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Wer erobert diesen Stuhl?

Wahl des Fifa-Präsidenten Wer erobert diesen Stuhl?

Freitag wählt die Fifa einen neuen Präsidenten. Es ist womöglich die letzte Chance für den von Korruptionsvorwürfen geplagten Weltfußballverband, 
 sich zu erneuern. Ob er sie nutzt, ist höchst ungewiss. Die Kandidaten jedenfalls stehen eher für Kontinuität.

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Im Endspiel: Der Schweizer Funktionär Gianni 
Infantino  und Scheich Salman bin Ibrahim 
al-Khalifa aus Bahrain wollen Fifa-Präsident werden.

Quelle: dpa

Von Brig nach Visp sind es keine zehn Kilometer. Entlang der einzigen größeren Verbindungsstraße zwischen den Bergdörfern in den Berner Alpen schlängelt sich die Rhone durch das Tal, links und rechts ragen die Bergketten empor. Diese zehn Kilometer sollen im Weltfußball den Unterschied machen. Visp ist der Wohnort von Sepp Blatter, dem geschassten Paten des von Korruptionsskandalen erschütterten Fußballweltverbandes. Im Nachbarort Brig ist der Mann geboren, der heute seinen Stuhl einnehmen könnte: Gianni Infantino. Der Schweizer will in Genf zum neunten Präsidenten der 112-jährigen Fifa-Geschichte gewählt werden.

Dafür hat er einiges getan. 70 Staaten hat der derzeitige Generalsekretär des europäischen Fußball-Verbandes Uefa seit Ende Oktober vergangenen Jahres besucht. Es war eine gigantische Werbetour zu den Mächtigen im Weltfußball, ausgestattet mit 500 000 Euro Wahlkampfhilfe der Uefa – und nachlesbar auf seinem Twitter-Account: An einem Tag zeigt er sich geehrt vom Empfang beim iranischen Fußballboss Ali Kafa­shian (11. Februar), am nächsten sendet er Bilder aus Miami vom Treffen der nord- und mittelamerikanischen Verbandsvertreter (12. Februar), dann posiert er in Belgrad mit serbischen Funktionären (13. Februar). Ein strammes Programm. Auf Infantinos Internetseite feiern ihn derweil Fußballstars wie Italiens Nationaltorwart Gianluigi Buffon: „Ich weiß, du wirst den Fußball nie betrügen.“     

Gianni Infantino

Gianni Infantino

Quelle: dpa

Mittlerweile ist der Jurist Infantino in Zürich gelandet. Dort treffen sich in diesen Tagen – wenn denn alle anreisen – die Delegierten von 209 Mitgliedsverbänden des Weltverbands zum Fifa-Kongress. Gesucht wird der Nachfolger des für sechs Jahre gesperrten Skandal-Präsidenten Blatter. Den Chefsessel hält einstweilen der kamerunische Interimspräsident Issa Hayatou warm.

Infantino hat große Versprechungen gemacht. Er wolle „der gesamten Fußballfamilie mithilfe seiner nachgewiesenen Erfahrung Wachstum und Entwicklung“ bescheren – und, selbstverständlich, die Fifa aus dem Korruptionssumpf führen, sagt der 45-Jährige. Um ans Ruder zu gelangen, hat er allerdings erst einmal ein Versprechen in Aussicht gestellt, das wohl auch Blatter kaum ungenierter hätte vortragen können. Der europäische Kandidat will im Fall seines Sieges jedem der 209 Verbände 5 Millionen Dollar für vier Jahre zahlen. Bisher gab es nur 2 Millionen. Vor allem die vielen kleinen und eher armen Verbände könnte das auf Infantinos Seite bringen. Und da bei einer Fifa-Wahl jede Stimme gleich viel zählt, egal, ob sie vom Kleinstverband aus Amerikanisch-Samoa oder von Fußballriesen wie England, Deutschland und Brasilien kommt, könnte der Schweizer seine Chancen damit drastisch erhöht haben. Die Weltmeisterschaft will er zudem von 32 auf 40 Mannschaften aufstocken. Auch das soll ein Anreiz für viele Fußballzwerge sein, die hoffen können, es mit ihrer Nationalmannschaft einmal bis in die Endrunde zu schaffen.

Dass Infantino für den Posten des obersten Fifa-Chefs kandidiert, ist eine Folge der Skandale. Der vierfache Familienvater, redegewandt in sechs Sprachen, war ursprünglich nur der Platzhalter für den aufgrund eines dubiosen 1,8-Millionen-Euro-Deals gemeinsam mit Blatter gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini. Wäre der Topfavorit zurückgekehrt, hätte sich Infantino, ganz getreuer Vasall, wieder an seinen Schreibtisch in der Uefa-Zentrale in Nyon gesetzt.

