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Olympia 2016
Biedermann lässt Tränen vergessen - Cheftrainer kritisiert

Olympia Biedermann lässt Tränen vergessen - Cheftrainer kritisiert

"Reingeschlafen" und dann losgelegt: Besser kann ein Schwimmer seinen 30. Geburtstag nicht beginnen. Am Tag nach den Tränen im deutschen Team ist Paul Biedermann der Zweitbeste. Die Hoffnung auf eine Medaille zum Karriereabschluss ist nach diesem Vorlauf riesengroß.

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Rio de Janeiro. Paul Biedermann blickte ganz cool auf die Anzeigetafel. Nach den Tränen der deutschen Schwimmer zum Olympia-Start trumpfte der Weltrekordler an seinem 30. Geburtstag souverän auf.

Mit Platz zwei in der Gesamtwertung aller Vorläufe zeigte der WM-Dritte über seine Lieblingsstrecke mustergültig das vom Chef verlangte "Kämpferherz". Nach der Vorstellung in Rio ist die Hoffnung auf eine Medaille im letzten Einzelwettbewerb einer großen Karriere groß. Ein üppiges Stück von seiner vor dem Rennen überreichten Geburtstagstorte verdiente sich Biedermann allemal.

"Die Konkurrenz ist unzählbar geworden. Da musste ich schauen, so schnell wie möglich zu schwimmen", sagte der entschlossene Biedermann, der in den Geburtstag "reingeschlafen" und nicht reingefeiert hatte. Der Doppel-Weltmeister von 2009 hätte am Ende wohl noch schneller sein können, ließ sich offenkundig Reserven. 1:45,78 Minuten über 200 Meter Freistil standen für den Vierten der Weltrangliste nach dem kräftezehrenden Auftakt seines olympischen Kurzprogramms in der Ergebnisliste.

Nur der schon wegen Dopings gesperrte Chinese Sun Yang war schneller - und das nur um drei Hundertstelsekunden. "Okay, ausbaufähig, passt für den Moment", lautete die lockere Einschätzung von Biedermann. Sein Auftritt hob die Laune von Chefbundestrainer Henning Lambertz. "Es ging trendmäßig bergauf", sagte der 45-Jährige, "Paul hat das super, super souverän gemacht."

Aber ist "das Ding" jetzt umgedreht, wie von Lambertz gefordert? Oder bleibt Biedermann als Ausnahmekönner zusammen mit dem am Wochenende angereisten Weltmeister Marco Koch einer der wenigen Lichtblicke im deutschen Team? Erst einmal erlebte die Schwimm-Delegation jedenfalls ein olympisches Déjà-vu. Vier Jahre nach dem Debakel von London gab es am Samstag verheulte Gesichter und reichlich Vorlauf-Frust.

"Es ist weit davon entfernt, wie es 2012 war. Ich bin immer noch sehr optimistisch", sagte Koch. Aber: Acht von elf Einzelstartern schieden im Vorlauf aus. Nach Brustschwimmer Christian vom Lehn zogen nur Biedermann und Rückenschwimmer Jan-Philip Glania ins Halbfinale ein.

Sarah Köhler verbesserte bei ihrem Vorlauf-Aus über 400 Meter Freistil immerhin ihre persönliche Bestzeit und will über 800 Meter den deutschen Rekord. Die Männer-Freistilstaffel über 4 x 100 Meter verpasste als Vorlauf-Elfte das Finale.

Besonders bitter war der K.o. von Jacob Heidtmann. "Ich habe selten sportlich so etwas Trauriges erlebt", sagte Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen. Der 21-Jährige schlug in deutscher Rekordzeit und als Fünftbester über 400 Meter Lagen an. Doch mit einer nicht regelkonformen Wende handelte sich der WM-Fünfte eine Disqualifikation ein. "Den deutschen Rekord mit einem guten Finaleinzug hätten wir gebraucht", haderte Lambertz.

So hockte Heidtmann mit trauriger Miene auf der Tribüne, als sich Kosuke Hagino aus Japan zum ersten Olympiasieger im Becken von Rio krönte. Gold bejubelte auch der Australier Mack Horton über 400 Meter Freistil. Biedermanns Trainingspartner Florian Vogel hatte das Finale um sechs Hundertstelsekunden verpasst.

Mit Weltrekorden holten sich die Freistilstaffel Australiens über 4 x 100 Meter (3:30,65 Minuten) und die Ungarin Katinka Hosszu über 400 Meter Lagen (4:26,36) die höchsten olympischen Ehren. Buhrufe statt Jubel musste die wegen Dopings umstrittene russische Brustschwimmerin Julija Jefimowa beim ersten Start hinnehmen.

Als die Hymnen am Beckenrand gespielt wurden, waren die deutschen Schwimmer mit Frustabbau beschäftigt. Die WM-Siebte Alexandra Wenk und Junior Johannes Hintze mussten Kritik vom Chef verdauen. "Es sind individuelle Fehler gemacht worden", rügte Lambertz.

Wenk, die wie Heidtmann Tränen vergoss, schwamm über 100 Meter Schmetterling in 58,49 Sekunden klar langsamer als bei ihrem deutschen Rekord von 57,70 im Mai. Die Münchnerin hatte sich laut Lambertz nicht - wie von der Teamleitung geraten - exakt dem verschobenen Tagesrhythmus angepasst.

Besondere Milde bei Hintze, dem mit 17 Jahren jüngsten deutschen Olympia-Schwimmer seit 40 Jahren, ließ Lambertz nicht gelten. Er blieb in 4:18,25 Minuten über 400 Meter Lagen klar über persönlicher Bestzeit (4:14,72).

dpa

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