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Hitzfeld geht erhobenen Hauptes

Abschied von einer Trainer-Legende Hitzfeld geht erhobenen Hauptes

Ottmar Hitzfelds Abschied von der großen Fußball-Bühne war traurig und typisch zugleich. Nach seinem letzten Spiel als Trainer ertrug er sogar das unglückliche WM-Aus seiner Schweizer mit bemerkenswerter Fassung.

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Das 0:1 gegen Argentinien war sein letzter großer Auftritt: Ottmar Hitzfeld als Nationaltrainer der Schweiz.

Quelle: dpa

São Paulo. Der Gentleman unter den Fußball-Lehrern blieb sich auch am letzten und vielleicht härtesten Tag seiner Karriere treu. Niemand weiß, wie andere Trainer reagiert hätten, wenn am Morgen des ersten K.o.-Spiels bei einer WM der Tod des eigenen Bruders öffentlich wird und dieses wichtige Spiel gegen Argentinien dann auch noch durch ein Tor in der vorletzten Minute der Verlängerung verloren geht.

Ottmar Hitzfeld richtete sich die Krawatte und ging auf den Rasen, um seinen niedergeschlagenen Spielern die Hand zu reichen. Er kämpfte kurz mit den Tränen. Ein paar Minuten später gratulierte er dem Gegner. "Jeder Moment im Fußball bleibt in Erinnerung, die Emotionen sind ähnlich. Aber heute war schon ein gewaltiger Moment", sagte er. "So kann man sich erhobenen Hauptes von der Fußball-Bühne verabschieden." Das 0:1 gegen Argentinien war Hitzfelds letztes Spiel als Trainer.

Der 65-Jährige hatte bereits vor einem halben Jahr angekündigt, nach dem Ausscheiden der Schweizer "Nati" bei dieser WM aufzuhören. Hitzfeld hat mit Bayern München und Borussia Dortmund die Champions League gewonnen, er ist siebenmal deutscher und zweimal Schweizer Meister geworden mit seinen Clubs. Aber wenn sich das kollektive Fußball-Gedächtnis irgendwann an diese titelgesäumte Karriere erinnern wird, dürfte ihm als erstes nicht etwa eine besonders innovative Spielidee einfallen oder ein ganz spezieller Erfolg.

Sondern genau diese Selbstdisziplin, dieser Respekt vor dem Gegner und ganz besonders vor dem eigenen Team. "In der Menschenführung war Ottmar Hitzfeld herausragend", sagte Stefan Effenberg einmal. Die Reaktionen in der Schweiz standen dem in nichts nach. "Danke, GOTTmar Hitzfeld", schrieb die Boulevard-Zeitung "Blick", mit deren Verlag der Trainer allerdings auch vertraglich verbandelt ist. Der "Tages-Anzeiger" meint: "So gut, gegen einen solchen Gegner, war vielleicht noch nie eine Schweizer Nationalmannschaft."

Auch die Spieler waren gerührt. "Ich wünsche ihm alles Beste für die Zukunft. Er ist nicht nur ein großer Trainer, sondern auch ein großer Mensch", sagte Gelson Fernandes vom SC Freiburg. Hitzfeld bekam an diesem Tag genau den Respekt zurück, den er immer vorgelebt hat. Nach dem Tod seines Bruders bat der Schweizerische Fußball-Verband inständig darum, "keine Fragen zum Privatleben zu stellen". Jeder in São Paulo hielt sich daran. Noch wenige Tage zuvor hatte der Verbands-Präsident Peter Gilliéron erklärt, Hitzfeld noch nie so konzentriert erlebt zu haben wie bei dieser WM.

In seinem letzten Spiel als Trainer entwarf der 65-Jährige noch einmal eine Strategie, die Argentiniens Superstar Lionel Messi für fast 120 Minuten aus dem Spiel nahm. Innerhalb von nur zehn Tagen gab er einer Mannschaft, die beim 2:5 gegen Frankreich noch sorglos und naiv agiert hatte, eine neue Struktur. "Es ist das letzte Bild, das bleibt", sagte der ewig nüchterne Ergebnis-Coach vor dem Turnier. Er wollte nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2010 und dem Verpassen der EM 2012 noch etwas Zählbares erreichen neben dem Aufbau einer neuen, um Talente wie Xherdan Shaqiri, Ricardo Rodriguez oder Granit Xhaka geformten Elf.

Das letzte Bild bei dieser WM sah so aus: In der 119. Minute schießt Angel di Maria das 1:0 für Argentinien. In der 120. Minute trifft Blerim Dzemaili zunächst den Pfosten, von seinem Knie aus prallt der Ball danach aus zwei Metern neben das Tor. Eine Trainerkarriere, die 1983 im kleinen Stadion Herti Allmend des SC Zug begann, endete vor mehr als 63 000 fassungslosen Zuschauern in der WM-Arena von São Paulo. "In den letzten drei Minuten hat man noch einmal alles erlebt, was in einem Trainerleben möglich ist", sagte Hitzfeld. Er sei stolz auf seine Laufbahn. Dann stand er auf und ging.

dpa

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