30°/ 20° heiter

Navigation:
René Adler: „Ich dachte: Ich pack das nicht mehr“
Mehr aus Fußball

HAZ-Interview René Adler: „Ich dachte: Ich pack das nicht mehr“

Er stand kurz vor dem Karriere-Aus und kam doch noch einmal zurück. Torhüter René Adler über sein Comeback, die Angst, vergessen zu werden, und einen Sonnenschein namens Momo.

Voriger Artikel
Stefan Reuter wird neuer Geschäftsführer beim FC Augsburg
Nächster Artikel
VfL Wolfsburg will mit Dieter Hecking aus dem Keller

Das Glück ist zurück: Nach einer langen Pechsträhne konnte René Adler in diesem Jahr wieder jubeln.

Quelle: dapd

Hannover. Das Karriere-Aus war nah, Plan B ohne Fußball lag griffbereit. Nach Monaten im Reha-Training und Zweifeln am Comeback kam alles anders, wurde aus dem Knie-Patienten René Adler wieder der grandiose Torhüter. Der Schlussmann vom Hamburger SV, 27 Jahre alt, spricht im HAZ-Interview über seine sensationelle Rückkehr in die Bundesliga und die Nationalmannschaft, Erfahrungen fürs Leben und die Rangliste des Fußball-Fachorgans „kicker“, die ihn als neue Nummer 1 führt.

Bei Ihrer Vorgeschichte ist die einfallsloseste aller Fragen erlaubt: Wie geht’s, Herr Adler?

Sehr gut. Ich kann wieder das machen, was ich liebe: Fußball spielen. Das hat mir sehr gefehlt, die Zeit ohne war hart und lehrreich.

Weil man schnell vergessen wird?

Auch das. Als ich in Leverkusen verletzt auf der Tribüne saß und den Jungs beim Kicken zusah, tat das immer weh. Wenn sie verloren haben, war ich geknickt. Wenn sie gewonnen haben, haben sie das ohne mich getan.

Sie waren nicht weit weg vom Karriere-Aus. Wie weit war Plan B, der ohne Fußball, gereift?

Er war konkret. Es gab in der Reha einen Punkt, an dem ich dachte: Ich pack das nicht mehr, ich werde nicht mehr mein Niveau von früher erreichen. Wenn es mit dem Fußball vorbei gewesen wäre, wäre das Leben natürlich weitergegangen. Ich interessiere mich für viele Dinge. Kunst, Wirtschaft und so weiter. Dann wäre aus mir eben ein etwas betagter Student geworden.

Es kam anders, selbst Münchener Fußball-Granden wie Jupp Heynckes und Paul Breitner forderten Ihre Rückkehr in die Nationalmannschaft. Ein Wunder?

Nein, harte Arbeit. Als ich wieder schmerzfrei trainieren und mich auf den Tag X beim HSV konzentrieren konnte, kam das Vertrauen in den Körper und in meine Leistungsfähigkeit zurück. Beim ersten Bundesligaspiel war ich körperlich im besten Zustand meiner Karriere.

Gab es den einen Glücksmoment?

Es ist schön, wenn das Stadion deinen Namen ruft, wie nach dem Spiel gegen Dortmund. Ich empfinde Glück, wenn ich mit den Jungs nach dem Spiel in der Kabine ein Bier trinke, dann nach Hause zu meiner Freundin fahre.

Gehört zum Glück auch Ihr Hund?

Ja, ein bezaubernder Straßenhund aus Portugal. Momo fragt beim Gassi-Gehen nicht, ob ich gewonnen oder verloren habe. Ein Sonnenschein.

Tiere erden, sagt auch Jürgen Klopp. Als er von der Meisterfeier nach Hause kam, hatte sein Hund flotten Otto. Also musste Klopp bei strömenden Regen viermal nachts raus. Klopp damals: Auch ein Meistertrainer wird nass.

