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„So wird der Amateurfußball kaputt gemacht“

Neue Bundesliga-Spielzeiten „So wird der Amateurfußball kaputt gemacht“

96 gegen Dortmund an einem Sonntag um 13.30 Uhr? Und das Nordderby gegen Bremen an einem Montagabend um 20.15 Uhr? Wer das hört, wird erst einmal ungläubig den Kopf schütteln. Von der Bundesligasaison 2017/2018 an könnte das jedoch Wirklichkeit werden. Trainer und Club-Verantwortliche in der Region sind über die Pläne empört.

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96-Spiele am Montagabend? Trotz Klassenerhalt bald vielleicht möglich.

Quelle: zN

Hannover. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) plant, zwei neue Anstoßzeiten einzuführen: sonntags zur Mittagszeit und am Montagabend, erst einmal für jeweils fünf Spiele pro Saison.

Das alles steht bereits in der Ausschreibung für die nationalen TV-Rechte, die im April nächsten Jahres neu vergeben werden – und bei denen die DFL auf mehr Einnahmen als bisher hofft. In der Bundesliga würde es dann von August 2017 an sieben unterschiedliche Anstoßzeiten geben. „Das wird genauso kommen“, sagt Martin Kind, Clubchef von Hannover 96, der die weitere Spieltagszerstückelung von zwei Seiten aus betrachtet. „Aus kommerzieller Sicht wird man diese Kompromisse eingehen müssen, denn niemand zahlt mehr, wenn er dafür nicht auch etwas bekommt“, sagt Kind: „Wir würden das respektieren und unterstützten. Wenn es nicht um das Geld ginge, würde ich raten, davon die Finger zu lassen.“ Den Montagabend als neuen Termin für die 1. Liga könne er sich noch als sinnvoll vorstellen, der neue Sonntagtermin gefällt Kind dagegen nicht.

Die Aufregung im Amateurfußball ist groß

Im „kleinen Fußball“ in der Region Hannover, der durch die Bundesligaspiele am Sonntag um 15.30 Uhr und 17.30 Uhr bereits über weniger Zuschauer klagt, ist die Aufregung groß – und die Kritik deutlich. „Das ist ein weiterer Schritt, um den Amateurfußball kaputt zu machen. Mir fehlt jedes Verständnis“, sagt Rolf Jägersberg, Vorstandschef des VfL Eintracht Hannover: „Für den
TV-Zuschauer mag die Reform schön sein, für uns ist es eine Missachtung unserer Arbeit. Das ist fast beleidigend. Die da oben haben jede Bodenhaftung verloren.“

Auch Stefan Pralle, Manager des Viertligisten TSV Havelse, hat für die Pläne kein Verständnis. „Wenn man denkt, es geht nicht mehr schlimmer, wird man eines Besseren belehrt. Es gibt immer noch Möglichkeiten, den gehobenen Amateursport kaputt zu machen. Wir weichen doch jetzt schon den Spielen von Hannover 96 aus, aber auch die Flexibilität hat Grenzen“, sagt Pralle.
„Endet der Kommerz denn nie?“, fragt Michael Elfert, Trainer des Oberligisten Arminia Hannover. „Der DFB spricht immer vom Ehrenamt, das gefördert werden soll, hier aber wird nicht nur das Ehrenamt mit Füßen getreten.“ Viele Jugendspiele würden sonntags um 13 Uhr stattfinden.

DFL: "Entlastung der international vertretenden Bundesligaclubs“

Auch Rainer Behrends, Trainer des Landesligisten HSC Hannover, spricht vom „Kaputtmachen“. Die Bundesliga-Anstoßzeiten seien „schon so schlimm genug. Bei schlechtem Wetter spielen wir dann künftig wohl ohne Zuschauer.“ Behrends fordert als Reaktion eine Änderung der Amateurspielpläne. „Dann darf die Saison eben nicht im Mai enden, sondern später. Man hat bei den Relegationsspielen, die im Juni stattfanden, gesehen, dass plötzlich die Zuschauerresonanz stimmte“, sagt Behrends.

Die DFL begründet die neuen Anstoßzeiten mit „der Entlastung der international vertretenden Bundesligaclubs“. Das ist gewiss ein angenehmer Nebeneffekt für die Teams, die donnerstags in der Europa League spielen. Tatsächlich sucht der Ligaverband vor allem nach Möglichkeiten, mehr Geld einzusammeln, dafür muss er dem Bezahlfernsehen mehr Exklusivität bieten. Der Ende der Saison 2016/2017 auslaufende Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,51 Milliarden Euro beschert der Liga aus den nationalen TV-Einnahmen bislang durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Spielzeit. Hannover 96 bekam aus diesem Topf für die Saison 2014/2015 32,4 Millionen Euro überwiesen. In England können die Clubverantwortlichen über solche Summen nur milde lächeln. Der neue TV-Vertrag für die Premier League spült von 2016 bis 2019 rund 3,2 Milliarden Euro in die Kassen – und zwar pro Saison. Auf der Insel wird sonntags um 13 Uhr gespielt.

So läuft es in Spanien und England:

Andere Länder – andere Zeiten: In der Fußball-Bundesliga gibt es bislang fünf Anstoßzeiten: Freitag um 20.30 Uhr, Sonnabend um 15.30 Uhr und um 18.30 Uhr, Sonntag um 15.30 und 17.30 Uhr. In England gibt es an einem durchschnittlichen Premier-League-Wochenende Sonnabendspiele um 13.45 Uhr, 16 Uhr und 18. 30 Uhr. Sonntags finden Partien um 13 Uhr, 15.05 Uhr und 17.15 Uhr statt, manchmal auch um 14.30 Uhr. Dazu kommt häufig noch ein Montagsspiel um 21 Uhr. In Spanien sieht es nicht viel anders aus: Ein Spieltag der Primera Division erstreckt sich von Freitag bis Montag und es finden keine zwei Partien gleichzeitig statt. Sonntags gibt es unter anderem ein 12-Uhr-Spiel. Das mag für den Spanier wegen der Siesta ungewohnt sein, ist aber bestens geeignet für den zahlungskräftigen asiatischen Markt, der so ein Abendspiel bekommt.

Von Jörg Grußendorf und Heiko Rehberg

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