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Wird der Fußball zu teuer für die Fans?

Fanproteste Wird der Fußball zu teuer für die Fans?

Anhänger von Borussia Dortmund protestieren beim DFB-Pokalspiel in Stuttgart gegen die Ticketpreise – und in Liverpool verlassen 10.000 Zuschauer die Arena.

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Protest im Fanblock: Anhänger des FC Liverpool äußern ihren Unmut über steigende Ticketpreise.

Quelle: afp

Stuttgart. Der Moment, in dem die Mannschaften den Rasen betreten, ist normalerweise Ekstase auf den Tribünen. Gestern nicht. Ein Teil der Fans von Borussia Dortmund entzog sich dem Spektakel vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale in Stuttgart. Stattdessen: Ein leerer Block und gut 20 Minuten Stimmungsentzug.

Die Fanseele kocht, der Fußball wird den Anhängern zu teuer. Als Zeichen gegen die schwäbische Preispolitik blieben die BVB-Fans gestern zunächst draußen. Grund: 19,50 Euro kostete die günstigste Stehplatzkarte für das Pokalspiel. Der Höchstpreis lag bei mehr als 75 Euro. „Ein herber Schlag ins Gesicht für jeden von uns, der seine Mannschaft in diesem wichtigen Spiel zur Seite stehen möchte und ein weiterer Beleg dafür, dass der VfB Stuttgart kein Interesse an einer sozial verträglichen Preisgestaltung zu haben scheint“, heißt es bei der Organisation „Kein Zwanni - Fußball muss bezahlbar sein“, die sich für eine faire Preisgestaltung im Fußball einsetzt.

Die Stuttgarter Offiziellen sehen das anders: Die Preise seien der Bedeutung des Spiels angemessen, teilte der VfB mit. Klubpräsident Bernd Wahler sagt: „Wir brauchen mehr Geld. In so einem Spiel haben wir die Möglichkeit, ein bisschen mehr einzunehmen.“

Die Ticketpreise werden zum Problem im europäischen Spitzenfußball. Auch in England sorgte das Thema am Wochenende für Diskussionen. 10 000 Fans des FC Liverpool, darunter Klublegende Jamie Carragher, verließen in der 77. Minute aus Protest gegen die Preise das Stadion an der Anfield Road. 77 Pfund (rund 100 Euro) soll eine Eintrittskarte für die Haupttribüne bald kosten. Reaktion: Klubbesitzer und Management haben über das Problem zumindest schon mal diskutiert.

Die Dortmunder haben Handfesteres vorzuweisen: Zum Auswärtsspiel in Hoffenheim im vergangenen September waren viele BVB-Fans nicht angereist, weil eine Karte 55 Euro kosten sollte. Die Hoffenheimer reagierten und verzichten seit Kurzem auf Topspielzuschläge. Proteste beim Hamburger SV, VfL Wolfsburg und Hertha BSC waren ebenfalls erfolgreich. Die Berliner legten 15 Euro als Ticketpreis für den Gästeblock fest, in Hamburg gibt es die Gästekarte nun für 16 Euro.

„Wenn die Preise nicht von den Fans bekämpft werden, dann wird das von niemandem getan“, sagt „Kein Zwanni“-Mitgründer Marc Quambusch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Niemand wolle sich ausmalen, was die Bundesliga verlöre, wenn die lautesten Fans plötzlich wegblieben.

In England ist das Alltag. Die Stadien sind voller Gourmetfans - darunter leidet die Stimmung. Der FC Arsenal nahm in der vergangenen Saison zwar 130 Millionen Euro pro Spieltag aus dem Verkauf von Tickets, Essen, Getränken, Parkplätzen und Fanartikeln ein - Weltspitze. Für Topspiele zahlen Fans im Emirates Stadium aber auch durchschnittlich 125 Euro. Wann platzt die Blase? Ex-Liverpool-Profi Dietmar Hamann warnte Bayern-Trainer Pep Guardiola vor seinem Wechsel zu Manchester City: „Wenn er die Stimmung in so manchem englischen Stadion erlebt, wird er meinen, er befinde sich in Unterhaching.“

Die Ticketdebatte ist in Deutschland angekommen. „Das Preisniveau der Tickets ist in den letzten Jahren leider immer angestiegen“, sagt Quambusch - um knapp 15 Prozent seit 2010. „Diesen Trend müssen wir stoppen“, sagt er. Deshalb wollen die aktiven Fans weiterkämpfen. „Immer wenn die Schweinereien der Vereine bei den Ticketpreisen zu groß werden, müssen wir uns wehren“, sagt Quambusch.

Stuttgart war da nur eine Zwischenstation.

Von Stefan Döring

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