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Fair-Play-Liga - überfordert oder überfällig?

Jugend-Fußball Fair-Play-Liga - überfordert oder überfällig?

Im nächsten Jahr wird im unteren Fußball-Jugendbereich die Fair-Play-Liga eingeführt. Kinder sind ihre eigenen Schiedsrichter, die Zuschauer müssen Abstand zum Spielfeld halten. Nicht alle sind begeistert.

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Gemeinsam eine Lösung finden: Die G-Junioren von Niedersachsen Döhren und dem TSV Kirchrode spielen bereits nach dem System der Fair-Play-Liga.

Quelle: Jastrzemski

Hannover. „Max, du musst hinten deine Position halten“, ruft der FußballtTrainer dem kleinen Kicker bei den G-Junioren zu. „Lauf doch nach vorne, was machst du denn hinten?“, schreit die Mutter vom Spielfeldrand. Und die Spieler, gerade einmal fünf Jahre alt? Die sind maßlos überfordert. Ehrgeizige Eltern. Erfolgsorientierte Trainer. Ratlose Kinder. Drei Komponenten, denen man immer wieder begegnet, wenn man sich Fußballspiele mit den Kleinsten anschaut.

Das ist nicht gut, so sollte es nicht sein, dachte sich Ralf Klohr und erfand das System der Fair-Play-Liga. Hier sind die Kinder ihre eigenen Schiedsrichter, und die Zuschauer müssen Abstand zum Spielfeld halten, gut 15 Meter sollen es sein. Die Trainer der jeweiligen Mannschaften coachen beide Teams gemeinsam. Kommt es zu Streitfällen, entwickeln die Kinder gemeinsam eine Lösung. Bei Grenzsituationen greifen die Trainer ein. So weit die Theorie.

Guido von Schöning ist Trainer der U7 von Niedersachsen Döhren - und begeistert vom System Fair-Play-Liga: „Für die Kinder ist es das Beste, was es gibt“, sagt von Schöning. Im Ursprungsverband Mittelrhein wird das System bereits bis zur E-Jugend erfolgreich angewandt. Auch in Niedersachsen wird die Fair-Play-Liga für die G- und F-Junioren, also für Kinder bis acht Jahre, spätestens zur Saison 2016/2017 verbindlich eingeführt. Das hat der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) beschlossen. .

In dieser Saison ist die Teilnahme noch freiwillig. Doch trotz der guten Erfahrungen anderswo will kaum einer mitmachen: Lediglich fünf von 40 U7-Mannschaften des Kreises Hannover-Stadt haben sich für das Prinzip Fair-Play-Liga entschieden. Im Kreis Hannover-Land können sich die Trainer vor dem Spiel verständigen, ob sie nach den Regeln spielen wollen. Konkrete Zahlen darüber, wie viele Mannschaften ihre Spiele nach der neuen Methode austragen, gibt es nicht, aber offenbar sind viele Verantwortliche noch skeptisch.

Und dafür haben sie ihre Gründe „Man braucht eine Art Oberschiedsrichter, sonst macht das Ganze keinen Sinn“, sagt Frank Schulte, dessen Sohn in einem F-Juniorenteam in der Region Hannover spielt. „Wir hatten neulich den Fall, dass einem unserer Spieler ein Handspiel im Strafraum passiert ist und er das auch zugegeben hat. Doch es gab keinen Strafstoß, weil die anderen einfach weitergespielt haben“, sagt Schulte. Gerade bei kniffligen Entscheidungen werde von den Kindern zu viel verlangt, sagt der Vater: „Das können sie nicht umsetzen, selbst wenn sie wollen. Fair-Play ist schön und gut, aber ein Strafstoß ist nun mal ein Strafstoß. So ist das witzlos.“

Zu den Befürwortern der Fair-Play- Liga gehört Helge Kristeleit. Doch auch der NFV-Referent für den Jugendfußball hat schon Probleme bei der neuen Spielform beobachtet, für ihn ist die dritte Fair-Play-Regel ein Knackpunkt. Diese besagt, dass die Trainer Streitfälle klären. „Trainer haben da offenbar Schwierigkeiten und sind sich ihrer Funktion in diesem Moment nicht bewusst. Zudem sind in der G-Jugend häufig Einsteiger anzutreffen.“

Das trifft auf Axel Lübcke, G-Junioren-Trainer der SC Wedemark, nicht zu. Er ist schon länger dabei und findet die neue Form des Fußballspiels gut: „Der Druck wird den Kindern genommen. Sie können frei spielen und alles selbst untereinander regeln.“ Er bedaure, dass viele Mannschaften nicht nach den neuen Regeln spielen wollten.

Warum das so ist, versucht Wolfgang Stengel, Vorsitzender des Jugendausschusses Hannover-Stadt, zu erklären: „Die Fair-Play-Liga ist etwas Neues. Einige haben Probleme, dies anzunehmen.“ Er selbst stehe hinter der Idee, „da Kinder zum fairen Verhalten angeleitet werden“. Jetzt gelte es, die übrigen Mannschaften mit ins Boot zu holen.

G-Junioren-Trainer von Schöning versteht, dass sich Eltern mit dem System zunächst schwertun. „Für viele Eltern liegt das Problem darin, nicht zu wissen, wo ihre Kinder leistungstechnisch stehen. Dass wir ohne Tabelle und somit praktisch ohne richtiges Ergebnis spielen, stößt bei übermotivierten Eltern oft auf Unverständnis.“ Doch gerade diese Art von Ehrgeiz sei für die Entwicklung der kleinen Kicker kontraproduktiv.

Diese Irritationen bei den Begleitern kann man beobachten, wenn man sich Spiele nach dem Fair-Play-System anschaut. Eine Frau, die ihren Enkel abholt, fragt: „Wie ist das Spiel denn nun ausgegangen?“ Der Junge weiß es nicht, und der Trainer antwortet: „Das ist doch völlig egal. Alle hatten Spaß, und wir haben einige Tore geschossen.“ Für die Oma ist das keine befriedigende Antwort: „Aber habt ihr denn nun gewonnen?“

Es wird wohl noch dauern, bis alle das Prinzip verstanden haben. Aber auch Kritik und Zweifel, ob die Fair-Play-Liga wirklich im Interesse der Kinder ist, werden sich so einfach nicht wegwischen lassen.

Von Natascha Jastrzemski und Christian Purbs

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