Man konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, dass im deutschen Eishockey viele nur darauf gewartet hatten, dass einmal jemand Klartext spricht. Kaum hatte Marco Stichnoth in der Donnerstagausgabe der HAZ eine umfassende Ligenreform samt Wiedereinführung von Auf- und Abstieg gefordert, da erhielt der Geschäftsführer der Hannover Scorpions auch schon von allen Seiten recht – vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB), von anderen Managern aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), von den Fans und auch vom Lokalrivalen EC Hannover Indians.
„Das, was Marco vorgeschlagen hat, kann ich zu 100 Prozent unterschreiben“, sagte Indians-Geschäftsführer Dirk Wroblewski, der sich lediglich etwas wunderte, dass ausgerechnet Stichnoth als langjähriger Befürworter der geschlossenen Liga nun diesen Vorstoß mache. „Für die 2. Liga wäre die Rückkehr zu Auf- und Abstieg natürlich ein riesiger Vorteil.“ Zwar sehe er seinen Klub derzeit noch nicht in der Lage, sich Gedanken über den Sprung in die 1. Liga zu machen. Doch Vereine wie zum Beispiel der EV Ravensburg, die nur ein kleines Stadion haben und daher bislang keine Chance hatten, in die DEL aufzusteigen, müssten plötzlich nicht mehr um die „goldene Ananas“ spielen, sondern hätten eine Perspektive.
Auch Lance Nethery gab sich am Donnerstag als Befürworter einer Verzahnung der Ligen zu erkennen. „Der Auf- und Abstieg gehören einfach zur europäischen Ligenstruktur dazu“, sagte der Manager des Erstligisten Düsseldorfer EG. „Wir müssen jetzt ein neues, tragfähiges Konzept ausarbeiten und das dann auch konsequent umsetzen.“ Damit würden die Klubs beim DEB offene Türen einrennen. Zumindest stellte sich dessen Generalsekretär Franz Reindl am Donnerstag hinter den Vorschlag von Stichnoth, die bisherige Organisationsstruktur mit drei Verbänden unter einem Dach zusammenzuführen. „Das ist der einzige Weg“, sagte er. „Wir müssen die Kräfte bündeln und nach außen wieder gemeinsam auftreten.“
Reindl lobte die Erstligisten zwar für ihre gute Arbeit, von der auch die Nationalmannschaft profitiere, stellte der Ligenstruktur aber ein schlechtes Zeugnis aus. „Die geschlossene Liga hat sich nicht bewährt – und wir können auch nicht an den Fans vorbeigehen.“
Einige von denen fühlten sich bei der Lektüre der HAZ wie in einem Traum. „Marco Stichnoth hat genau die Punkte angesprochen, die auch uns am Herzen liegen“, erklärte Bernd-Olav Kühn. Der Eishockeyfan aus Hannover hat gerade mit einigen Mitstreitern den Verein „Echte Eishockeyfans“ (EEHF) gegründet, der sich in Zukunft bundesweit dafür einsetzen will, den Interessen der Anhänger mehr Gehör zu verschaffen. Als erster Schritt soll am Sonntag die Homepage www.eehf.de im Internet online gehen.