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Tränenreiches Ende der Hannover Indians
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Eishockey-Klub Tränenreiches Ende der Hannover Indians

Die Hannover Indians ziehen die Konsequenzen aus ihren finanziellen Problemen: Am Mittwoch hat der Eishockey-Zweitligist Insolvenzantrag gestellt.

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Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch gab der Eishockey-Klub Hannover Indians die Insolvenz bekannt.

Quelle: Petrow

Hannover. Hannover. Es war ein schwerer Gang für Dirk Wroblewski. Der Indians-Geschäftsführer saß zusammengekauert auf dem Podium. Seine Stimme geriet ins Stocken, als er das voraussichtliche Ende des Eishockey-Zweitligisten EC Hannover Indians, seines Vereins, verkünden musste. „Ich habe einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hannover gestellt“, sagte er unter Tränen. „Es gab keinen anderen Ausweg. Wir konnten den Betrieb nicht ordnungsgemäß fortsetzen.“

Etwa 250 000 bis 300 000 Euro, so Wroblewski, sollen fehlen, um diese Saison zu Ende spielen zu können. Sportlich steht der Klub damit als Absteiger fest, auch wenn es nach derzeitigem Stand gar keine Regelung dafür gibt.

Die Mannschaft hatte der Geschäftsführer gestern Vormittag von der misslichen Lage informiert. „Es hat unterschiedliche Reaktionen gegeben“, sagte Wroblewski. „Das muss man verstehen. Sie können ja auch nichts dafür.“ Zumindest das Februar-Gehalt wurden noch pünktlich gezahlt. Am späten Nachmittag musste Wroblewski dann den treuen Fans – etwa 200 waren ins VIP-Zelt gekommen – die traurige Wahrheit verkünden.

Wie es jetzt weitergeht mit dem Traditionsverein ist völlig offen. „Ich weiß es nicht“, sagte der Geschäftsführer, „ich weiß es wirklich nicht.“ Ob die Mannschaft die verbleibenden fünf Vorrundenspiele noch zu Ende spielt oder sich der Verein sofort zurückziehen muss, ist noch nicht geklärt. Das müsse der Insolvenzverwalter entscheiden, sagte der Chef des Zweitligisten.

In der mehr als 60-jährigen Geschichte des Vereins hat es bereits mehrere Insolvenzen gegeben. Bislang war es am „Turm“ nach einer Neugründung immer weitergegangen, allerdings stellte Wroblewski diesmal fest: „Ein Nachfolgeverein würde ganz schnell an dieselben Grenzen stoßen. Denn es gibt keine Perspektiven.“

Er ließ durchblicken, dass das Geschäftsmodell, das den defizitären Eishockeysport am Pferdeturm irgendwann finanzieren sollte, nicht wie gedacht funktioniert habe. Im November 2007 hatten die heutigen Gesellschafter, Worblewski und Bernd Blumenthal, die Indians aus einer ähnlichen schwierigen Lage wie heute übernommen. Man konnte die Situation nicht ändern. Ohne Aufstiegsmöglichkeit in die 1. Liga fehlt der sportliche Anreiz (Wroblewski: „Worum spielen wir denn?“), was sich auf die in Hannover bedingt durch Platzhirsch 96 ohnehin schwierige Sponsorensuche auswirkt.

In den vergangenen Wochen und Monaten hatten die Verantwortlichen des Klubs vieles unternommen, um neue Perspektiven aufzutun. Ein Kernproblem sei die Situation am Pferdeturm. Der Großteil der Einnahmen der Heimspiele geht an die Stadionbetreiberin Kathrin Müllerchen; deren Pachtvertrag mit der Stadt läuft noch bis 2038 – der ECH profitiert nur mit einem Euro pro Fan an den Gastronomieeinnahmen. „Gespräche mit beiden Parteien haben nichts gebracht“, sagte Wroblewski. Eine andere Überlegung, die auch nicht realisiert werden konnte, war ein Umzug in die TUI Arena, in der auch der Konkurrent Hannover Scorpions spielt.

Und doch könnte in der Zusammenarbeit mit dem Nachbarn eine Perspektive liegen. Wroblewski vermied das Wort Fusion. „Nur mal so etwas zusammenschweißen, das funktioniert nicht. Es bedarf tragbarer Konzepte. Wir müssten die Stärken zusammenpacken“, sagte er. „Ich bin gesprächsbereit.“ „Ich auch“, sagte Scorpions-Sportdirektor Marco Stichnoth.

