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Fifa-Kongress stimmt für Reformpaket

Wahl der Blatter-Nachfolge Fifa-Kongress stimmt für Reformpaket

Mit der Wahl eines neuen Präsidenten will die FIFA in ein neues Zeitalter starten. Der Nachfolger von Joseph Blatter muss dem Weltverband nach Monaten der Skandale wieder zu Reputation verhelfen. Vor der Wahl wurde eine dringend notwendige Reform verabschiedet.

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Unten sind die FIFA-Präsidentschaftskandidaten UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino, der Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein, Tokyo Sexwale aus Südafrika, der Franzose Jérôme Champagne und Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa aus Bahrain, zu sehen. 

Quelle: dpa

Zürich. Die FIFA-Mitglieder haben zum Auftakt des mit Spannung erwarteten Wahlkongresses die dringend notwendigen Reformen verabschiedet. Das Paket, das unter anderem eine Machtbeschränkung für den Präsidenten und die Exekutivmitglieder vorsieht, erhielt am Freitag in Zürich die notwendige Drei-Viertel-Mehrheit. Insgesamt stimmten 179 von 207 Verbänden für die Reformen, 22 lehnten diese ab, sechs Verbände gaben kein Votum ab.

Nach einer einstündigen Mittagspause soll als Kongress-Höhepunkt die Wahl eines Nachfolgers des gesperrten Amtsinhabers Joseph Blatter starten. Als Favoriten gelten der Bahrainer Scheich Salman bin al Chalifa und UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino aus der Schweiz. Zudem stehen der Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein, Jérôme Champagne aus Frankreich und der Südafrikaner Tokyo Sexwale zur Wahl. Zunächst durften die Bewerber in einer bis zu 15-minütigen Ansprache ihr Programm vorstellen.

Ohne die Umstrukturierungen der Statuten wäre die Amtszeit des neuen Präsidenten schon mit einem schwer zu beseitigenden Makel belegt gewesen. Hätten sich die FIFA-Mitglieder den Reformen verweigert, wäre in der Korruptionsaffäre vor allem der Druck der US-Behörden noch weiter gestiegen.

Mit der Reform will der Weltverband die politische von der ökonomischen Entscheidungsebene trennen. Zudem gilt für den FIFA-Präsidenten und die Mitglieder des neuen Councils, das das umstrittene Exekutivkomitee ablösen soll, eine Beschränkung auf drei Amtszeiten à vier Jahre. Sie müssen sich vor Amtsantritt einem externen Integritätscheck unterziehen, ihre Gehälter werden offengelegt.

Die Krise hat bereits erste gravierende Konsequenzen für die FIFA. Die sonst so glänzende finanzielle Situation ist plötzlich prekär. Finanzdirektor Markus Kattner sprach von einem derzeit zu erwartenden Defizit für den Zyklus bis 2018 von 550 Millionen Dollar im Vergleich zu den Prognosen aus dem Jahr 2014. Dies würde die Rücklagen des Fußball-Weltverbandes von rund 1,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2014 um rund ein Drittel reduzieren. Das Ergebnis kann aber noch besser oder schlechter ausfallen.

Endspurt im Wahlkampf

Vor der Abstimmung der 207 wahlberechtigten FIFA-Mitgliedsländer über den neuen Präsidenten ging das Werben der Top-Kandidaten weiter. Nach Gerüchten über einen Wechsel des Südamerika-Blocks mit zehn Stimmen in das Lager von Scheich Salman, versicherte CONMEBOL-Präsident Alejandro Dominguez die Zusage an Infantino.

Der UEFA-Generalsekretär kann auch auf praktisch alle Stimmen aus Europa bauen. Eine sichere Zusage hat er vom Deutschen Fußball-Bund, für den der designierte Präsident Reinhard Grindel die Stimme abgeben wird. Scheich Salman soll neben den 44 Asien-Stimmen auch den Großteil der Afrikaner (54) hinter sich wissen.

Großes Bewerberfeld

Erstmals in der 112-jährigen FIFA-Geschichte treten gleich fünf Kandidaten zur Präsidentenwahl an. Der Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein, Jérôme Champagne aus Frankreich und der Südafrikaner Tokyo Sexwale haben aber keine realistische Chance.

Notwendige Mehrheiten

Bekommt kein Kandidat im ersten Wahlgang die dann nötige Zwei-Drittel-Mehrheit (138 Stimmen) würden erstmals seit 1974 wieder zwei Wahlgänge abgehalten. Blatter hatte bei seinen fünf Wahlsiegen seit 1998 nie eine extra Runde absolvieren müssen. Im zweiten Wahlgang reicht die Mehrheit der gültigen Stimmen (104) zum Sieg.

Blatter, der nun vor dem CAS gegen seine Sperre von sechs Jahren wegen Ethikvergehen vorgehen will, hatte den Weg für einen Neuanfang mit seiner Rücktrittsankündigung am 2. Juni 2015 freigemacht. Zu diesem Schritt war er aber erst durch die Ermittlungen der US-Justiz wegen Korruption und Vetternwirtschaft in der Funktionärs-Welt gedrängt worden. Der 79-Jährige hatte gehofft, sich auf dem außerordentlichen Kongress von den Delegierten umjubelt in den Funktionärsruhestand verabschieden zu können. Stattdessen hat er Hausverbot. 

Von Florian Lütticke und Arne Richter, dpa

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