Kurz vor der Schlusssirene, als der nächste Sieg der Hannover Scorpions in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) praktisch feststand, nahm sie Fahrt auf: Die Welle schwappte durch das Rund der TUI Arena, und selbst die Fans der Hamburg Freezers unter den mehr als 8000 Zuschauern wollten sich der Feierlaune nicht entziehen und machten fleißig mit. So schaffte die „La Ola“ fünf Runden – für jedes Tor der Gastgeber beim gestrigen 5:1 (1:0, 1:0, 3:1)-Sieg eine.
Es ist eine fast schon unglaubliche Geschichte, die sich da bei den Scorpions in diesen Tagen abspielt. Sechs Wochen ist es her, da stand das Team von Trainer Hans Zach als Tabellenletzter da. Dann kamen der Dezember und eine Erfolgswelle, die es so wohl nur selten gibt: Nicht einmal ging das Zach-Team in zehn Partien ohne Punkt vom Eis; 27 von 30 möglichen Zählern holten die Scorpions bislang in diesem Monat. Als Belohnung rückten sie am Sonntag auf den 2. Platz nach vorne.
„Ich bin stolz auf diese Mannschaft“, sagte Zach nach dem vorerst letzten Kapitel des „Wintermärchens“, „aber dahinter verbirgt sich auch eine Menge Arbeit.“ Einzeltraining und zahlreiche Gespräche hat der 60-Jährige mit seinen Profis hinter sich, doch das größte Plus in den mageren Wochen war wohl, dass Zach und Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth trotz sportlichen Ungemachs die Ruhe bewahrt hatten; das Dankeschön zahlt die Mannschaft nun in Form von Siegen in Serie zurück.
Am Sonntag nun gab es zu den fünf Heimtoren und drei Punkten auch eine bemerkenswerte Leistung der Scorpions von den Fans zu bestaunen. Zu einem hohen Maß an Disziplin und harter Arbeit gesellte sich eine gehörige Portion Spielwitz als Ausdruck des neuen Selbstvertrauens in Hannover. „Es war vielleicht das beste Heimspiel von uns“, sagte Zach sichtlich zufrieden. Garrett Festerling, der nach seiner Leistenoperation zum ersten Mal wieder mitwirkte, und je zweimal Thomas Dolak und Chris Herperger trafen dabei für die Gastgeber, die gerade in der heimische TUI Arena in dieser Saison immer wieder Schwierigkeiten hatten, ihr Können in die Waagschale zu werfen.
An einer kleinen Stellschraube hatten die Scorpions-Verantwortlichen während der Misere dann doch gedreht. Sie holten Ende November in Travis Scott einen Torhüter, der seinen Vorderleuten ein gutes Gefühl gibt – mit Folgen: Zwar gönnte Zach dem 34-Jährigen eine Verschnaufpause; dass das Team mit Scotts Stellvertreter Levente Szuper, der am Sonntag zu den Besten seines Team gehörte, trotzdem vollends überzeugte, ist kein Widerspruch. Wenn es läuft, dann läuft es eben.
Krinner ein Kandidat?
Der Vertrag von Scorpions-Trainer Hans Zach endet im Sommer – dennoch könnte es sein, dass in der kommenden Saison ein Tölzer an der Bande steht. Toni Krinner, Trainer des DEL-Konkurrenten EHC Wolfsburg, wird als Nachfolger Zachs gehandelt. Der Vertrag des 42-Jährigen beim EHC läuft aus; der frühere Profi würde als Deutscher gut in die Philosophie der Scorpions passen. „Das kommentieren wir nicht“, sagte Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth.
Tore: 1:0 (5:44) Festerling (S. Goc, Reiss, 2:0 (25:26) Dolak (Vikingstad, Reiss), 3:0 (45:32) Dolak (Mitchell, Vikingstad), 4:0 (46:27) Herperger (Köppchen, N. Goc), 4:1 (51:58) Wilm (Barta, Fortier bei 5–4), 5:1 (55:37) Herperger (Köttstorfer, Brimanis bei 5–4) – Zuschauer: 8029 – Strafminuten: Hannover 6, Hamburg 10 – Beste Hannoveraner: Levente Szuper, David Wolf, Thomas Dolak, Chris Herperger – Nächstes Spiel: Krefeld – Scorpions (Mittwoch, 19.30 Uhr).
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