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„Wir sind keine Nummerngirls“

Schiedsrichter Schröder aus Hannover „Wir sind keine Nummerngirls“

Zweitliga-Schiedsrichter Robert Schröder aus Hannover spricht im Interview über die Aufgaben der 4. Offiziellen, das Temperament von Bayern-Trainer Pep Guardiola und den Videobeweis.

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Seit Beginn der Saison leitet Robert Schröder Spiele der 2. Fußball-Bundesliga und ist Assistent und 4. Offizieller in der Bundesliga. Der 30-Jährige aus Hannover ist Vereinsmitglied beim HSC Hannover.

Quelle: dpa

Hannover. Hallo, Herr Schröder, in den vergangenen Wochen ist viel über die Leistungen der Schiedsrichter in der Bundesliga diskutiert worden. Jörg Schmadtke, Sportdirektor des 1. FC Köln, hat behauptet, dass die Schiedsrichter schlechter werden. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Die Bewertung der Schiedsrichterleistungen unterstehen meistens subjektiven Empfindungen. Zudem werden Schiedsrichter in der öffentlichen Wahrnehmung an Einzelentscheidungen gemessen, die niemals eine Gesamtleistung darstellen.Ich denke, dass das Spiel immer schneller wird und damit die Wahrnehmung von Vorgängen auf dem Platz schwieriger geworden ist. Darüber hinaus sind in der Bundesliga sehr viele Kameras, die eine Szene aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten - der Schiedsrichter hat nur eine Perspektive.

Sie leiten in dieser Saison zum ersten Mal Spiele in der 2. Bundesliga. Als Assistent und 4. Offizieller sind Sie auch in der Bundesliga im Einsatz. Etwa beim Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, da standen Sie zwischen den Trainern Pep Guardiola und Thomas Tuchel. Herr Guardiola soll ja nicht immer ganz einfach sein.
Das war ein ganz entspannter Nachmittag. Beide Trainer haben sich sportlich fair verhalten. Alles war absolut im Rahmen, weil auch der Schiedsrichter sehr gut gepfiffen hat.

Oftmals bekommen die 4. Offiziellen aber auch richtig was ab. Die Bilder von Jürgen Klopps Ausraster in Neapel und zuletzt von Rudi Völler in Wolfsburg können einem Angst machen.
Dass man auch Puffer für die Trainer ist, das gehört dazu und nimmt den Fokus vom Assistenten, auf den die Trainer früher, als es noch keinen 4. Offiziellen gab, eingestürmt sind. Die Aufgaben des 4. Offiziellen werden jedoch leider oft verwechselt mit der Tätigkeit eines Nummerngirls. Ein bisschen mehr gibt es schon zu tun. Wir sind sowohl Ansprechpartner und Schlichter, aber auch, und darauf liegt der Fokus, voll in die Entscheidungsprozesse auf dem Platz mit eingebunden.

Wann haben Sie den Entschluss gefasst, Schiedsrichter zu werden?
Ich habe als Jugendlicher als Torwart bei Hannover 96 gespielt, eine Zeit lang sogar mit Per Mertesacker, und hatte mit der Schiedsrichterei gar nichts am Hut. Ich gehörte eher zu den Spielern, die auch gerne mal über den Schiedsrichter geschimpft haben. In der A-Jugend bin ich zum HSC Hannover gewechselt, der damals Schiedsrichter suchte. Das fand ich interessant. Ich habe mich dann für einen Lehrgang angemeldet. Seitdem bin ich dabei.

Mitspieler Mertesacker ist einen anderen Weg gegangen.
Ja, er hat alles richtig gemacht. Aber auch ich habe meine Nische gefunden und freue mich, im großen Bundesligazirkus mit dabei zu sein. Als Spieler hätte es auch nicht gereicht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Zweitligaspiel und einer Begegnung in der Bezirksliga?
Je höher die Spielklassen sind, desto schneller wird das Spiel, und desto mehr kann man das Spiel laufen lassen, weil die technischen Fähigkeiten der Spieler besser sind. Auch die Vorbereitung ist professioneller. Ab der 2. Liga reist das Schiedsrichterteam einen Tag vor dem Spiel an, das gibt der DFB so vor. Und man weiß, auf welche Spieler man achten muss, wer die Führungsspieler sind, und kennt natürlich auch die Tabellenkonstellation.

Was war Ihr härtestes Spiel?
Das sind Spiele, in denen ich nach dem Abpfiff hoffe, dass die Entscheidungen, die ich getroffen habe, richtig waren. In der 3. Liga habe ich ein Spiel in Burghausen geleitet und drei Strafstöße gepfiffen. Bei keinem war ich mir hundertprozentig sicher. Das war keine angenehme Situation. Man wird dann anhand der Fernsehbilder gemessen.

Und, wie oft lagen Sie daneben?
Zwei Strafstöße waren richtig, der dritte nicht auflösbar, weil es nur eine Kamera gab und die Bilder nicht eindeutig waren. Das war vielleicht auch mein Glück, denn ich denke, dass der dritte eher etwas dünn war.

Können Fehlentscheidungen auch Folgen haben?
Das schlägt dann schon zu Buche, wenn man drei Elfmeter gibt und alle drei falsch wären. Das kann schon eine ganze Saison kosten.

Darf man als Schiedsrichter auch Fan sein?
Als Bundesliga-Schiedsrichter einen Lieblingsverein in der Bundesliga zu haben, das geht nicht, das wäre fatal. Ich war früher im Jugendalter, als ich selbst noch gespielt habe, 96-Fan. Das hat sich reduziert, je höher ich als Schiedsrichter gekommen bin. Ich gehe immer noch gerne ins Stadion, habe aber einen anderen Blickwinkel: Ich bin jetzt Fan des Schiedsrichters. Ich freue mich am Ende mehr über eine gute Leistung des Schiedsrichters, das Ergebnis des Spiels ist mir egal.

Wie funktioniert das Headset, mit dem sich die Schiedsrichter während des Spiels unterhalten und abstimmen?
Der Schiedsrichter und die Assistenten hören sich jederzeit und direkt. Der 4. Offizielle hört auch alles, muss sich aber per Knopfdruck zuschalten, wenn er etwas sagen will. Die Kommunikation wird unterschiedlich gehandhabt, je nachdem, wie es der Schiedsrichter möchte. In kritischen Situationen bespricht man sich, damit der Schiedsrichter die beste Entscheidung treffen kann.

Also die „Hitparade“, so wie der Mainzer Sportdirektor Christian Heidel vermutet, läuft da nicht.
Nein. Und wir quatschen auch nicht darüber, was wir am Abend noch so machen wollen. Wie sehr das Headset genutzt wird, hängt auch immer vom Schiedsrichter ab. Der eine möchte bei jedem Zweikampf ein Feedback haben, der andere nur in den ganz kritischen Situationen.

Was ist mit dem Videobeweis? Macht er Ihrer Meinung nach Sinn?
Grundsätzlich bin ich für jedes technische Hilfsmittel, welches uns Schiedsrichtern hilft, richtige Entscheidungen zu treffen. Sicherlich wäre in einigen der zuletzt diskutierten Situationen ein Videobeweis sinnvoll gewesen. Aber es gibt auch sehr viele Situationen im Fußball, die nicht schwarz oder weiß sind, sondern grau. Da hilft ein Videobeweis auch nicht. Aber noch mal: Wir Schiedsrichter sind immer aufgeschlossen gegenüber Hilfsmitteln, die uns eine richtige Entscheidung ermöglichen.

Interview: Christian Purbs

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