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Interview „Hannover? Das bedeutet sehr gute Stimmung“

Bundestrainer Joachim Löw spricht im HAZ-Interview über Per Mertesacker, Robert Enke und die Probleme mit den Kleinen.

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„Wir haben zuletzt unser Potenzial nicht ausgeschöpft“: Bundestrainer Joachim Löw verspricht Besserung.

Quelle: ddp

Herr Löw, am 9. September bestreitet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Hannover ihr WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan. Sie sind der einzige Bundestrainer in der DFB-Geschichte, der das Tandure kennt …
Entschuldigung, Sie müssen mir weiterhelfen.

Das Tandure ist ein türkisches Restaurant in Hannover direkt an der Leine.
Na klar. Ich kenne viele türkische Restaurants, aber ich habe den Namen nicht mehr gewusst. Ich weiß, dass ich dort mit meinem Freund Harun Arslan essen war. Und dass es gut geschmeckt hat.

Haben Sie durch den Hannoveraner Harun Arslan eine besondere Beziehung zur Stadt?
Harun ist einer meiner Berater. Er hat im Laufe meiner Karriere einige meiner Verträge gemacht. Wir kennen uns seit zehn Jahren, und er ist mit der Zeit ein guter Freund geworden. Durch unsere Treffen kenne ich mich in der Innenstadt von Hannover relativ gut aus.

In welcher Erinnerung hat der Bundestrainer Löw Hannover?
Wir haben dort immer gerne gespielt, zuletzt im November 2007 gegen Zypern (4:0, d. Red.). Sehr gute Stimmung, gutes Publikum, das Stadion sehr schön gemacht – das verbinde ich mit Hannover.

Und als Spieler?
Mit dem SC Freiburg habe ich in der 2. Liga ein paar Mal gegen Hannover 96 gespielt. Mit Siegen in Freiburg und Niederlagen in Hannover.

Mit dem 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke verbindet Sie eine gemeinsame Freiburger Vergangenheit, auch wenn Sie beide dort nie gemeinsam gespielt haben. Im DFB-Stadionheft behauptet Schmadtke, dass er als Torhüter von Ihnen nie ein Tor kassiert hat. Stimmt das?
Das ist gut möglich (lacht). Denn wir haben nie gegeneinander gespielt.

Das Spiel gegen Aserbaidschan ist für zwei Ihrer Nationalspieler ein Heimspiel. Per Mertesacker kommt aus der Region, Robert Enke ist der 96-Kapitän. Wie beurteilen Sie ihre Entwicklung?
Pers Entwicklung ist total erfreulich. Vor der WM 2006 standen wir stark in der Kritik, hatten Probleme in der Abwehr. Mit der WM hat Per den Sprung in die Stammelf geschafft und ist seitdem ein fester Bestandteil des Nationalteams. Im Laufe der vergangenen ein, zwei Jahre ist er zu einem Führungsspieler geworden. Er ist sehr professionell, sozial eingestellt, denkt für die Gruppe. Er ist ein mündiger, verantwortungsbewusster Spieler geworden, auf den immer Verlass ist.

Hat Sie Mertesackers Entwicklung überrascht? In Hannover hätte ihm kaum einer zugetraut, Nationalspieler zu werden.
Jürgen Klinsmann und ich haben das Potenzial erkannt. Man hat damals schon gesehen, dass er eine gewisse Ausstrahlung und Ruhe hat, dass er taktisch viele Dinge richtig gut macht, aber noch Feinschliff braucht. Koordinativ zum Beispiel war er damals nicht ausgereift. Wir haben ihm vertraut, und er hat erst beim Konföderationenturnier und dann bei der WM klasse gespielt.

Und Robert Enke?
Er hat wichtige Erfahrungen im Ausland gesammelt und in seiner Karriere schon viel erlebt, Höhen und Tiefen. Seit Jahren sind seine Leistungen sehr konstant, er hat eine gute Ausstrahlung auf die Abwehr, vermittelt Ruhe und Sicherheit. Bei seinen Einsätzen in der Nationalmannschaft waren wir alle immer absolut zufrieden mit ihm.

