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Wie sich ein Fußballer zurück auf den Rasen kämpft

Nach schwerer Verletzung und vier Operationen Wie sich ein Fußballer zurück auf den Rasen kämpft

Der junge Fußballer Sufjan Ankour vom OSV Hannover musste nach einem doppelten, offenen Schien- und Wadenbeinbruch bereits viermal operiert werden. Die Verletzung zog er sich auf dem Rasen zu. Dennoch will der Sportler mit dem Kämpferherz genau da wieder hin.

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Sufjan Ankour kann schon wieder lächeln, Physio Eike Björn Wulf und Krankenschwester Britta Deinhardt-Dibbern zeigen die Collage seiner Mitspieler vom OSV. 

Quelle: Wolters

Hannover. Mit einem breiten Lächeln und leicht müden Augen liegt Sufjan Ankour in seinem Krankenbett. Viele Mut machende Geschenke stehen in seinem Zimmer im Friederikenstift. Darunter eine Collage, die ihm seine Fußballkollegen gebastelt haben. Darauf sind Fotos seines Vereins OSV Hannover und ein T-Shirt mit der Aufschrift „NEVER NEVER NEVER GIVE UP“.

Nicht aufgeben, das ist für den 22-jährigen Ankour nach seiner schweren Verletzung eine gute Devise. Beim Landesliga-Punktspiel seines OSV beim TuS Sulingen hatte er sich in der 93. Minute über die linke Seite mit dem Ball am Fuß in den Strafraum durchgedribbelt. Mit hohem Tempo hatte er bereits einen Sulinger Gegenspieler abgeschüttelt. Als Ankour den Ball in die Mitte zu seinen Mitspielern schieben wollte, traf ihn ein Gegenspieler am rechten Bein, welches in dem Moment voll belastet war und im Rasen stecken blieb. „Es hat in meinem Bein geknallt, als wäre da ein Feuerwerkskörper explodiert“, erzählt Ankour. „Ich wusste sofort, dass es etwas Schlimmes ist.“ Ein Blick auf sein Bein bestätigte seine Angst, „der Fuß war völlig verdreht, und der Knochen schaute raus“.

Ein Krankenwagen brachte den Deutschmarokkaner - unter schlimmen Schmerzen und mit vier Mitspielern an seiner Seite - in die Notaufnahme in Sulingen. Dort bekam er die Diagnose: doppelter, offener Schien- und Wadenbeinbruch. Ankour wurde sofort operiert und am nächsten Tag ins Friederikenstift nach Hannover verlegt. Noch drei weitere Male lag der Mittelfeldspieler auf dem Operationstisch. Die drei zusätzlichen Eingriffe wären nötig gewesen, „weil die Fraktur an sich stabil war, die Weichteile darum aber Probleme bereitet haben“, sagt Krankenschwester Britta Deinhardt-Dibbern.

Die Operationen und Narkosen hat er gut vertragen. Jetzt wartet Ankour mit dickem Bein, das mit vielen Nähten übersät ist und in dem acht Schrauben stecken, darauf, sich wieder bewegen zu können. Mit seinem Physiotherapeuten Eike Björn Wulf arbeitet sich der junge Mann an seine ersten Gehversuche heran. Voraussichtlich muss er aber noch zwei bis drei Wochen im Krankenhausbett liegen bleiben - die Höchststrafe für den Fußballer. „Das war schon ein krasser Einschnitt. In den ersten Tagen war ich richtig deprimiert. Eigentlich bin ich jeden Tag von morgens bis abends unterwegs: in der Früh bei meinem Ausbildungsbetrieb, nachmittags, bis es dunkel wird, stehe ich dann immer noch auf dem Sportplatz.“ Mittlerweile hat Ankour sein Schicksal aber akzeptiert. Das Bein bräuchte nun mal Ruhe, da könne man nichts machen, sagt der 22-Jährige einsichtig. Auch wenn es ihm schwerfällt.

Seit August macht er eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Glücklicherweise ist sein Ausbilder Wilfried Bergmann auch gleichzeitig sein Trainer beim OSV. Von dieser Seite ist Ankour also Unterstützung sicher. Seine Unterrichtsunterlagen bekommt er per Mail zugeschickt und muss sie, bis er wieder in die Schule gehen kann, alleine nacharbeiten. Nebenbei ist er noch Trainer der A-Junioren-Mannschaft vom OSV Hannover. Solange Ankour verhindert ist, übernimmt Ko-Trainer Dirk Meyer das Training. Stolz erzählt Ankour, dass „seine Jungs“ am vergangenen Wochenende auch ohne ihren verletzten Trainer drei Punkte geholt hätten. „Vielleicht ja auch gerade für ihren verhinderten Coach“, sagt Ankour mit einem Zwinkern.

Unterstützung erfährt der Mittelfeldspieler von allen Seiten. Ankours Familie ist fast rund um die Uhr an seinem Bett. Auch der OSV unterstützt und tröstet ihn. Bei der Überreichung der selbst gebastelten Collage seiner Mannschaft habe er feuchte Augen bekommen. Auch von Spielern seiner Landesliga-Konkurrenten bekommt er aufmunternde Nachrichten zugesendet. Groll verspürt der Sportsmann Ankour gegen den Spieler, der ihn im Spiel gegen Sulingen erwischt hat, übrigens nicht: „Das war keine Absicht. So etwas passiert im Fußball nun mal. Wir haben mit dem TuS ein sehr gutes Verhältnis, und daran ändert sich auch nichts.“

Für die Reha des jungen Spielers hat sich Trainer Bergmann schon um Spezialisten gekümmert. Der langjährige Mannschaftsarzt von Hannover 96, Wego Kregehr, und der Reha-Trainer des großen FC Bayern München, Jörg Schmiedhold, sollen Ankour auf dem Weg zur Genesung unterstützen.

Die Weichen sind also gestellt, damit Ankour im nächsten Jahr wieder „am Rasen schnuppern kann“. Schließlich habe er einen Titel zu verlieren: „Bester ,Sechser’ der Liga“, sagt Sufjan stolz und etwas verschmitzt. Und wirkt dabei rundum sympathisch.

Von Justus Wolters

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