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Neue Sportliche Leitung

Hannover Indians wollen sich in 2. Eishockey-Liga etablieren

Von Björn Franz

Nicht mehr nur Glühwein und Trallala: Mit neuer Sportlicher Leitung will sich der EC Hannover Indians in der 2. Eishockey-Bundesliga etablieren.
© Florian Petrow

Als sich Bernhard Kaminski vor einigen Tagen zum ersten Stammtisch mit den Fans des EC Hannover Indians traf, lief die Sache ein wenig aus dem Ruder. In der Fragerunde wollten einige Anhänger des Eishockey-Zweitligisten vom neuen Trainer ganz genau wissen, mit welcher Taktik er denn spielen lassen wolle. Es war ein wenig so, als wenn man dem ehemaligen Erstligaprofi Kaminski den Puck zum Torschuss genau auf die Linie gelegt hätte. Der 54-Jährige begann zu erklären, dozierte in Entertainermanier über einzelne Spielsituationen sowie die Reaktionen, die er jeweils von seinen Spielern erwartet. Und als der Vortrag lange, sehr lange danach zu Ende ging, war sich Geschäftsführer Dirk Wroblewski sicher, dass die meisten der Fans beim nächsten Spiel der Indians von ihrer taktischen Schulung her auch in der 4. Reihe auflaufen könnten.

Zum zweiten Mal binnen eines Jahres setzt Wroblewski zum Saisonstart auf einen neuen Coach. Und viel extremer hätte der Kurswechsel dabei kaum sein können. Vor Jahresfrist überzeugte Craig Streu den starken Mann am Pferdeturm schon im ersten Gespräch mit seiner Begeisterung für die Aufgabe und seiner Emotionalität. Doch schon acht Spieltage nach dem Saisonstart zog Wroblewski die Reißleine und holte mit Joe West den Aufstiegstrainer zurück. Ebenfalls einen überaus emotionalen Typen, der sich durch seine Ausbrüche an der Bande selbst unter den eigenen Fans nicht nur Freunde gemacht hatte, der aber zumindest das Minimalziel Klassenerhalt realisierte. Und nun also Kaminski. Das genaue Gegenteil. Ein Mann, der mit seiner akribischen und durchorganisierten Arbeitsweise manchmal eher an einen „Eishockey-Professor“ erinnert als an den Prototyp eines Trainers.

Wroblewski geht mit den Gründen und auch den Risiken dieses Kurswechsels erfrischend ehrlich um. „Das, was wir bislang gemacht haben, hat nicht funktioniert. Wir mussten etwas ändern, und das haben wir gemacht“, erklärt der Geschäftsführer, der gemeinsam mit Berndt Blumenthal (Chef des IT-Dienstleisters CS Consulting) und Jörg-Walter Koch (Geschäftsführer von Machwitz-Kaffee) auch Gesellschafter der Indians ist. Dabei traf er seine Wahl nicht wieder nach einem einzigen Treffen aus dem Bauch heraus, sondern nach „ganz vielen Gesprächen“ mit Kaminski sowie Interviews mit fünf weiteren Trainerkandidaten. Und vollkommen sicher, ob er diesmal richtig liegt, war Wroblewski trotzdem nicht. „Ich habe mich mit ,Bernies‘ Philosophie zu Beginn etwas schwergetan, weil ich nicht weiß, ob sein wissenschaftlicher und analytischer Ansatz zu uns passt“, gesteht er. „Es kann sehr gut passen – sofern der Erfolg da ist.“

Doch inzwischen ist der Geschäftsführer weitgehend überzeugt. „Was mich positiv stimmt, ist die deutliche Entwicklung im Verlauf der Vorbereitung“, meint er. „Ich sehe die Akribie bei Trainern und Spielern, spüre die gute Stimmung – aber es bleibt ein Stück weit eine Wundertüte.“ Denn es ist ja nicht allein die Sportliche Leitung, die die Indians mit Kaminski und seinem Assistenten Peter Willmann anders besetzt haben. Auch die Mannschaft ist im Prinzip völlig neu. Gerade einmal fünf Spieler aus der verkorksten vergangenen Saison durften bleiben, darunter der inzwischen mit einer Schulterverletzung lange ausfallende DJ Jelitto. Dem stehen 18 Neuzugänge gegenüber, zu denen sich möglichst bis zum Saisonstart morgen (20 Uhr) in Crimmitschau noch ein weiterer gesellen soll.

Angesichts dieses kompletten Umbruchs erwartet Wroblewski gewisse Anlaufprobleme. „Eine neue Mannschaft und ein neues System werden Zeit brauchen. Wir werden nicht gleich mit eingespielten Mannschaften ähnlicher Qualität mithalten können“, sagt er. „Aber wenn wir davon überzeugt sind, dass dieser Weg der richtige ist, dann müssen wir auch etwas Geduld aufbringen.“ Wichtig ist ihm lediglich, dass eine Entwicklung zu erkennen ist. Mit dem Abstiegskampf wie in der vergangenen Saison soll die Mannschaft diesmal nichts zu tun bekommen. Offizielles Ziel ist das Erreichen des 10. Tabellenplatzes, der zur Teilnahme an den Pre-Play-offs berechtigt. Doch insgeheim hoffen die Indians angesichts ihrer auf dem Papier sehr guten Neuverpflichtungen sogar noch auf ein bisschen mehr.

Denn auch der Anspruch der Fans am Pferdeturm ist laut Wroblewski im Wandel. „Es wird immer mehr Augenmerk auf das sportliche Geschehen gelegt“, meint er. „So wie es Hans Zach einmal gesagt hat, ,nur Glühwein und Trallala‘, so ist es nicht mehr.“ Zwar müsse das bleiben, was den Pferdeturm ausmacht. Aber es müsse auch eine sportliche Entwicklung geben.

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