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Was wird aus dem Aufstieg vom SV Wilhelmshaven?

Nach Gerichtsurteil Was wird aus dem Aufstieg vom SV Wilhelmshaven?

Wird aus dem derzeitigen Fußball-Bezirksligisten SV Wilhelmshaven zur Saison 2017/2018 wieder ein Regionalligist? Schließlich hat der Verein vor Gericht einen spektakulären Prozess gewonnen. Doch wie handelt der Niedersächsische Fußball-Verband nun?

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Der SV Wilhelmshaven hat immer noch treue Fans, doch das letzte große Fußballfest im Jadestadion liegt mit dem Pokalspiel gegen Borussia Dortmund drei Jahre zurück. 

Quelle: imago sportfotodienst

Hannover/Wilhelmshaven. Für den Club ist der Fall klar, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) vergangene Woche mit einem viel beachteten Urteil den achtjährigen Dauerstreit des SVW mit dem Weltverband Fifa um eine hohe Ausbildungsentschädigung beendet und den von der Fifa angeordneten Zwangsabstieg für unwirksam erklärt hatte.

Der Verein erwartet die Aufstockung der 4. Liga, in der aus der Region Hannover 96 II, der TSV Havelse und Germania Egestorf/Langreder spielen, um eine Mannschaft und die Wiedereingliederung Wilhelmshavens. Außerdem fordert der SVW Schadensersatz in siebenstelliger Höhe vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). SVW-Aufsichtsrat Harald Naraschewski sieht den DFB und den Norddeutschen Fußballverband (NFV) „in der Bringschuld. Ich erwarte, dass man sich bis spätestens Ende des Jahres bei uns meldet“.

Doch ob auf den Zwangsabstieg 2014 zur kommenden Saison tatsächlich ein Zwangsaufstieg folgt, ist fraglich. „Ich sehe die Chancen dafür, dass Wilhelmshaven wieder in die Regionalliga eingegliedert wird, als sehr gering an. Allerdings muss man die schriftliche Urteilsbegründung noch abwarten“, sagt Karl Rothmund, Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV). Die Schadensersatzforderung des Vereins bezeichnet Rothmund als „illusorisch“.

Durchgereicht bis in die Bezirksliga Weser-Ems 2

Wilhelmshaven, so Rothmund, habe am Ende der Saison 2013/2014 auf dem drittletzten Platz gestanden, durch den durchgeführten Zwangsabstieg sei der Verein in der Abschlusstabelle auf den letzten Platz gesetzt worden. „Wenn der Norddeutsche Fußballverband das korrigiert, weil der Zwangsabstieg durch das BGH-Urteil nicht rechtmäßig ist, und den Verein auf seinen sportlich erreichten Rang in der Tabelle eingliedert, steht Wilhelmshaven auf einem Abstiegsplatz“, sagt Rothmund.

Da Wilhelmshaven damals keine Lizenz für die Oberliga erhalten hatte, war der Club bis in die Landesliga durchgereicht worden. Derzeit spielt der SVW in der Bezirksliga Weser-Ems 2.

Clubchef Hans Herrnberger argumentiert, dass der Verein mitten in der Saison vom Zwangsabstieg erfahren habe, „da war kein Spieler mehr zu motivieren“, der sportliche Niedergang sei also eine direkte Folge der Entscheidung. So sieht es auch der hannoversche Rechtsanwalt Jürgen Scholz, der für den Verein im Dezember 2014 das vom BGH bestätigte Urteil vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Bremen erstritten hatte. „Die Entscheidung über den Zwangsabstieg fiel am 13. Januar 2014, zu diesem Zeitpunkt war Wilhelmshaven noch über dem Strich“, sagt Scholz, für den der Fall Wilhelmshaven typisch für das „Selbstverständnis“ von Sportverbänden ist.

Geht der Streit noch Jahre weiter?

„Zuerst wird jahrelang jedes Gespräch verweigert. Der Verein wird mit seinem Problem im Regen stehen gelassen. Eine devote unreflektierte Haltung gegenüber der Fifa ist wichtiger“, sagt Scholz. „Und wenn man dann - sehenden Auges und getrieben von Ignoranz gegenüber den Vorgaben deutschen und europäischen Rechts - unterliegt, versucht man immer noch, dem Verein das Leben schwer zu machen: keine Wiedereingliederung, kein Schadensersatz.“

Sollten sich der Norddeutsche Fußballverband und der SVW in den kommenden Monaten nicht doch noch irgendwie einigen, wird sich der Streit möglicherweise noch ein paar Jahre fortsetzen.

Unstrittig ist derzeit nur, dass die Verbände bei den Satzungen „nachbessern“ (Rothmund) müssen, um künftig zum Beispiel Entscheidungen der Disziplinarinstanzen der Fifa gegenüber deutschen Vereinen über die Mitgliedsverbände wie den NFV durchsetzen zu können. Genau an dem Punkt hatte das BGH-Urteil die Schwachstelle entlarvt.

Argentinier bestehen auf Ausbildungsvergütungen

Die Argumentation des Gerichts: Der Zwangsabstieg ist unwirksam, weil der SV Wilhelmshaven nicht Mitglied der Fifa, sondern des Norddeutschen Fußballverbandes sei. Es müsse für eine rechtlich sichere „Durchgriffshaftung“ gesorgt werden, fordert Rothmund, der sonst befürchtet, dass sich die Verbände gegen Fälle wie Wilhelmshaven versichern müssten - was dann wiederum auf die Vereine umgelegt und beträchtliche Kosten verursachen würde.

Die Tatsache, dass der Bundesgerichtshof den eigentlichen Ausgangspunkt des Streits - die offene Forderung der Ausbildungsentschädigung in Höhe von 157.500 Euro - nicht behandelt hat, könnte für den SV Wilhelmshaven unterdessen noch zum Problem werden. Die zwei argentinischen Vereine Atletico River Plate und Atletico Excursionistas halten diese Forderung gegenüber dem SVW aufrecht, weil der 2007 nach Wilhelmshaven gewechselte Sergio Sagarzazu von ihnen ausgebildet worden war. „Es geht nur noch darum, wie die Argentinier an ihr Geld kommen“, sagt Niedersachsens Fußballchef Rothmund. „Ich vermute, dass sie versuchen werden, einen Titel gegen den Verein zu bekommen.“

Rechtsexperten halten die Ausbildungsvergütungen für problematisch, bereits 1999 hatte der BGH eine Ausbildungsentschädigung für rechtswidrig eingestuft, weil der Spieler, dessen Transfer an der Vergütung scheiterte, in seiner Berufsfreiheit beeinträchtigt sei. Für Rothmund ist die Ausbildungsentschädigung „ein letzter Schutz für die Amateurvereine. Das ist eine Regel, die alle wollen.“

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