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Droht England und Russland das EM-Aus?

Brutale Auseinandersetzungen Droht England und Russland das EM-Aus?

Engländer und Russen haben sich vor dem Spiel am Samstagnachmittag brutale Auseinandersetzungen geliefert – die Fernsehzuschauer sahen davon nichts. Jetzt droht die Uefa den Mannschaften sogar mit einem Ausschluss von der EM.

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Bei brutalen Auseinandersetzungen zwischen Engländern und Russen, wurden insgesamt 35 Personen verletzt.

Quelle: Peter Powell

Paris/Marseille. Es sind erschütternde Jagdszenen. Aufgebrachte Männer gehen aufeinander los, werfen Flaschen und Steine, schlagen mit den Stühlen von Cafés aufeinander ein – alles, was nicht niet- und nagelfest ist, dient als Waffe. Wer zu Boden fällt, wird gnadenlos mit Fußtritten übersät.

Etwas abseits versorgen Notärzte die Verletzten. Im allgemeinen Chaos versuchen Polizisten, die aufgeputschte Meute in Schach zu halten, setzen Tränengas und Wasserkanonen ein. Als sich in der Nacht zum Sonntag die Lage endlich beruhigt, gleicht der alte Hafen von Marseille einem Schlachtfeld.

Wie konnte das passieren?

Und so ist am Tag danach die große Frage: Wie konnte das bei der angeblich bestgesicherten Fußball-Europameisterschaft aller Zeiten passieren? In einem Land, das 72 000 Polizisten aufgeboten hat, um sich gegen Angriffe schwerbewaffneter islamistischer Terroristen zu wappnen – und das nun der Randale von ein paar Hundert Hooligans nahezu hilflos zusehen musste?

Es waren Engländer und Russen, die sich schon am Nachmittag vor dem Spiel ihrer Mannschaften brutale Auseinandersetzungen geliefert hatten. 35 Menschen wurden dabei verletzt, vier davon schwer. Das Spiel selbst vermochte die Hooligans nur kurz abzulenken. Noch während die Partie lief, drängten russische Fans in den Block der Engländer und begannen neue Prügeleien. Die Fernsehzuschauer sahen davon nichts. Die Bilder, die die Uefa den nationalen Sendern zur Verfügung stellte, blieben randalefrei. Was kritische Fußballinteressierte als Zensur empfanden, rechtfertigte die Uefa später damit, Chaoten keine größere Bühne bieten zu wollen.

Krawalle gehen nach dem Spiel weiter

Gedämpft hat das deren Lust an Gewalt und Zerstörung aber offenbar nicht: Nach dem Spiel gingen die Krawalle weiter. Einem Engländer wurde mit einer Eisenstange auf den Schädel eingeschlagen, er schwebte gestern noch in Lebensgefahr. "Als ich diesen Mann am Boden liegen sah, stiegen mir Tränen in die Augen", sagt Alain, Betreiber eines Schnellimbisses. "Wie kann es so weit kommen? Nur wegen Fußball?"

Die Polizei nahm zehn Männer fest, darunter auch einen Deutschen und einen Österreicher. Die Europäische Fußball-Union zeigte zumindest verbal Härte: Sie drohte England und Russland sogar mit einem Ausschluss von der EM, sollten sich ähnliche Vorfälle wiederholen. Zudem leitete sie ein Disziplinarverfahren gegen den russischen Verband ein – das Ergebnis will sie am Dienstag bekannt geben. Außerdem sollen die Sicherheitsmaßnahmen in den Stadien noch weiter verstärkt werden, nachdem es die Ordner nicht geschafft hatten, die Fans beider Mannschaften voneinander zu trennen.

Krawalle mit Ansage

Es waren Krawalle mit Ansage: Schon vor der EM hatten die Organisatoren die Partie als eine der riskantesten des Turniers eingestuft. Und bereits bei der WM 1998 hatten englische Fans in Marseille gewütet. Warum gelang es trotzdem nicht, die Lage unter Kontrolle zu halten? Hat man sich zu sehr auf die Gefahr durch mögliche Terrorangriffe konzentriert – und jene vernachlässigt, die von Hooligans ausgeht?

Polizeikommissar Antoine Boutonnet, hauptverantwortlich für den Kampf gegen Hooligan-Gewalt, weist den Vorwurf, die Ordnungskräfte hätten versagt, zurück – im Gegenteil hätte deren "schnelles und effizientes Eingreifen erlaubt, die Zusammenstöße einzudämmen". Deren Hauptursache sieht er im "Problem des exzessiven Konsums von Alkohol, der blinde Gewalt nach sich zieht".

Mit Schlagstöcken gegen Randalierer

Tatsächlich ist die Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Randalierer vorgegangen – so massiv, dass es sogar Beschwerden unbeteiligter Fans gab. Es fehlte aber offenbar an Experten für Gewalt rund um den Fußball. Seit Jahren koordiniere sich die französische Polizei mit internationalen Kollegen, erklärt der Sport-Soziologe Ludovic Lestrelin. "Was überrascht, ist die relativ geringe Zahl von ausländischen Hooligan-Spezialisten vor Ort. Hinzu kommt eine besonders angespannte Sicherheitslage in Frankreich und die offensichtliche Erschöpfung der Ordnungskräfte." Seit den Terroranschlägen vom 13. November herrscht Ausnahmezustand, die Furcht vor weiteren Attacken ist spürbar. Zugleich erhöhten in den vergangenen Monaten zahlreiche Streiks, die immer wieder gewaltsam eskalierten, die Belastung.

Dem französischen Innenministerium zufolge wurde 3000 Anhängern, die in ihren Ländern als gewaltbereit aufgefallen sind, die Einreise verweigert. Das betrifft auch deutsche Hooligans, bestätigte Innenminister Thomas de Maizière nun: "Wir haben mit Frankreich einen Informationsaustausch über die polizeibekannten und gewalttätigen deutschen Hooligans eingerichtet und die Namen und Daten von rund 2500 Personen übermittelt." Dennoch kam es am Sonntag am späten Nachmittag auch zu Krawallen deutscher Hooligans: Rund 50 von ihnen attackierten vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft bei dieser EM in Lille ukrainische Fans. Mit den Ausschreitungen in Marseille sei dies aber kaum zu vergleichen, erklärten deutsche Fanbeobachter.

"EM im Zeichen der Angst"

Die britische Fußball-Legende Gary Lineker belastete auch deshalb nun klar seine Landsleute. "Man kann über Polizei-Provokation sprechen, oder andere Fans, die Probleme machen", schrieb er auf Twitter. "Aber es scheint nur dort zu passieren, wo die Engländer sind."

Doch die Gefahr existiert auch bei anderen Begegnungen – erneut in Marseille, wo am Dienstag die Ukraine auf Polen trifft. Wie lässt sich sicherstellen, dass künftige Matches ruhig bleiben? Die Frage lastet derart auf dem Fortgang des Turniers, dass die französische Sportzeitung "L’Équipe" feststellt: "Am zweiten Tag steht die EM schon im Zeichen der Angst."

Von Birgit Holzer/RND

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