Ich weiß, wie das gemeint ist, neige aber auch ohne Hund nicht zum Abheben. Dafür sorgt meine Familie. Ich bin ein absoluter Familienmensch.

An Ihnen kann man gut die extremen Farbgebung der Berichterstattung festmachen. Erst waren Sie zu weich und zu verletzungsanfällig, jetzt wird nahezu jede Parade zu einer Weltklassetat.

Ja, es wird oft schwarz und weiß gemalt, damit muss man sich abfinden.

Sie sagten unlängst, dass Sie gerne die Nummer 1 wären, kredenzten dem Boulevard damit eine Steilvorlage.

Das Echo war wirklich sensationell. Adler fordert Neuer heraus! Adler will Neuers Platz! Ich habe nur geschmunzelt. Soll ich sagen, dass ich zufrieden mit einem Platz auf der Bank bin? Ich bin extrem ehrgeizig, werde hart arbeiten. Der Rest wird sich zeigen.

Apropos harte Arbeit. Sie haben Ihr Training umgestellt. Ist weniger mehr?

Vielleicht steckte früher ein bisschen die Ost-Schule in mir. Wenn ein Muskel wehtat, musste ich den eben noch stärker trainieren, noch härter machen, dachte ich. Ich gehe jetzt gezielter in den Kraftraum, achte noch mehr auf Qualität – und vor allem auf die Explosivität.

Und Sie studieren jedes Spiel per DVD.

Ja, man kann sich immer verbessern, Situationen besser antizipieren, besser mitspielen.

Jens Lehmann hat mit annähernd 40 noch gespielt. Ist das ein Ziel für Sie?

Fakt ist, dass ich das Spiel noch nie so genossen habe wie jetzt. Ich mache mir nicht mehr in jeder Sekunde einen riesigen Druck. Stand heute: Solange die Knochen halten, werde ich im Tor stehen. Es ist und bleibt mein Traumberuf.

Meister wird ...

... höchstwahrscheinlich Bayern.

Interview: Guido Schäfer

Voriger Artikel Voriger Artikel
Nächster Artikel Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
"kicker"-Rangliste
Der "kicker" stuft Ron-Robert Zieler nur noch als „Absteiger“ ein.

Ron-Robert Zieler gehört in der traditionellen „Rangliste des deutschen Fußballs“, die das Fachmagazin „kicker“ halbjährlich veröffentlicht, nicht mehr zu den „Top 10“ der Torhüter – eine Bewertung, die nicht nur bei den Fans von Hannover 96 für Verwunderung sorgt.

mehr
Anzeige
Städtewetter
24°/ 14° bewölkt
Di
21°/24°bewölkt
Mi
21°/24°bewölkt
Wie hat mein Verein gespielt

Von Kreisliga bis Bundesliga: Hier finden Sie alle Fußball-Ergebnisse.

Handball-Nationalspieler Michael Kraus droht Sperre

Der Handball-Verband hält zu Michael Kraus. Trotz seiner Vorstöße gegen Anti-Doping-Regeln soll er Nationalspieler bleiben. Allerdings könnte den Ex-Hamburger es teuer zu stehen kommen: Schlimmstenfalls drohen zwei Jahre Sperre. Der DHB kann diesen Fall nicht gebrauchen.

Auf dem Laufenden: HAZ-Redakteur Norbert Fettback (rechts) und Journalist Frerk Schenker verbinden in ihrem Blog die Themen „Laufen" und „Hannover" – mit Tipps zu Trainingsstrecken und Wettkämpfen sowie skurrilen Geschichten aus dem Läuferalltag.
23. Juli 2014 - Frerk Schenker in HAZ-Laufpass

Passender hätte der Tag kaum sein können: Draußen wird schon allein beim Zubinden der Laufschuhe geschwitzt, der geschätzte Kollege ist im Sommerurlaub – und wir haben das Ranking Nummer 19 auf dem Tisch liegen.

mehr
Anzeige