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So flexibel wie noch nie

Deutschland gegen Frankreich So flexibel wie noch nie

Das legendäre Maracanã-Stadion! Rio! Das WM-Viertelfinale heute gegen Frankreich (18 Uhr, live in der ARD)! Das wichtigste Spiel in seiner Karriere als Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft! Halt. Das war Joachim Löw am Donnerstag dann doch ein Ausrufezeichen zu viel.

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Bundestrainer Joachim Löw: „O nein, um Gottes willen, da gab es schon Spiele, die genauso wichtig waren.“

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. „O nein, um Gottes willen“, sagte er, „da gab es schon Spiele, die genauso wichtig waren.“ Der Bundestrainer weiß, dass es ein besonderes Spiel wird, ein „heißes Spiel“, nicht nur wegen der mehr als 30 Grad, die für heute im berühmtesten Stadion der Welt für Ortszeit 13 Uhr vorhergesagt sind. Aber Löw will in Brasilien unbedingt noch zwei andere wichtigste Spiele in seiner Karriere erleben, das Halbfinale am kommenden Dienstag und dann das Finale am 13. Juli, erneut in Rio.

„Ich bin völlig entspannt und gehe absolut selbstbewusst in dieses Spiel rein“, sagte der 54-Jährige. „Den Matchplan habe ich schon im Kopf.“ In Tagen, in denen in der Heimat mehr denn je darüber diskutiert wird, ob sich mit dem sehr guten und manchmal Rätsel aufgebenden Trainer Löw ein WM-Turnier gewinnen lässt, will er Gelassenheit und Standfestigkeit zumindest demonstrieren.

Sieben deutsche Spieler hat die Grippe erwischt, die Namen werden geheim gehalten, genau wie die Aufstellung, von der viele glauben, dass Löw mit ihr das deutsche Team in Brasilien im Viertelfinale noch einmal neu erfinden wird.„Wir tauschen uns ständig aus und diskutieren alle Möglichkeiten. Was die Mannschaft braucht, wird gemacht“, sagte Löw. Was die Mannschaft braucht, ist die Frage, für die Löw andere Antworten sucht als in den ersten vier Spielen. Der 2:1-Sieg nach Verlängerung im Viertelfinale gegen Algerien hat beim 54-Jährigen, der in puncto Taktik und Aufstellung gewöhnlich einen sehr eigenen Kopf hat und ungern Zugeständnisse an die Öffentlichkeit macht, ein Umdenken ausgelöst.

Löw präsentiert sich in Brasilien flexibel wie noch nie. Man könnte aber auch formulieren: Noch nie war der Bundestrainer so sprunghaft und unsicher wie bei dieser WM. Zwei Jahre ist es her, da hat Löw folgenden Satz gesagt: „Nur wer schön spielt, gewinnt Titel.“ Nach dem nicht besonders schönen und trotzdem hochverdienten Achtelfinalsieg gegen Algerien hat Löw gesagt: „Man muss bei einem Turnier nicht immer fantastisch spielen, sondern gewinnen.“

Für Löw war seit seinem Amtsantritt im Sommer 2006 das Ergebnis immer das eine, der Weg dorthin das andere. Für ihn waren ein schönes Spiel und ein erfolgreiches Spiel kein Widerspruch. In vielen Begegnungen in EM- oder WM-Qualifikation hat die deutsche Mannschaft beides in Einklang gebracht, einen Titel hat sie mit Löw nicht geholt. Bei der EM 2008 gab es eine Niederlage gegen Spanien im Finale, bei der WM 2010 waren die Spanier im Halbfinale der Stolperstein, vor zwei Jahren bei der EM war in der Runde der letzten vier gegen Italien Schluss.

Löw schien auch ohne Titel immer mit sich im Reinen, in Brasilien hat er sich nun plötzlich zum Ergebnistrainer entwickelt, der bereit ist, für den großen Erfolg alte Überzeugungen über Bord zu werfen. Und notfalls sogar mal die Taktik, die er vier Spiele für die richtige gehalten hat.

Gegen Frankreich dürfte Schluss sein mit der abenteuerlichen Variante mit zwei Innenverteidigern als Außenverteidiger. Frankreich verfügt über gute Flügelspieler, Löws bisherige Idee wäre halsbrecherisch, zumal er gegen Algerien zu einer Änderung im System gezwungen wurde, die der Schlüssel zum Erfolg war: Mit Philipp Lahms Versetzung auf die Rechtsverteidigerposition und Sami Khediras Rückkehr ins Mittelfeldzentrum hatte eine wacklige deutsche Elf wieder eine Struktur erhalten.

„Ich habe vor der WM gesagt: Philipp spielt im Mittelfeld. Wenn es eine Situation gibt, wo man das ändern muss, wird das geschehen“, sagte Löw. Sein Torwarttrainer Andreas Köpke hatte einen Tag vorher – vermutlich autorisiert von seinem Chef – gesagt, dass „wir nicht stur an einer Linie festhalten“.

Lahms Positionswechsel würde Löw neue Perspektiven ermöglichen, nichts erscheint dabei ausgeschlossen. Laufen Khedira und Bastian Schweinsteiger gemeinsam auf? Überrascht der Bundestrainer mit Miroslav Klose? Verändert er das System wieder von einem 4-3-3 in das von ihm meist praktizierte, aber vor der WM kurzerhand verworfene 4-2-3-1-System?

Deutschlands Bundestrainer hat die Risikokarte in der Hand und scheint wild entschlossen, sie zu spielen. Er hat dabei gar nicht viel zu verlieren. Löw ist schon lange davon überzeugt, dass er einen Titel braucht, um die uneingeschränkte Anerkennung der Öffentlichkeit zu bekommen. Der neue Herr Löw erscheint in Brasilien lieber etwas wankelmütig als erfolglos.

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