Hannover. Es ist eine rekordverdächtige Saison für die Hannover Scorpions. Und das ist eine alles andere als gute Nachricht für den Eishockey-Erstligisten. Mit einer weiteren Heimniederlage am Dienstag gegen die Augsburger Panther würde die Mannschaft von Trainer Toni Krinner den Negativrekord der Füchse Weißwasser einstellen, die in der Saison 1995/1996 zwölfmal in Serie vor heimischer Kulisse als Verlierer vom Eis gingen. Und damit nicht genug. Den Scorpions droht angesichts von gerade einmal 36 Punkten aus 39 Spielen auch ein neuer Tiefpunkt, was die Punktausbeute angeht (2003/2004: 48 Punkte), sowie erstmals seit dem Aufstieg vor 16 Jahren der letzte Tabellenplatz nach der Vorrunde. Schon deshalb sehnen viele Anhänger des Meisters von 2010 geradezu das Saisonende herbei – und stellen sich zugleich die bange Frage, ob und wie es bei ihrem Klub danach weitergeht.
Zumindest die Befürchtung, dass Klubbesitzer Günter Papenburg nach der ernüchternden Spielzeit einen Schlussstrich ziehen könnte, scheint unbegründet zu sein. „Die Scorpions werden auch in der kommenden Saison Eishockey in der TUI Arena spielen“, erklärt Papenburg unmissverständlich. Doch damit enden die klaren Aussagen auch schon. „Wir wollen uns Mitte Februar zusammensetzen und reden“, sagt der Bauunternehmer. Mit wir meint er sich selbst, Trainer Toni Krinner und Geschäftsführer Marco Stichnoth, der den Inhalt der Gesprächsrunde ähnlich kryptisch umreißt: „Wir werden dann festlegen, wohin die Reise geht.“
Denn angesichts des schon fast sicheren Verfehlens der Play-offs steht so ziemlich alles auf dem Prüfstand. Papenburg, der nicht zuletzt wegen des im Vergleich zum Vorjahr um 300 Zuschauer pro Spiel auf 3783 gesunkenen Besucherschnitts erneut tief in die eigene Tasche greifen muss, schließt sogar einen Rückzug in die 2. Liga nicht kategorisch aus. Der ist zwar wenig wahrscheinlich, zumal die Planungen derzeit ausschließlich für die DEL laufen, doch schon der Gedanke daran sagt vieles über den Grad der Frustration beim Klubbesitzer aus.
Der lässt die im Sommer durchgeführten Etatkürzungen zumindest nicht als Ausrede für das schlechte Abschneiden gelten. „Wir liegen mit unserem Etat von 5,5 Millionen Euro noch immer in der oberen Hälfte der Liga“, erklärt Papenburg, dem vor allem der Spieleretat in Höhe von drei Millionen Euro schwer im Magen liegt. „Dieser Etat und die Leistungen passen nicht zusammen. Wir haben Leistungsträger dabei, die absolut nicht das bringen, was sie bringen sollten.“ Und weil das auch Stichnoth so sieht („Wir haben noch immer genug Geld zur Verfügung, aber wir bringen die Qualität nicht aufs Eis“), könnte es im Sommer erneut einen personellen Umbruch geben. Verträge für die kommende Saison besitzen bislang lediglich Torwart Dimitri Pätzold, die Verteidiger Sascha Goc, Stephan Wilhelm und Andy Reiss sowie die Angreifer Patrick Buzas und David Sulkovsky. „Alle anderen müssen sich empfehlen – für uns oder für andere Klubs“, meint Stichnoth.
Die spannendste Personalie ist jedoch die des Trainers. Denn zwar läuft der Vertrag von Krinner noch bis zum Sommer 2013, doch ob er den tatsächlich erfüllen darf, erscheint angesichts der desolaten Auftretens seiner Mannschaft zumindest fraglich. Selbst Papenburg, der bislang immer einer der glühendsten Verehrer des Coaches war, äußert sich inzwischen deutlich verhaltener. „Der Trainer hat alle Spieler bekommen, die er haben wollte“, sagt der Klubbesitzer. „Das Resultat ist enttäuschend.“ Und so wird es in der Gesprächsrunde Mitte Februar wohl auch um Krinners Zukunft gehen. Und Papenburg wird dabei das letzte Wort haben.
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