Diskutieren Sie mit über die Insolvenz der Indians im "HAZ-Eisblock".

Hannover Indians – Eine Chronik  

In ihrer wechselvollen Geschichte haben die Hannover Indians ein Auf und Ab erlebt wie wohl kein zweiter hannoverscher Profiverein. Ein kurzer Rückbklick. 

Januar 1948: Der aus Königsberg stammende Fedor Rose gründet mit Gleichgesinnten die Eissport-Gesellschaft Hannover (ESG). Gespielt wird auf einer Natureisbahn im Stadthallengarten. Erster Gegner ist der TC Grunewald Berlin. 

Januar 1953: Nach 1951 wird die ESG zum zweiten Mal norddeutscher Meister. Eishockey boomt, zum Spiel gegen den Hamburger THC kommen 1200 Fans. Kurz darauf wird der Klub in Roll- und Eissport-Gemeinschaft (RESG) umbenannt. 

7. November 1959: Das Eisstadion am Pferdeturm mit 4200 Zuschauerplätzen wird eröffnet. 

20. Dezember 1963: Wegen finanzieller Probleme der RESG wird der Klub in Eissport-Club Hannover umbenannt. 

März 1967: Aufstieg in die Oberliga Nord, die zweithöchste deutsche Spielklasse. 

März 1971: Auch der inzwischen 56-jährige Fedor Rose kann als Spieler den Abstieg nicht verhindern. 

April 1981: Nach einigen vergeblichen sportlichen Versuchen gelingt dem Klub am „grünen Tisch“ gemeinsam mit dem Hamburger SV der Aufstieg in die 2. Liga. 

Dezember 1981: Der sofortige Wiederabstieg ist nicht mehr zu verhindern, und die zur finanziellen Absicherung des Vereins gegründete Gesellschaft löst sich auf. Als sich mit Rolf Tegtmeyer auch noch der Klubchef und Sponsor zurückzieht, wird die Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. 

September 1982: Neustart in der Landesliga. 

April 1983: Aufstieg in die Regionalliga. Die Stadt überträgt die Nutzungsrechte für das Eisstadion dem neu gegründeten Eislauf-Club in Hannover. 

April 1984: Der ECH wird Regionalliga-Meister, ein Konkurs verhindert aber den Oberliga-Aufstieg. 

September 1984 : Der Klub tritt weiter in der Regionalliga an. Als Neuzugang kommt der kanadische Verteidiger Greg Thomson an den Pferdeturm. 

April 1988: Aufstieg in die 2. Liga. 

April 1989: Im Schnitt kommen in der ersten Zweitligasaison 2400 Fans – trotzdem entstehen 150 000 Mark Verlust. 

März 1991: Der ECH scheitert in der Relegationsrunde knapp am Aufstieg. Im Schnitt sehen 4260 Besucher die Spiele in der 2. Liga. 

Juni 1994: Nach sechs vergeblichen sportlichen Versuchen profitiert der ECH von der Gründung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL): Als einer von sechs Zweitligisten rückt der Klub in die aufgestockte Eliteliga auf. 

Januar 1996: Die für die DEL gegründete Betriebsgesellschaft geht in Konkurs. Die Leistungsträger verlassen den Klub, ein Rumpfteam spielt die Saison zu Ende. 

September 1996 : Als EC Hannover Turtles spielt der Klub in der 2. Liga weiter. 

Juli 1998: Auch der Gesamtverein meldet Konkurs an. 

August 1998: Der neu gegründete Kleefelder Eissport-Verein (KEV) übernimmt das Eisstadion am Pferdeturm und spielt als Hannover Indians mit ehemaligen DEL-Spielern wie Friedhelm Bögelsack und Joachim Lempio in der Regionalliga. 

April 2002: Die Indians werden mit 48 Siegen in 48 Spielen Meister der Regionalliga. Weil aber kein sportlicher Aufsteiger in die Oberliga vorgesehen ist, beginnt ein zweimonatiges Sommertheater mit Fan-Demonstrationen, an dessen Ende die Indians doch aufsteigen dürfen. 

April 2009:  Im fünften Anlauf machen die Indians den Aufstieg in die 2. Liga perfekt. 

Februar 2013: Die Indians stellen Insolvenzantrag.

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