International ist Enke ja eher ein Spätstarter.
Das ist nichts Ungewöhnliches. Andreas Köpke stand lange hinter Bodo Illgner, Oliver Kahn hinter Köpke, Jens Lehmann hinter Kahn. Torhüter gewinnen mit dem Alter an Routine, und Erfahrung ist immens wichtig für sie. Viele starten mit 28, 29 und 30 richtig durch, wenn bei Feldspielern langsam die Zeit beginnt, dass sie ihren Zenit überschreiten.

Mit der Einsatzgarantie gegen Aserbaid­schan machen Sie Enke und den Fans in Hannover eine große Freude.
Es geht nicht darum, ihm eine Freude zu machen. Wir haben uns auf vier Torhüter festgelegt (neben Enke sind das Rene Adler, Manuel Neuer und Tim Wiese, d. Red.). Alle vier haben herausragende Fähigkeiten. Dass das Spiel nun in Hannover ist, ist Zufall. Enke wird nicht deshalb im Tor stehen, weil wir in Hannover spielen. Er hat zuletzt in der WM-Qualifikation gespielt, und weil wir mit seinen Leistungen zufrieden sind, haben wir ihm für dieses Spiel, bei dem es um wichtige Punkte geht, erneut das Vertrauen gegeben.

Heißt das, dass Enke derzeit im Torwart-Konkurrenzkampf – wie es Jürgen Klinsmann formulieren würde – das Näschen einen Tick vorn hat und gute Chancen besitzt, auch die entscheidenden WM-Qualifikationsspiele gegen Russland und Finnland als Nummer 1 zu bestreiten?
(lacht). Wenn seine Form gut ist, dann ist das ein Fingerzeig für Russland und Finnland.

Die deutsche Mannschaft hat sich zuletzt vor allem gegen schwächer einzuschätzende Gegner schwergetan. Das war am Anfang Ihrer Amtszeit anders. In diesem Jahr gab es das 0:1 gegen Norwegen, dann das mühsame 2:0 im Hinspiel in Aserbaidschan. Reißt da wieder etwas ein?
Wir sind punktemäßig im Soll. Aber keine Frage: Wir haben unser Potenzial nicht ausgeschöpft, vor allem im spielerischen Bereich. Damit können wir nicht zufrieden sein. Doch wenn man die Asien-Reise mit ihren besonderen Bedingungen mal ausklammert, dann habe ich die Mannschaft vor dem Spiel in Baku ein halbes Jahr nicht gesehen. Da fehlen die Automatismen, und es ist schwer, spielerisch zu harmonieren oder gar zu glänzen. Deshalb bin ich froh, dass ich die Nationalspieler jetzt mal zwei Begegnungen und zehn Tage am Stück zusammen habe. Da können wir intensiv trainieren, viele Details und Automatismen wieder üben. Ich bin sicher, dass wir an diesem Doppelspieltag in Leverkusen (Sonnabend gegen Südafrika, d. Red.)und Hannover im Vergleich zu den letzten Vorstellungen eine stark verbesserte Leistung zeigen werden.

Gegen Aserbaidschan erwarten dieFußballfans in Hannover einen deutlichen Sieg. Ist das zu überheblich?
Aserbaidschan hat alle Spiele in der WM-Qualifikation nur knapp verloren, auch in Russland nur mit 0:2. Es ist schon eine Mannschaft, die spielerische Fähigkeiten hat und sehr gute Einzelspieler besitzt.

Dann hat Rudi Völler also Recht, dass es keine Kleinen mehr gibt im Fußball?
Viele Nationen haben sich entwickelt; die Räume zustellen, das können mittlerweile viele Mannschaften gut. Und ein Spiel zu zerstören ist halt einfacher als es zu gestalten. Aber die Frage ist nicht: Wie gut ist Aserbaidschan? Die Frage ist: Wie gut sind wir? Es gibt in unserer Gruppe in dieser entscheidenden Phase der WM-Qualifikation nichts mehr zu verschenken, ein Sieg gegen Aserbaidschan ist Pflicht. Da wäre es fahrlässig, wenn wir die Sache mit halber Kraft angehen würden. Immer wenn wir geistig und mental auf der Höhe waren, dann haben wir unsere Leistung auch abgerufen. Wer glaubt, dass ein paar Prozent weniger reichen, bekommt Schwierigkeiten.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat gesagt, dass er die Euphorie im Land vermisst.
Eine Euphorie ist nicht über fünf, sechs oder gar sieben Jahre aufrechtzuerhalten, das flacht immer mal wieder ab und nimmt dann mit den Ereignissen zu. Ich bin mir aber sicher, dass wir jetzt in der Endphase der Qualifikation und je näher es auf die WM zugeht, die ganze Unterstützung der Nation spüren werden. Hochspannung entsteht immer im Umfeld eines Turniers.

