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Das Geschäft mit dem Transfer von Fußballprofis

Hochsaison für Spielerberater Das Geschäft mit dem Transfer von Fußballprofis

Im Hochsommer ist Hochsaison für die Spielerberater: Da wird ein Superdeal nach dem nächsten vereinbart. Aber wie funktioniert eigentlich das Geschäft mit dem Transfer der Fußballprofis?  Carsten Bergmann hat sich die Branche angesehen.

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Auch beim Fußball dreht sich alles nur ums Geld.

Quelle: Symbolfoto

Hannover. Die neue Bundesligasaison hat noch gar nicht begonnen, da ist die wichtigste Arbeit schon fast getan. Österreich, Spanien, China, Saudi-Arabien, im deutschen Büro der Vereinsmanager, im Trainingslager oder bei PR-Auftritten in Asien – der Hochsommer ist die Hochsaison der Spielerberater. Genau zwei Monate haben sie Zeit, um Millionen­deals unter Dach und Fach zu bringen, am 31. August Schlag 12 Uhr mittags ist Schluss. Dann müssen alle Transfers der Fußballstars von einem Klub zum anderen abgeschlossen sein.

In der kurzen Zeit zwischen alter und neuer Saison will jeder Berater möglichst viele seiner Klienten unterbringen – möglichst hochpreisig, möglichst hochklassig. Der Konkurrenzkampf am Rande des Fußballplatzes ist enorm. Kein Wunder. Bis zu 10  Prozent des neuen Jahresgehalts eines erfolgreich verkauften Profis landen als Provision auf den Konten der Vermittler.

Ein Superdeal nach dem nächsten

206 Zugänge, 176 Abgänge – die Bundesligaklubs haben ihre Kader schon ordentlich aufgemotzt. Rund 310 Millionen Euro haben die 18 Vereine bis jetzt in neue Spieler investiert, die Vorjahresmarke von 350 Millionen Euro dürfte wieder erreicht werden. Den bislang teuersten Transfer vermeldete Platzhirsch Bayern München, der 37 Millionen Euro für den chilenischen Mittelfeldspieler Arturo Vidal bezahlte. Es muss nicht dabei bleiben, es gibt noch gut drei Wochen, um diesen Superdeal zu toppen.

Wie aber funktioniert dieses Millionengeschäft und vor allem: Wie kommt es zu den immer höheren, immer schwindelerregenderen Ablösesummen?

Der Blick aufs Wesentliche

Ein Job in der Bundesliga verspricht Geld und Ruhm. Tausende träumen davon, in den größten Stadien der Republik zu spielen. Gerade jungen Spielern, die von jetzt auf gleich durch starke Leistung in den Fokus geraten sind, können solche Träume den Blick fürs Wesentliche vernebeln. „Der Spieler hat gar keine Zeit mehr, in diese Themen hineinzuwachsen“, sagt Simon Rolfes. Der 33-Jährige stand bis Ende vergangener Saison bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, beendete seine Laufbahn nach fast 300 Bundesligaspielen und 26 Einsätzen in der Nationalmannschaft. Er wagte den Seitenwechsel, will nun als Veteran junge Spieler beraten – auch über die Profikarriere hinaus.

„Es gibt ja keinen Grund, mit 35 das ambitionierte Leben zu verlassen“, sagt der Blondschopf. Er selbst hatte sich als 20-Jähriger für einen Berater entschieden, relativ spät für heutige Verhältnisse. „Es gab damals Visitenkarten ohne Ende. Ich habe mich mit vielen Beratern getroffen, um ein Gespür für die unterschiedlichen Typen zu bekommen.“

Er bereut es nicht, sich Zeit gelassen zu haben. Heute weiß er, die Aufgaben eines Beraters enden nicht bei Vertragsabschluss: „Eine gute, strategische Karriereplanung und die richtigen Karriereschritte sind wichtig. Diesen Weg unterstützt der Berater nicht nur, sondern er sollte auch für die sportliche Entwicklung sorgen.“ Der Spielerhändler als Gutmensch und selbstloser Förderer?

Netzwerk ist alles

Gunther Neuhaus sitzt im Auto. Schon wieder. An diesem Tag hat er eine Reihe von Entscheidern der Bundesligavereine getroffen und ausgelotet, welcher der 300 Spieler aus seinem Portfolio zu den Clubs passen könnte. „Das alles Entscheidende ist das Netzwerk. Wir pflegen intensiv unsere Kontakte“, berichtet der Berater von Stars & Friends, einer der renommiertesten Agenturen Deutschlands.
„Persönlichkeit schlägt alles“, lautet sein Credo. Die große Bühne, sagt er, brauche er nicht. Neuhaus erledigt seine Geschäfte lieber im Hintergrund.

Der Berater ist die erste Anlaufstelle sowohl für die Vereine als auch die Spieler. „Der engere Zirkel des Marktes ist nicht so groß, wie viele glauben. Die Agenturen, die schon lange und seriös am Markt sind, sind auch bei den Vereinen bestens bekannt“, sagt Thomas Kroth, Geschäftsführer der Agentur Pro Profil. Der Ex-Profi kennt die Branche seit mehr als 20 Jahren, vertritt unter anderem Manuel Neuer, Kevin Volland und Shinji Kagawa. „Die ersten konkreten Gespräche führen wir mit dem Verein, dann kommt der Spieler dazu. Unser Rechtsanwalt prüft ganz am Ende die Verträge.“

Teure Autos, Schmuck, Autogrammstunden, Interviewtermine – der Berater muss den Klienten auf dem Boden halten. „Der Fußballmarkt ist ein sehr spezieller. Man kann ihn nicht mit Märkten von Lebensmitteln oder Industriewaren vergleichen. Es geht um Menschen und – ja – auch um ein Showgeschäft“, sagt Gunther Neuhaus.

