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Olympia 2016
"Hochachtung" für Boll: Verletzter Routinier sichert Bronze

Olympia "Hochachtung" für Boll: Verletzter Routinier sichert Bronze

Ausgerechnet im wichtigen Bronze-Match bei Olympia gegen Südkorea verletzt sich Timo Boll am Nacken. Doch der Routinier lässt sich in einer kurzen Pause fit spritzen, beißt auf die Zähne - und holt den entscheidenden Punkt. Danach liebäugelt er sogar mit Tokio 2020.

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Timo Boll (l) holte den entscheidenden Punkt gegen Südkorea.

Quelle: How Hwee Young

Rio de Janeiro. Die Nacht für Olympia-Held Timo Boll und seine Teamkollegen war kurz. Nach der hart erkämpften Bronzemedaille feierten die Tischtennis-Männer bis zum frühen Morgen im Deutschen Haus in Rio und übernachteten gleich dort.

"Da haben wir uns ein bisschen zusammengekuschelt", berichtete Boll mit kleinen Augen. "Bequem war es eigentlich nicht, aber wir waren gerädert. Wir waren alle vier sofort weg vom Fenster."

Die lange Partynacht war für Boll und Co. der krönende Abschluss eines langen und emotionalen Olympia-Tages. Bis zum 3:1-Sieg gegen Südkorea hatte Boll ein Auf und Ab zwischen Verzweiflung und Freude erlebt. Nach seiner frühen Nackenverletzung war er komplett am Boden, kämpfte sich aber durch, ließ sich fit spritzen und feierte dann glücklich Bronze. "Mir sind in der Verletzungspause schon Tränen gelaufen vor Verzweiflung, genauso dann auch vor Freude nach dem Spiel", berichtete Boll später.

Der 35-Jährige holte trotz der Verletzung die entscheidenden Punkte und war der Held im Tischtennis-Team. "Er hat sich durchgebissen, er hat richtig gut gespielt", lobte Bundestrainer Jörg Roßkopf. "Durch seinen Kampfwillen hat er das Spiel gewonnen. Das zeichnet einen Mannschaftsspieler aus, das zeichnet einen großen Sportler aus."

Beim 1:3 im Halbfinale gegen Japan war Boll einer der Schwachpunkte im deutschen Team gewesen, hatte sowohl sein Einzel als auch das Doppel verloren. Gegen Südkorea übernahm er dann Verantwortung und führte sein Team zu Bronze. "Timo ist jetzt ja auch schon ein paar Tage älter als früher. Dass er immer noch so ein Niveau spielen kann, das ist Wahnsinn. Hochachtung", lobte Teamkollege Dimitrij Ovtcharov.

Dabei war Boll schon im ersten Satz ein Wirbel herausgesprungen. "Ich habe erstmal gedacht, es ist vorbei", berichtete er später von seiner Verzweiflung. "Es war alles zu, ich konnte meinen Kopf nicht mehr bewegen, nicht mehr richtig schlagen.". Doch irgendwie spielte Boll weiter, erkämpfte mit Bastian Steger ein 2:2 nach vier Sätzen.

Dann gewährten die Schiedsrichter ihm eine kurze Behandlungspause. Gemeinsam mit Teamarzt Antonius Kass verschwand er hinter den Kulissen - und bekam mehrere Spritzen in den lädierten Nacken. "Da sieht man, dass er hart im Nehmen ist. Das traut man ihm gar nicht immer zu", sagte Ovtcharov grinsend. "Ich habe die Spritzen gesehen, das sah schon böse aus. Stark, wie er da auf die Zähne gebissen hat."

Und auch Boll konnte später wieder lachen. "Es ist eine Odenwälder und eine deutsche Qualität, auch wenn es mal nicht so läuft, dann wirklich auf die Zähne zu beißen", sagte er grinsend. "Wir sind bei Olympia, vielleicht letztes Spiel, da versucht man natürlich alles. Noch mehr weh getan hätte es, wenn wir das heute verloren hätten."

Im letzten Satz im Doppel sicherten Boll und Steger den zweiten Punkt für Deutschland, im folgenden Einzel machte Boll sogar im Alleingang die Medaille für Deutschland perfekt. "Timo ist angeschlagen gewesen, aber es ist unglaublich, mit welcher Ruhe und welcher Überlegtheit er die Bälle gespielt hat, ganz großes Kompliment", lobte Steger.

Das dritte Edelmetall mit dem Team nach Silber 2008 und Bronze 2012 war für die deutschen Tischtennis-Männer ein besonderer Erfolg. Und Boll wollte trotz seiner Schmerzen nicht ausschließen, dass es 2020 mit ihm einen weiteren Anlauf auf die Olympia-Medaillen geben könnte. "Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich dabei bin", versprach er. "Mit 35 weiß man nicht, was körperlich passiert. Aber ich bin bereit, da noch viel zu investieren, dann ist es möglich."

dpa

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