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"Ich wusste, ich hab' das Ding, jetzt ist alles gut."

Andreas Wolff im Interview "Ich wusste, ich hab' das Ding, jetzt ist alles gut."

Handball-Nationaltorwart Andreas Wolff spricht im Interview über seine Parade, die Deutschland ins EM-Halbfinale führte, die Euphorie in der Mannschaft – und den großen Traum von der Goldmedaille.

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„Ich war im Tunnel, wie im Rausch, habe nichts mitbekommen“: Handball-Nationalkeeper Andreas Wolff.

Quelle: Jens Wolf/dpa

Breslau. Katakomben nach dem Spiel: Erik Schmidt, Hannovers 2,04-Meter-Riese, schwebt unter dem Hallendach: „Jetzt geh‘ ich steil, ihr findet mich dann irgendwo im Nirgendwo in Breslau wieder.“ Aber Deutschlands Handballer im Partyrausch? Denkste! Nach dem Wunder von Breslau, dem 25:23 gegen Dänemark, dem ersten EM-Halbfinaleinzug seit 2008, übten sie sich in Enthaltsamkeit. Selbst der von ARD-Experte Stefan Kretzschmar gestiftete Kasten Bier, mit einem isländischen Pils für Bundestrainer Dagur Sigurdsson, wurde verschmäht. Doch in den Schlaf fanden die neuen Handballhelden nicht. Hendrik Pekeler („Wir sind den Dänen richtig auf den Sack gegangen.“) spielte „Siedler von Catan“, „so bis vier, fünf Uhr in der Früh“. Kult-Keeper Andreas Wolff büchste zur Geisterstunde noch einmal aus, „ich war spazieren, um noch mal Luft zu bekommen“. Dass er heute gegen Norwegen (18.30 Uhr, ZDF) um den Finaleinzug spielt, musste er erst mal verarbeiten. Das Dänen-Spiel, die Schlusssequenzen, sie liefen in seinem Kopfkino – immer wieder.

HAZ: Herr Wolff, was ging in der Sekunde in Ihnen vor, als Sie den letzten Wurf entschärft hatten?

Andreas Wolff: Das war einfach nur pure Erleichterung. Ich wusste, ich hab’ das Ding, jetzt ist alles gut. Da kann nichts mehr schiefgehen. Da ist ein Riesendruck, eine Zentnerlast von meinen Schultern abgefallen, der Rest war nur noch Freude pur, das müssen Tausende Glückshormone gewesen sein.

Haben Sie die richtige Ecke erahnt?

Ich weiß es eigentlich gar nicht mehr, nur noch, dass ich den Schritt dahin gemacht habe, und genau da war der Ball. Ich war im Tunnel, wie im Rausch, habe nichts mitbekommen.

Nicht mal den Jubel der anderen?

Nein. Ich war mit meinem eigenen Jubel, dem Rausschreien meiner Freude, beschäftigt.

Herr Wolff, Hand aufs Herz. Halbfinale, daran haben Sie vorher nicht wirklich geglaubt, oder?

Das war so nicht zu erwarten. Wir waren ja auch nicht unbedingt Turnierfavorit. Wir selbst sind aber nicht so überrascht, wie andere es sind. Ich habe aber immer gesagt, Europameister zu werden, das ist mein Traum. Und den können wir uns jetzt erfüllen.

Wie ist die Stimmung im Team?

Euphorisch, aber nicht blind. Wir drücken nicht auf Autopilot, und dann läuft alles von allein. Wir wissen, warum wir die Spiele gewonnen haben. Akribische Vorbereitung, das Umsetzen unserer Konzepte, das war es, was immer aufgegangen ist.

Was zeichnet das Team aus?

Die Courage, mit der wir auftreten, die kämpferische Leistung, die wir auf die Platte bringen, dass sich der eine für den anderen opfert. Das ist Teamspirit. Andere haben Stars, wir eine Mannschaft. Es ist auch die positive Grundstimmung. Negatives fällt bei uns einfach hinten runter.

Bekommen Sie etwas von der Euphorie in der Heimat mit?

Na klar, keine Ahnung, wie viele Nachrichten wir alle bekommen haben. Es müssen Hunderte sein. Auch die Einschaltquoten zeigen, dass die Heimat mitfiebert. Und der eine oder andere A-Promi hat ja den Handball auch plötzlich entdeckt.

Ob er damit Fußall-Nationaltrainer Joachim Löw meinte? Der schwärmt: „Ich bin total begeistert von den Jungs, sie geben nie auf.“ Das weiß keiner besser als Sigurdsson. 14 Stunden nach der Sensation wirkt der Handball-Nationaltrainer erstmals gelöst, spricht von „supergeil“, seiner „unglaublichen Mannschaft“, dass er an so einen Erfolg „nicht im Traum gedacht“ hat. Und jetzt? „Wir haben ein großes Wochenende vor uns, wollen das Maximale rausholen.“ Das, wovon keiner zu träumen gewagt hatte.

„ARD und ZDF müssen Handball-WM zeigen“

Deutschland im Handballfieber: In der Spitze zitterten in der Heimat 7,6 Millionen beim Dänen-Krimi mit vorm TV. „Gegen Norwegen rechne ich mit mehr als zehn Millionen“, sagt Bob Hanning. Für den DHB-Vizepräsidenten ist das ein deutliches Signal an ARD und ZDF. Im Januar 2017, bei der WM in Frankreich, bleiben die öffentlich-rechtlichen Bildschirme wohl schwarz. „BeIN, der TV-Rechte-Inhaber aus Katar, beharrt wie bei der WM 2015 darauf, dass nur Sender mit einer verschlüsselten Satellitenausstrahlung das Turnier live ausstrahlen dürfen. Für ARD und ZDF ist damit keine Live-Berichterstattung möglich“, erklärt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Es wäre auch das öffentlich-rechtliche TV-Aus für die Frauen-WM 2017 in Deutschland. Hanning legt nach: „ARD und ZDF müssen ihren Sendeauftrag wahrnehmen, notfalls mit politischem Druck.“ Die Männer-WM 2017 hat jetzt auch Sky im Fokus. „Wir haben großes Interesse“, erklärte Dirk Böhm, Leiter Sportkommunikation, „Handball ist für uns immer spannend.“

Von Jens Kürbis

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