„Alter, Position, Leistungen“

Ein Showgeschäft, das Jahr für Jahr an Wert gewinnt. Weltklassespieler wechseln nur noch selten unter der 50-Millionen-Euro-Schallmauer den Verein. Cristiano Ronaldo – Weltfußballer, Weltstar, Werbegigant – gilt mit 94 Millionen Euro als bisher teuerster Transfer aller Zeiten. Seine vertraglich festgelegte Ablösesumme soll bei 1.000.000.000 Euro liegen. In Worten: eine Milliarde Euro. Wie bemisst sich so ein Marktwert?

„Es gibt eine Liste von Faktoren die jeden Marktwert beeinflussen: Alter, Position, Leistungen“, sagt Tobias Holtkamp, Chefredakteur von Transfermarkt.de. Das Portal dient als Orientierungshilfe für Fans, aber auch für Berater und sogar Spieler. Dabei entstehen die Marktwerte aus dem Zusammenspiel der Äußerungen von mehr als 278.000 Nutzern. Sie sind Fans, keine Wirtschaftsprofis. „Handelt es sich um einen Nationalspieler? Gewinnt er Titel? Spielt er in einer Top-Liga bei einem prestigeträchtigen Verein? Wie groß ist sein Werbewert?“, umschreibt Holtkamp die Kriterien des „Wikipedias für Fußball“. Schwarmintelligenz vor ökonomischer Analyse. Und doch eine Richtschnur für die Profis. Die Internetseite spiegelt die Meinung der Fans wider, die das Portal 35  Millionen Mal pro Monat besuchen. „Wir wollen mit den Marktwerten nicht tatsächlich gezahlte Ablösen vorhersagen, sondern einen Wert abbilden, den der jeweilige Spieler für sich selbst und seinen aktuellen Verein hat“, erklärt Holtkamp.

Ganz normale Marktwirtschaft, sagt Simon Rolfes. Man könne sie verteufeln oder nicht. „Nachfrage regelt Angebot. Spieler würden für weniger immer noch spielen. “

Schwarze Schafe gibt es auch beim Transfergeschäft

Der Traum vom schnellen Geld und die gelockerten Zugangsbeschränkungen für Spielerberater locken schwarze Schafe an, die sich vor allem die ganz junge Zielgruppe ausgesucht haben. „Ich halte das für recht bedenklich. Ich glaube, dass es keinen Sinn macht, schon mit Spielern zusammenzuarbeiten, die jünger als 15 sind“, sagt Gunther Neuhaus. „Ich bin ein Freund davon, dass die Jungs sich möglichst lange im elterlichen Umfeld bewegen und nicht als 13-Jährige nach England verschachert werden.“

Carsten Bergmann

„Da herrscht ein Hauen und Stechen“

Nachgefragt bei Klaus Allofs, Geschäftsführer Sport beim Bundesligisten VfL Wolfsburg.  

Herr Allofs, der Markt ist übersättigt mit Spielerberatern. Wie erleben Sie die Szene?
Der Konkurrenzkampf ist größer geworden. Viele vermuten, dass man hier viel Geld verdienen kann. Im Beratergeschäft herrscht ein Hauen und Stechen. Wer denkt, er müsse nur einen Spieler ansprechen und hätte schon Geld verdient, der täuscht sich. Die Beraterbranche ist im Umbruch. Das führt dazu, dass auch die Spieler, die einen Berater haben, immer jünger werden.

Wie entscheiden Sie, wie viel Geld Sie für welchen Spieler ausgeben?
Ich schaue nicht auf Werte, die im Internet auftauchen. Dort stehen womöglich Summen, die die Qualität des Spielers zeigen, aber nicht mehr den Marktwert, den man durch einen Transfer erzielen kann. Solche Werte dienen für mich nicht als Richtschnur. Man weiß, was ein Spieler bewirken soll. Dazu gehört die Frage, bei welchem Verein er spielt, was er bereits gezeigt hat; das Alter spielt eine Rolle, ebenso die Qualität, die ein Spieler hat, und natürlich sein Entwicklungspotenzial. Wichtig ist auch, ob man als Verein alleine auf die Idee gekommen ist, diesen Spieler zu verpflichten, oder ob er umworben ist. Das alles führte zum Beispiel dazu, dass wir für Kevin De Bruyne, der beim FC Chelsea kein Stammspieler war, ein Jahr zuvor aber bei Werder Bremen sein Können gezeigt hat, 20 Millionen Euro Ablöse zahlten.

Die Transfersummen in Europa nehmen ein immer größeres Ausmaß an. Was heißt das für die Bundesliga?
Wir reden heute über Ablösesummen und Gehälter, die vor zehn Jahren unvorstellbar waren. Wenn in dem Maße, in dem die Gehälter anstiegen, auch die Verschuldung der Klubs zugenommen hätte, würde das die Liga in den Ruin führen. Das Geld wird aber erwirtschaftet – sei es über Sponsoring, über Fernsehgelder oder über Zuschauereinnahmen. In Deutschland haben wir eine Lizenzstruktur, in der die Klubs genau durchleuchtet werden. Solange man sich in diesem Rahmen bewegt – also nur das, was eingenommen wird, in Gehälter, Transfers und Leistungszentren investiert –, ist das Ganze völlig normal.

Verderben die internationalen Preise den Markt?
Die Berater, mit denen man seit längerer Zeit zusammenarbeitet, kennen die Möglichkeiten genau. Das heißt nicht, dass man nicht das eine oder andere Mal das Gefühl hat, dass Forderungen überzogen sind. Aber Berater wissen schon, wo ein Spieler was verdienen kann und wie das Gehaltsgefüge ist.

Interview:  Carsten Bergmann

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