beraten Sponsoren, Investoren und auch Vereine und sind keine klassischen Spielerberater. In erster Linie nutze ich mein Know-how und internationales Netzwerk. Zum Beispiel nach Brasilien wie beim Transfer von Wendell nach Leverkusen.

Sie waren Manager in Stuttgart, Berlin und Wolfsburg - keine Lust mehr, einen Klub zu führen?
Es gab seit 2011 mehrere Anfragen, doch ich hatte meiner Frau versprochen, dass wir nach der Zeit in Wolfsburg endgültig nach München ziehen werden.

War eine Tätigkeit im Management vom FC Bayern je Thema?
Ja. Uli hatte mich 2004 mal gefragt, ob ich mir vorstellen könne, sein Nachfolger zu werden. Er wollte nach der WM 2006 aufhören, ich habe 2005 einen Fünfjahresvertrag in Berlin unterschrieben. Hertha stand finanziell schlecht da, das musste ich auf die Spur bringen. Am Ende waren wir fast Meister.

Sie haben als Manager damals bei Hertha Schluss gemacht, das Angebot Ihres Bruders nicht angenommen, weil Sie in Zehnjahressprüngen dachten. Und meinten, Sie wären mit über 60 zu alt für den Job.
Wenn ich einen Job wie bei Bayern übernehme, dann macht man das ja nicht für zwei Jahre. Da muss man im Zeitraum von zehn Jahren denken, damit man gestalten, einen Stempel aufdrücken kann. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, das bis 68 zu machen. Du gehst mit den Sorgen des Vereins ins Bett, stehst mit dem Thema auf. Uli hat ja auch aufgehört im operativen Bereich.

Wie war Ihr Verhältnis während der gemeinsamen Zeit beim FC Bayern?
Das war unsere schwierigste Zeit. Für mich als Spieler war es schwer zu akzeptieren, dass mein Bruder mein Chef war. Außerdem hat er mich immer härter als die anderen angepackt, zum Beispiel waren die Geldstrafen immer doppelt so hoch. Wir haben diese Auseinandersetzung gelebt, um den Leuten zu zeigen, dass bei Bayern keine Vetternwirtschaft herrscht. Erst als ich beim VfB Stuttgart und Hertha ins Management ging, wurde unser Verhältnis wieder besser.

Interview: Raimund Hinko

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