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Levin Öztunali soll zum Aushängeschild für den HSV werden
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Talentförderung Levin Öztunali soll zum Aushängeschild für den HSV werden

Levin Öztunali, Enkel von Uwe Seeler, soll zum Symbol der neuen Talentförderung beim HSV werden.

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Nett, bescheiden – und begehrt: Der HSV möchte Levin Öztunali (r.), den Enkel von Uwe Seeler, unbedingt halten – und braucht dabei gute Argumente, weil auch der FC Bayern angefragt hat.

Quelle: dpa

Hamburg. Was genau den Ausschlag gibt, wenn man zum „Großvater des Jahres“ gewählt wird, ist nicht so ganz klar. Ob man sich als Opa auch mal im Gebüsch verstecken muss, damit man vom Enkel nicht gesehen wird? Das jedenfalls macht zuweilen Uwe Seeler, 76 Jahre alt, der Preisträger von 2012. Nämlich dann, wenn er seinen Enkel Levin Öztunali, 16 Jahre, in der „U 19“-Mannschaft des Hamburger SV beobachtet. Denn der solle ja nicht denken, er müsse „etwas Besonderes für den Opa“ machen.

Doch es reicht schon, wenn der eher zurückhaltende Levin nichts Besonderes für den Opa macht. 14 Länderspiele für die Jugendteams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) als Mittelfeldspieler kann er mittlerweile vorweisen. Der FC Bayern München möchte ihn verpflichten, wie Nachwuchskoordinator Michael Tarnat gestern noch einmal bekräftigte: „Wenn so ein Spieler auf dem Markt ist, bemüht sich auch der FC Bayern um ihn.“ Und beim Heimatklub HSV ist für ihn nicht mehr der Nachwuchsleiter Bastian Reinhardt zuständig, sondern seit Kurzem Sport-Vorstand Frank Arnesen. Der will ihn mit dem ebenfalls begabten Mitspieler Jonathan Tah (16) vom Sommer an mit den Profis trainieren lassen.

Arnesen sagt über Levin Öztunali nicht nur, er sei ein „netter, bescheidener Junge“. Seine Liste der fußballerischen Vorzüge des Seeler-Enkels ist eher ein ganzes Kapitel: „Er ist offensivstark und schnell, hat einen guten Körper, gute Technik, einen guten Überblick. Er ist ein Allrounder, der anders als sein Opa mehr Tore vorbereitet, als er selber schießt.“

Uwe Seeler, die HSV-Ikone, die immer nur für diesen Klub spielte, hat zum Angebot der Bayern zwar eine Meinung, aber die behält er für sich. Weil er findet, dass ein Großvater nicht über das Leben der Nachkommen bestimmen darf. Richard Golz, früher Profi-Keeper und jetzt HSV-Torwarttrainer vom Regionalligateam bis zur „U 15“, sieht das ein wenig anders. Ein bisschen mehr Werbung für die Bodenständigkeit, die Seeler selber auszeichnete, fände er schon prima.

Der HSV-Kollege Mete Öztunali hingegen findet genau richtig, wie sich der Großvater verhält. Der Scout mit türkischen Wurzeln und Ehemann von Seelers Tochter Frauke ist in diesem Fall vor allem der Vater von Levin und nicht der HSV-Angestellte. Er wird zusammen mit seinem Sohn herausfinden müssen, ob die seit Kurzem propagierte neue Nachwuchsarbeit gut genug ist für die eigenen Ziele. Denn bisher war der HSV nicht dafür berühmt, dass eigene Talente so gefördert wurden, um sich im Bundesligateam durchzusetzen.

Für Arnesen aber sind die eigenen Talente inzwischen genauso wichtig wie die aktuellen Profis. Nur mit ihnen könnte der finanziell schwer angeschlagene HSV langfristig wieder zu einem Spitzenklub werden. Zuletzt musste Arnesen sogar seinen Sohn Sebastian und Jan Ricka als Scouts aus wirtschaftlichen Gründen zu Manchester City weiterziehen lassen. Dass er mit dem Innenverteidiger Tah, Kapitän der deutschen „U 17“-Auswahl und ein „schneller, intelligenter Spieler“, vergangene Woche bis 2016 verlängern konnte, obwohl sich Vereine aus England für ihn interessierten, darauf hat er angestoßen. Das war für ihn wichtiger als etwa der Verkauf des Profis Robert Tesche, der ein paar Euro gebracht hätte.

In den kommenden Wochen möchte er auch die Verhandlungen mit Öztunali zu einem guten Ende bringen. Mete Öztunali ist bei diesen Gesprächen aber kein Untergebener, sondern der Berater eines begabten Sohnes. Sollte Arnesen glauben, der gute Schüler Levin werde schon deshalb in Hamburg bleiben, weil er nicht kurz vor dem Abitur die Schule wechseln wolle, wird der Vater entgegnen, sein ehrgeiziger Filius könne den Abschluss genauso „in Australien oder Südafrika“ hinbekommen.

Die Ideen, die Arnesen derzeit in die 4,5 Millionen Euro teure Jugendarbeit einbringt, könnten Mete Öztunali aber durchaus gefallen. Sein „Fünf-Ringe-Modell“ mit der Ampel, das vom Statistiker Steven Houston für den Computer aufbereitet wird, könnte eine große Hilfe bei der Suche nach fußballerischen Juwelen sein. Darin sind Technik und Taktik, die Physis, die mentale Stärke, medizinische Voraussetzungen und die Lebensweise interessanter junger Spieler eingespeist. Und für jeden Bereich gibt es ein grünes Licht, wenn alles bestens ist, ein orangenes, wenn man daran noch arbeiten muss und ein rotes, wenn besonders viel getan werden muss. Bei Levin Öztunali und Jonathan Tah dürfte die Ampel durchweg grün sein.

Das Campus-Projekt, für das der HSV unter seinen Fans 17,5 Millionen Euro einsammelte, könnte ebenfalls ein Schritt nach vorne sein. Im Sommer wird mit dem Bau neuer Plätze und eines Internats für 16 Jugendliche gleich neben den Profiplätzen an der Arena begonnen. Fragt sich nur, ob Mete Öztunalis Wunsch nach Ruhe für sich und seinen Sohn in Erfüllung geht. Egal, ob er zum FC Bayern wechselt oder in der Stadt bleibt, in der sein Opa Ehrenbürger ist.

Jörg Marwedel

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