Der Mann ist ein Frühaufsteher. Bereits um 8.30 Uhr saß Toni Krinner gestern in seinem kleinen Büro im Langenhagener Soccio-Center. In der Hand eine Kaffeetasse seines Lieblings-Fußballklubs Bayern München, vor Augen aber nur den EHC Wolfsburg. Gemeinsam mit seinem Assistenten Christian Künast bereitete der Trainer der Hannover Scorpions die Mannschaftsitzung vor, die seine Spieler auf den Saisonstart der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Freitag beim Niedersachsenrivalen (20.20 Uhr) einstimmen sollte. Krinner kann dabei auf einen riesigen Vorteil zurückgreifen. Er war bis zum April dieses Jahres Trainer eben dieser Wolfsburger, deshalb kennt er die Stärken und Schwächen der Mannschaft wie kaum ein anderer.
Die Mühe, zumindest in der Öffentlichkeit den Anschein zu erwecken, dass es sich um eine Partie wie jede andere handelt, macht sich der 43-Jährige gar nicht erst. „Natürlich ist es ein ganz spezielles Spiel, wenn man fünf Jahre an einem Ort gearbeitet hat, dort gut behandelt wurde und dann als ehrgeiziger Sportler dorthin zurückkehrt“, sagt Krinner, der einen Vertrag bis zum Sommer 2013 in Hannover unterschrieben hat. Vom Januar 2006 bis zum Ende der vergangenen Saison hatte er in Wolfsburg das Sagen, schaffte mit dem Klub 2007 den Aufstieg in die DEL und führte ihn zuletzt bis ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft. Nun kehrt er – so will es der Spielplan – gleich in seinem ersten Pflichtspiel als Coach der Scorpions an seine alte Wirkungsstätte zurück, ehe es am Sonntag (14.30 Uhr/TUI Arena)mit dem ersten Heimspiel der Saison gegen die Düsseldorfer EG weitergeht.
Die Anspannung vor dem Start ist Krinner deutlich anzumerken. Aber auch die Vorfreude. Denn nach einmonatiger Vorbereitungszeit ist die Partie in Wolfsburg für ihn auch ein erster Fingerzeig darauf, wie weit seine Mannschaft im Vergleich zu einem der anderen Topteams der Liga ist. „Ich denke, wir sind im Soll“, meint der ehemalige Stürmer. „Es läuft noch nicht alles perfekt, aber das ist klar, wenn man alles umkrempelt – von den Trainingsmethoden bis hin zum Spielsystem.“ Denn genau das hat Krinner getan. Und damit fordert er dem nahezu unveränderten Meisterkader einiges ab. „Wir attackieren den Gegner jetzt praktisch auf dem ganzen Eis“, erklärt Nationalverteidiger Andy Reiss das System. „Unter Hans Zach war der erste Schritt als Verteidiger praktisch immer rückwärts – wenn man das jetzt macht, ist es oft schon zu spät.“
Damit das nicht allzu häufig passiert, suchte Krinner in der Vorbereitung immer wieder das Gespräch mit seinen Spielern. Und das hatte zumindest von den Ergebnissen her bereits Erfolg. Lediglich drei seiner neun Testspiele verlor der Meister – zwei davon ausgerechnet gegen die Wolfsburger. Aber auch darin findet der neue Coach, der sich selbst als Realist bezeichnet, der zugleich Optimist ist, etwas Gutes. „Es hätte für mich sicher schlimmer kommen können“, meint Krinner. „Denn so ist es für uns jetzt an der Zeit zu zeigen, dass wir nicht dreimal hintereinander gegen denselben Gegner verlieren.“