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„Technische Panne“ nur vorgeschoben

Hannover Scorpions boykottieren Training

Von Jens Reinbold

Die Spieler des Eishockeymeisters Hannover Scorpions haben am Dienstag vor einer Woche aufgrund verspäteter Gehalts- und Prämienzahlungen das Training boykottiert. Grund für die Trainingspause war also keine „technische Panne".
Da war noch alles in Ordnung: Die Mannschaft der Scorpions vor dem Spiel gegen die DEG Metro Stars Anfang September.

Da war noch alles in Ordnung: Die Mannschaft der Scorpions vor dem Spiel gegen die DEG Metro Stars Anfang September.

© Ulrich zur Nieden

Als am Dienstag vor einer Woche das Training beim Eishockeymeister Hannover Scorpions ausfiel, gab es ein logische Erklärung aus der TUI Arena. „Technische Panne“ hieß es, doch was eigentlich hinter dieser unfreiwilligen Trainingspause steckt, taugt zumindest für einen kleinen Skandal: Nach HAZ-Informationen haben die Profis an diesem Tag das Training verweigert – unter anderem aus Verärgerung über verspätete Gehalts- und Prämienzahlungen.

„Das ist alles geklärt“, sagt Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth, der weit ausholt, um die Umstände zu erklären. „Das eine Problem betraf die Gehaltszahlungen. Da hatten wir eine Umstellung in der Buchhaltung vorgenommen, deshalb hat sich die Auszahlung verzögert“, erklärt Stichnoth, „am 7. September ist das Geld dann überwiesen worden.“

Doch auch bei den Prämienzahlungen warteten einige Profis länger, als es ihnen lieb war. „Wir behalten immer ein wenig Geld von den Profis ein, um damit Heizkostenabrechnungen oder ähnliches zu verrechnen“, sagt Stichnoth, der dieses Verfahren bereits seit vier Jahren so anwendet. Doch als die restlichen Prämien, es soll sich um insgesamt etwa 60.000 Euro handeln, nun ausgezahlt werden sollten, musste Stichnoth die Profis erneut vertrösten. „Unser Gesellschafter Günter Papenburg hatte noch Klärungsbedarf, da hat sich die Auszahlung leider verzögert.“ Weil Stichnoth zu Beginn der vergangenen Woche auf einer Versammlung der Deutschen Eishockey-Liga in Köln weilte, konnte er den kurzfristigen Trainingsboykott auch nicht mehr verhindern. „Wenn ich nicht in Köln gewesen wäre, wäre das nicht passiert“, sagt der Geschäfstführer, der einräumt, unterschätzt zu haben, „wie sauer die Spieler sind“. Wert legt Stichnoth auf die Feststellung, dass „wir bisher immer pünktlich bezahlt haben. Unserem Gesellschafter ist das nun auch ein wenig unangenehm. Aber Papenburg hat sich ja festgelegt, dass die Saison finanziell gesichert ist.“

Damit wäre der Streit also quasi vom Tisch – oder etwa doch nicht? Der derzeit verletzte Kapitän Tino Boos will sich zu der ganzen Angelegenheit eigentlich nicht äußern, formuliert aber ein wenig kryptisch, dass „keiner weiß, was da los ist. Die Zeit wird zeigen, wie es weitergeht.“ Offenbar schenken die Profis den Erklärungen Stichnoths nur bedingt Glauben, nach den jüngsten Offenbarungen um die finanzielle Situation des Klubs sind sie hellhörig geworden.

Dabei geht es dem Vernehmen nach nicht ausschließlich um die verspäteten Zahlungen, sondern auch um die Gesamtsituation. Offenbar haben die Profis, die schon vor Beginn der Meistersaison trotz gültiger Verträge freiwillig auf Gehalt verzichtet hatten, das Gefühl, dass sie erneut die Opfer von angekündigten und bereits vollzogenen Sparmaßnahmen sind und werden könnten.

Was nach dem Trainingsstreik folgte, waren ein 2:7 in Ingolstadt und ein 3:5 daheim gegen Hamburg. Und auf die Frage, ob die zwei deftigen Niederlagen mit zum Teil dürftigen Leistungen mit den Vorgängen im Klub in Zusammenhang gebracht werden könnten, sagt Kapitän Boos: „Ich denke schon.“

Das lässt Raum für Interpretationen, wobei an der charakterlichen Integrität der Mannschaft eigentlich nie Zweifel bestanden. Und auch Stichnoth, der immer viel Wert auf ein perfektes Umfeld für die Profis gelegt hat, will nicht glauben, dass die jüngsten Niederlagen ihren Ursprung in fehlender Leistungsbereitschaft des Teams haben. „Wenn das so wäre, hätten wir ein richtiges Problem.“

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