Auch in Hannover wird die Partie erst um 20.45 Uhr angepfiffen. Schließt die Nationalmannschaft damit nicht ein für sie sehr wichtiges Publikum aus, nämlich die Kinder?
Wir haben das häufig thematisiert. Aber das hat mit den Fernsehverträgen und der Vermarktung zu tun. Wenn sie mich persönlich fragen, dann würde ich mir wünschen, dass die Anstoßzeiten früher liegen. In der Schulzeit müssen viele Kinder ins Bett, da ist 20.45 Uhr relativ spät. Das gilt auch für die Champions League.

Verraten Sie uns doch mal, was der Bundestrainer eigentlich macht, wenn keine Länderspiele sind.
Hansi Flick, Andreas Köpke, Urs Siegenthaler und ich legen fest, wer welche Spiele und Spieler beobachtet. Bundesliga, DFB-Pokal, Champions- und Europa League. Außerdem treffen wir uns regelmäßig zu Sitzungen, dann stehen Spielanalysen und die Auswertung unserer Spieler an. Da ziehen wir uns dann ein, zwei oder auch mehr Tage zurück, um in Ruhe alles zu besprechen. Vor allem montags telefonieren wir immer in einer Schaltkonferenz, um über das zurückliegende und bevorstehende Wochenende zu reden. Darüber hinaus habe ich noch repräsentative Aufgaben für den DFB zu erfüllen oder, wie jetzt mit diesem Interview, viele Medienanfragen.

Können Sie abschalten vom Fußball?
Es kommt auch mal vor, dass ich mich zwei, drei Tage abkapsele und das Handy ausmache. Dann mache ich mir Gedanken über Zukunftskonzepte, versuche vorauszudenken, Visionen zu entwickeln.

Und ganz ohne Fußball?
Besonders im Sommerurlaub oder am Jahresende will ich dann mal gar nichts vom Fußball wissen, genieße es zu lesen, mich mit der Familie und Freunden zu treffen. Das Abschalten muss man lernen. Vor allem das Zeitmanagement ist wichtig. Das ist mir zum Anfang schwergefallen. Als ich Bundestrainer geworden bin, ist vieles auf mich eingestürzt. Das war ja durch meine Zeit an der Seite von Jürgen Klinsmann nicht neu für mich. Aber plötzlich stehst du vorne an der Front, und jeder möchte etwas von dir.

Interview: Heiko Rehberg

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  • Erst mal richtig lesen ... Ralph – 03.09.09
    @Philipp_B:
    Achte mal auf den Zusatz "wenn es um was geht".
    Freundschaftsspiele und Confed gehören für mich nicht dazu.
    Kritik ist also deiner Ansicht nach nicht erlaubt, sondern nur Gemeckere.
    Warum wohl ist das Spiel gegen Aserbaidschan noch nicht ausverkauft?
    Na dann sieh dir mal weiter Zypern, Aserbaidschan, Island usw. für viel Geld an. Ich schmeiss dem DFB kein Geld hinterher.
  • ... Philipp_B. – 03.09.09
    Hauptsache man hat was zu meckern!!!
    Kleine erinnerung an den Confed - cup?!?! Da war z.B. Brasilien da ... und Spanien hat sich auch schon die Ehre gegeben ... Aber ist ja alles immer schlecht ^^
  • Gute Stimmung, aber gegen wen? Ralph – 02.09.09
    Ich möchte mal wissen, warum Hannover immer nur solche Gegner wie Zypern, Aserbaidschan o.ä. zugewiesen bekommt, wenn es um was geht.
    Kann man nicht auch mal hochkarätigere Gegner in Hannover spielen lassen?
    Z.B. Russland.
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