Mit vollem Einsatz: Hannovers David Wolf (oben) stürzt sich in den Zweikampf mit seinem Berliner Gegenspieler.
Es lohnt sich derzeit, beim Eishockey in der TUI Arena zuzuschauen. Spannung scheint garantiert, wie zuletzt am Sonntag gegen die Kölner Haie, als die gastgebenden Hannover Scorpions in der Deutschen Eishockey-Liga einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg umwandelten. Und am Dienstagabend nun, als der unangefochtene Tabellenführer Eisbären Berlin zu Gast in der TUI Arena war, kamen die 4209 Zuschauer erneut auf ihre Kosten: Wieder holte das hannoversche Team von Trainer Hans einen Zwei-Tore-Rückstand auf und nahm bei der 3:4 (0:0, 1:2, 2:1)-Niederlage nach Penaltyschießen immerhin einen Zähler gegen den Favoriten aus der Hauptstadt mit.
Es war von Anfang an eine Partie, in der das Bemühen der Scorpions spürbar war, das Augenmerk auf eine geordnete Defensive zu legen. Kein Wunder: Der deutsche Meister aus Berlin kommt mit einer bärenstarken Offensive daher, und der begegnete das Zach-Team mit einem hohen Maß an Konzentration auf das einfache Spiel. Das funktionierte auch weitgehend prima; zunächst wurde es nur selten vor Scorpions-Torwart Travis Scott brenzlig. Dass in Andy Reiss, der beim deutschen Olympiateam weilt, einer der besten Verteidiger nicht dabei war, steckten die Gastgeber dabei ganz ordentlich weg. In der Offensive hingegen machte sich das Fehlen zweier Angreifer schon mehr bemerkbar. In Chris Herperger (Fußbruch) und Tore Viking- stad (für Norwegen im Olympiaeinsatz) fehlten nicht nur zwei Mittelstürmer, sondern wohl auch die kreativsten Köpfe der hannoverschen Offensive – vor allem im Überzahlspiel waren aufseiten der Scorpions gute Ideen oft Mangelware.
25 Minuten hielt das Zach-Team so ein torloses Remis, hatte dabei sogar selbst die eine oder andere gute Gelegenheit, in Führung zu gehen. Doch dann, die Scorpions standen in Unterzahl auf dem Eis, fiel schließlich doch das 0:1, als Denis Pederson den Puck über Scott ins Tor beförderte. Als acht Minuten später gar das 2:0 durch Jens Baxmann fiel, schien die Niederlage ihren Lauf zu nehmen. Doch dann warfen die Scorpions mal wieder ihren größten Pfand in die Waagschale: Mit großer Leidenschaft fand das Zach-Team zurück ins Spiel und machte es kurz vor Ende des 2. Drittels sogar wieder spannend, als David Wolf den Puck nach dem besten Spielzug des Abends zum 1:2 im Tor des erst kürzlich verpflichteten Berliner Torhüters Kevin Nastiuk unterbrachte. Und selbst das 1:3 nach gut 44 Minuten durch Jeff Friesen konterten die Gastgeber umgehend, als Adam Mitchell 30 Sekunden später zum 2:3 verkürzen konnte.
So wurde die Schlussviertelstunde noch einmal hektisch – und als Thomas Dolak gar den Ausgleich erzielte, (52.), schien gar der Sieg in Reichweite. Doch daraus wurde es trotz zahlreicher Chancen hüben wie drüben nichts; das Penaltyschießen musste die Entscheidung bringen – mit dem besseren Ende für die Gäste, für die Pederson als einziger aller angetretenen Schützen traf.
Tore: 0:1 (24:16) Pederson (Busch, Hahn bei 5–4), 0:2 (32:30) Baxmann (Hahn, Pohl), 1:2 (37:03) Wolf (Hlinka, Cottreau), 1:3 (43:31) Friesen (Ustorf, Walser), 2:3 (44:01) Mitchell (Dzieduszycki, S. Goc), 3:3 (51:31) Dolak (Kathan), 3:4 Pederson im Penaltyschießen – Zuschauer: 4209 – Strafminuten: Hannover 4, Berlin 8 – Beste Hannoveraner: Adam Mitchell, David Wolf, Sascha Goc – Nächstes Spiel: Scorpions – Nürnberg (Donnerstag, 19.30 Uhr, TUI Arena).
Jens Reinbold
Neuzugang für Hannover Scorpions: Der amerikanische Stürmer Ryan Maki hat beim deutschen Eishockeymeister einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieben. Zuvor hatte er zur Probe vorgespielt. mehr
Kommentare
Leidenschaftlicher Artikel Lemieux – 11.02.10
Na also, diesen Satz habe ich vermisst: "Leidenschaft und Spannung pur auf dem Eis", geht doch !Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Scorpions-Eisbären HIP – 10.02.10
Das erste Drittel hätte man getrost am Bierstand verbringen können. Fehlpässe, Aufbaufehler, Zeitlupeneishockey und Schiedsrichter, die sich dieser Leistung auch anpassen wollten. Vermutlich hatten beide dezimierten Mannschaften an dem Abend eigentlich etwas anderes vor.Nach zwei Treffern der Eisbären und dem Tor von Wolf nach "dem besten Spielzug des Abends", der mir wohl verborgen blieb, wurde die Spannung unerträglich. Zumindest für Jens.
Wenigstens erinnerten sich beide Teams im letzten Drittel im Ansatz an Eishockey. 5 Minten Verlängerung, Penaltyschießen, Sieg Berlin. War ja eigentlich schon vor dem Spiel klar. Im Vorfeld die ständigen Klagelieder über das Fehlen von Herperger, Reiss und Vikingstad. War das schon die Rechtfertigung einer Niederlage vor Spielbeginn??? Berlin ist immerhin mit 16 Spielern ohne Klagelieder angereist.
Für mich bleibt der gestrige Abend in Erinnerung.Die schlechteste Begegnung beider Teams seit Jahren. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
mich verneigen Christian – 10.02.10
ein Riesen Dank an dieses Geile Team!!!!Trotz des kleinen Kaders, der Verletzungs- Probleme, der vielen Spiele im kurzen abstand, sowie Olympia hat das Team in den letzten Spielen eine unglaubliche Geschlossenheit an den Tag gelegt!!
Ich kann nur empfehlen; kommt in die Arena!!
Einen besseren Sport kann man zurzeit in Hannover nicht erleben!!!
Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Kommentar schreiben