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„Wir vermitteln auch Werte“

Nils Voigt im Schiedsrichter-Lehrgang „Wir vermitteln auch Werte“

Schiedsrichter-Anwärter-Lehrgang; das klingt sperrig und trocken. Ist es aber nicht. Ein Besuch bei einem Schiedsrichter-Lehrgang mit Nils Voigt.

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„Wir vermitteln auch Werte“: Nils Voigt im Schiedsrichter-Lehrgang. Foto: Wallmüller

Quelle: Michael Wallmueller

Hannover. Singen, nein singen will keiner. Schon gar nicht vor all den anderen Jugendlichen, die im Freizeitheim Linden etwas unsicher auf ihren Stühlen sitzen, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. „Wer zu spät zum Unterricht kommt oder bei wem das Handy klingelt, der muss sich hier oben hinstellen und ein schönes altdeutsches Lied singen“, sagt Nils Voigt. Die Drohung des 32-Jährigen funktioniert, zweieinhalb Stunden bleiben 44 Handys stumm. Das sind die ersten Regeln an diesem Abend, doch noch lange nicht die letzten. Wer wie die 44 zumeist Jugendlichen, die sich für diesen Kurs angemeldet haben, Schiedsrichter werden will, der muss die Fußball-Regeln kennen. Und ein paar Verhaltensweisen für das tägliche Miteinander können auch nicht schaden.

Schiedsrichter-Anwärter-Lehrgang; das klingt sperrig und trocken. Und als Voigt auch noch von Hausaufgaben redet („Das bleibt leider nicht aus“), wird es immer ruhiger im Raum. Acht Abende mit jeweils zweieinhalb Stunden Unterricht reichen nicht aus, um die Anwärter fit für die Abschlussprüfung zu machen, sagt der Kreis-Schiedsrichter-Obmann. Dafür sei der Stoff zu anspruchsvoll und vielseitig. Um die Aufmerksamkeit müssen sich die beiden erfahrenen Schiedsrichter Voigt und Aleksandar Lukic, die den Anwärterkurs leiten, keine Sorgen machen. Die beiden wissen genau, wie sie die Theorie unterhaltsam und einprägsam vermitteln und sich so der Aufmerksamkeit der Jugendlichen sicher sein können. Immer wieder wird der Unterricht mit kleinen Filmen angereichert, in denen auf einer großen Leinwand zu den jeweiligen Regeln die passenden Szenen aus der Bundesliga oder einer internationalen Liga gezeigt werden. Ein Volltreffer ist etwa die Prügelei von zwei Spielern während einer Begegnung in der englischen Premier League. Das Kuriose: Beide spielen im gleichen Team. Voigt stoppt den Film und fragt, wie der Schiedsrichter entscheiden muss. Die Antworten sind unterschiedlich, richtig ist: „Gewalt hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen, für beide Spieler gibt es die Rote Karte.“

"Elf Schritte sind bei mir ziemlich genau 9,15 Meter"

Abseits, direkter oder indirekter Freistoß, Tor oder nicht: Die Regeln sind zahlreich, manchmal kompliziert, da brummt vielen Teilnehmern schon nach einer Stunde der Kopf. Kleine Tipps, die helfen, sich etwas besser zu merken, können deshalb nicht schaden. Als es um Freistöße und den richtigen Abstand der Spieler zum Ball geht, fragt ein Teilnehmer, wie er denn wissen kann, was 9,15 Meter sind. „Keine Ahnung, ich weiß ja nicht, wie groß deine Füße sind“, sagt Lukic mit einem Augenzwinkern, gibt dem Jungen dann aber doch einen guten Ratschlag. „Ich laufe elf Schritte rückwärts, das sind bei mir ziemlich genau 9,15 Meter. Aber das muss jeder für sich herausfinden.“ Und auch als es darum geht, wie ein indirekter Freistoß anzuzeigen ist, hat der Kursleiter eine anschauliche Erklärung parat. „Welche Hand ihr hochhebt, ist egal. Ich würde euch die linke Hand empfehlen, die rechte ist in Deutschland etwas problematisch.“

