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Angekündigter Rückzug Papenburgs

Eishockeymeister Hannover Scorpions kämpft um seine Zukunft

Von Jens Reinbold

Der Eishockeymeister Hannover Scorpions ist schon wieder Tabellenführer, kämpft aber nach dem angekündigten Rückzug Günter Papenburgs weiter um seine Zukunft.
„Scorpions nicht gesund“: Marco Stichnoth.

„Scorpions nicht gesund“: Marco Stichnoth.

© Ulrich zur Nieden

Eigentlich läuft es super für die Hannover Scorpions. Zumindest sportlich. Vor den beiden Partien beim ERC Ingolstadt (Freitag, 19.30 Uhr) und gegen die Hamburg Freezers (Sonntag, 14.30 Uhr, TUI Arena) grüßt der deutsche Meister schon wieder von der Tabellenspitze der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Aber dennoch war es Marco Stichnoth gestern eine Herzensangelegenheit, noch einmal auf die Sorgen und Nöte des Klubs hinzuweisen.

„Wir wollen keine Panikmache“, sagte der Geschäftsführer der Scorpions, „aber wir wollen offen und ehrlich kommunizieren, was unsere Zahlen betrifft.“ Und die sind nach wie vor besorgniserregend. Zwar hat der Klub, der künftig ohne das Mäzengeld von Eigner Günter Papenburg auskommen will, durchaus Positives zu vermelden, „aber das reicht noch nicht, um den Spielbetrieb sichern zu können“, wie es Stichnoth formuliert.

Dass keine Missverständnisse aufkommen: Diese Saison ist gesichert, das hat Papenburg unlängst klargestellt. Aber alles was danach kommt, liegt in der Schwebe – trotz positiver Trends. Denn der jüngste Dauerkartenrekord von 2260 (2009/2010 waren es knapp 1000) und besseren Einnahmen aus dem Einzelticketverkauf in den ersten beiden Heimspielen können bei Weitem noch nicht die Lücke ausgleichen, die der Rückzug Papenburgs reißt. „Der Punkt ist, dass das Produkt Scorpions nicht gesund ist“, sagt Stichnoth, der auch noch den Ausstieg des Versicherers VHV als Sponsor ausgleichen musste. „Für die 100.000 Euro, die dadurch wegfielen, mussten wir lange strampeln“, sagt der 44-Jährige, der überdies den Mehrbedarf aus Sponsorengeld auf „500.000 bis 800.000 Euro“ beziffert.

Woran es vor allem fehlt, seien aber zahlende Zuschauer. „Wenn wir jedes Spiel 100.000 Euro aus dem Ticketverkauf einnehmen würden, hätten wir die reelle Möglichkeit, ohne Hilfe von außen auszukommen“, sagt Stichnoth. Zum Vergleich: Bei ausverkauftem Haus (10.500 Plätze) erzielt der Klub 206.000 Euro Einnahmen. „Zu wenige Zuschauer, zu wenig Ertrag“, nennt es Stichnoth, der vor dem Hintergrund, dass nur etwa 250 Dauerkarteninhaber direkt aus dem Stadtgebiet Hannovers kommen, den Schluss ableitet: „Hannover ist kein Scorpionsland.“

Die Folgen für die kommende Saison zeichnet Stichnoth drastisch auf: „Statt jetzt 3,6 Millionen Euro Personalkosten werden wir dann für die Mannschaft nur noch 1,8 Millionen ausgeben können.“ 16 Verträge von Scorpions-Profis laufen aus; viele von ihnen könnten den Klub verlassen. Es deutet derzeit also alles daraufhin, dass die Scorpions künftig kleinere Bötchen backen müssen.

Der Erste im Ersten: Die Scorpions können sich auf einen besonderen Auftritt freuen. Das Heimspiel gegen Mannheim ist vom 8. auf den 9. Oktober (14.30 Uhr), einen Sonnabend, verlegt worden, weil die
ARD-Sportschau einen etwa fünfminütigen Zusammenschnitt der Partie zeigen will. Die Fußball-Bundesliga, sonst im Fokus der Sportschau, pausiert wegen der EM-Qualifikation, in der die deutsche Elf am Freitag in Berlin auf die Türkei trifft.

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