Aber Platini wird nicht antreten. Und Blatter wird nicht die erhoffte Bühne für seinen Abschied bekommen. Die ehemaligen Paten des Weltfußballs sind gefallen. Jahrzehntealte Korruptionsnetzwerke im Dunst der Fifa werden von Schweizer und US-Ermittlungsbehörden durchleuchtet, Spitzenfunktionäre sitzen in Untersuchungshaft oder sind nur gegen Kaution auf freiem Fuß. Das FBI untersucht Seltsamkeiten beim Handel mit Fernseh- und Vermarktungsrechten. Es geht um Bestechungsgeld in Höhe von 150 Millionen Dollar. Die Schweizer Ermittler nehmen die umstrittenen WM-Vergaben 2018 nach Russland und 2022 nach Katar unter die Lupe. Die unabhängige Fifa-Ethikkommission ermittelt gegen weitere Spitzenfunktionäre.     

Die Fifa am Abgrund, die Präsidentenwahl als Chance zum Neuanfang?

Für die Fifa wäre die Präsidentenwahl eine letzte Chance zum Neuanfang. Ungewiss ist, ob sie diese Chance nutzt. Offiziell ist der Wille zu Reformen vorhanden, vor der Präsidentenwahl müssen die Fußballdelegierten über Neuerungen abstimmen. Treten die ein, würde das Exekutivkomitee zu einer Art Aufsichtsrat (Fifa-Council) mit deutlich weniger Macht. Im operativen Geschäft soll ein Generalsekretär die Fäden ziehen. Ratsmitglieder müssten sich neuen Integritätschecks unterziehen, auch sollen ihre Gehälter veröffentlicht werden. Die Amtszeiten der Spitzenfunktionäre würden auf zwölf Jahre beschränkt, damit sich kein zweiter Blatter – Fifa-Präsident seit 1998 – die Organisation zu eigen machen kann. Auch soll es mehr Frauen in der Fifa geben, sie sollen sechs von 36 Plätzen im Council besetzen. Ziel ist eine Quote von 30  Prozent.

Die Amtszeitbegrenzung sei Makulatur, sagt dagegen ein Ex-Fifa-Spitzenfunktionär. Die Regelung gelte nicht rückwirkend. Wer drin ist und die Skandaljahre mitgemacht hat, muss so schnell nicht raus. Und so gehe es weiterhin um persönliche Seilschaften. Außerdem: Insbesondere Infantino habe doch als Uefa-Mitarbeiter fast alle Reformversuche abgelehnt. Beim Blick auf die Kandidatenliste verspüre er „Ekel“, sagt der ehemalige Fifa-Mann.

In der Tat ist keiner der Anwärter so ganz ohne Makel. Infantino wird die Stimme des Deutschen Fußball-Bundes erhalten, den Ruch des Platini-Jüngers wird er aber nicht los. Der Südafrikaner Tokyo Sexwale (chancenlos) war Mitglied des Organisationskomitees der WM 2010, die ebenso unter Korruptionsverdacht steht wie das deutsche Sommermärchen 2006. Dem Franzosen Jérôme Champagne (57, chancenlos) fehlt trotz guter Ideen jegliche Lobby. Der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein (40) ist bei seinem ersten Versuch im Mai 2015 bei Blatters letzter Wahl durchgefallen.

 Salman bin Ibrahim al-Khalifa

Salman bin Ibrahim al-Khalifa

Quelle: Patrick B. Kraemer/dpa

Und dann ist da der steinreiche Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa, 50 Jahre alt, Mitglied der Königsfamilie Bahrains. Er ist der große Konkurrent von Infantino, aber bei ihm sind auch die Zweifel am größten. „Wenn dieser Mann Präsident der Fifa wird, hat sie schlagartig ein viel größeres Problem als Korruption“, sagte der ehemalige Chefreformer der Fifa, Mark Pieth, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Grund: Der Scheich soll 2011 als Präsident seines Fußballverbandes geholfen haben, dass Sportler, die im Zuge des Arabischen Frühlings gegen das Regime in Bahrain protestierten, im Gefängnis landeten, wo sie gefoltert wurden. Al-Khalifa bestreitet das. Institutionen wie Reporter ohne Grenzen reagieren empört: „Als Mitglied des bahrainischen Königshauses steht Salman für ein Regime, das seit Jahren unerbittlich gegen Journalisten und kritische Blogger vorgeht.“

Der Versuch eines Deals – Salman als Präsident, Infantino als Generalsekretär – ist bereits gescheitert. Und so kommt es heute zu einem Zweikampf – Ausgang offen. Am Ende werden wohl die Stimmen der 54 afrikanischen Verbände den Ausschlag geben. Infantino hat viel dafür getan, sie für sich einzunehmen.     

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