Das Frage-Antwort-Spiel mit den vielen Regeln und möglichen Situationen im Fußball, über die ein Schiedsrichter Bescheid wissen muss, mag anstrengend sein, langweilig ist es nicht. „Die Schiedsrichterei hilft auch im normalen Leben. Wir vermitteln hier auch Werte“, sagt Voigt. Der 32-Jährige schafft es, den eigenen Spaß an seinem Hobby den Jugendlichen zu zeigen. Das kommt gut an, von den 44 Anwärtern bleiben 39 bis zur Prüfung dabei. Deshalb können im Fußballkreis Hannover-Stadt Spiele bis zu den F-Junioren mit Unparteiischen besetzt werden. Die Nachwuchssorgen, die es anderswo in Deutschland gibt, sind hier unbekannt. Eine solche Breite begünstigt die Entwicklung von Spitzenschiedsrichtern: Jüngstes Beispiel ist Robert Schröder vom HSC, der nun in der 2. Liga pfeift.

Solche Karriereaussichten spielen bei den Jugendlichen, die den Kurs von ihren Vereinen bezahlt bekommen, weniger eine Rolle. Die Gründe, warum sie Schiedsrichter werden wollen, sind vielfältiger. „Meine Freunde waren auch schon hier und haben gesagt, dass es Spaß macht. So kann ich mein Taschengeld aufbessern. Und dass Schiedsrichter Karten für 96-Spiele umsonst kriegen, ist auch nicht schlecht“, sagt der 13-jährige Leon Du Toit vom HSC Hannover. Der 15-jährigen Saman Shamo vom SV 07 Linden findet, dass „auf dem Platz Gerechtigkeit herrschen soll. Ich will es besser machen als andere.“

In einem Punkt sind sich jedoch alle schon nach dem ersten Regelabend einig: Lieber pfeifen als singen.

Die nächsten Schiedsrichter-Lehrgänge finden vom 9. bis zum 29. Januar 2016 oder alternativ in den Osterferien statt. Anmeldungen erfolgen über die Vereine, Informationen stehen im Internet.

„Lauter Pfiff, Brust raus und Vollgas“

Nachgefragt bei Nils Voigt, Schiedsirchter-Lehrwart des NFV Kreis Hannover-Stadt

Herr Voigt, 44 potentielle neue Schiedsrichter waren am ersten Lehrgang-Abend dabei. Wie viele von ihnen werden in der neuen Saison als Unparteiische auf dem Platz stehen?

Ich denke etwa 35. Es ist unser Ziel, dass etwa 75 Prozent der Teilnehmer die Prüfung bestehen. Wenn es deutlich weniger sind, dann ist auch etwas im Lehrgang nicht so gelaufen, wie wir uns das vorstellen.

Wie viele Schiedsrichter gibt es im Bereich Hannover-Stadt?

Wir haben zurzeit 430 Schiedsrichter. Wir sind einer der ganz wenigen Kreise in Deutschland, die keine Nachwuchsprobleme haben. Die Liste wächst seit fünf Jahren jedes Jahr um zehn Schiedsrichter. So können wir alle Spiele bis hinunter zu den F-Junioren besetzen.

Wie kommt es, dass es in Hannover im Vergleich zu den meisten Kreisen keine Nachwuchssorgen gibt?

Auf dem Land ist die Mobilität für die jungen Schiedsrichter ein Problem. Wenn ein Lehrgang in Springe ist, dann ist es für einen Teilnehmer aus Lehrte schwierig, dahin zu kommen. Da müssen die Eltern mitspielen, sonst geht es nicht. Unser großer Vorteil ist, dass wir in Hannover kurze Wege haben und mit öffentlichen Verkehrsmitteln überall hinkommen. Und unsere Arbeit ist scheinbar auch nicht ganz so schlecht.

Was macht einen guten Schiedsrichter aus?

Er sollte Persönlichkeit, Spielverständnis und Engagement sowie Respekt vor Spiel und Mannschaften mitbringen.

Welche Tipps geben Sie den jungen Schiedsrichtern mit auf den Weg?

Cool bleiben und das anwenden, was sie hier gelernt haben. Sie können alles machen, sie müssen nur wissen, wie sie es verkaufen. Wenn man sich bei einer Entscheidung nicht sicher ist, darf man sich das nicht anmerken lassen. Lauter Pfiff, Brust raus und Vollgas. Das ist das Rezept. Das hilft auch im normalen Leben

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