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Olympia 2016
Nur Blicke, mehr nicht: Caster Semenya und die Grauzone

Olympia Nur Blicke, mehr nicht: Caster Semenya und die Grauzone

Caster Semenya zieht bei Olympia die Blicke auf sich. Sprechen will die Leichtathletin wie gewohnt lieber nicht viel. Mit ihrem Auftritt über 800 Meter kommt wieder eine Geschlechter-Debatte auf.

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Caster Semenya (r) lief locker ins Halbfinale.

Quelle: Srdjan Suki

Rio de Janeiro. In ihrem waldgrünen Laufanzug schritt Caster Semenya schnurstracks durch die Katakomben des Olympiastadions von Rio de Janeiro. Die Gold-Favoritin sagte, begleitet von einer Verbandssprecherin, mal wieder nur sehr wenig.

Kaum mehr als Blicke gewährt die kantige Weltmeisterin von 2009 über 800 Meter von Berlin nicht. Als Gesprächsstoff genügt auch das. "Es war nicht einfach", erzählte sie nach ihrem Vorlauf. "Es war ziemlich heiß." Semenyas Goldlauf vom 19. August 2009 wurde von einer Debatte um ihr Geschlecht überschattet. Fast mühelos ließ die damals 18-Jährige ihre Konkurrenz hinter sich. "Die ist doch ein Mann", schimpfte die unterlegene italienische Mittelstreckenläuferin Elisa Cusma.

Später drohte Semenyas Karriere ein jähes Ende, weil der Leichtathletik-Weltverband IAAF wegen Zweifeln an ihrer Sexualität ein elfmonatiges Startverbot aussprach. 2011 führte die IAAF dann wiederum eine Regel zum Umgang mit Sportlerinnen ein, die einen hohen männlichen Hormonwert aufweisen. Ende Juli 2015 hob der Internationale Sportgerichtshof (CAS) diesen Passus vorläufig wieder auf. Seitdem verblüfft die Gewinnerin von Silber in London 2012 wieder mit Spitzenzeiten.

Ihr Auftakt am Zuckerhut war nicht mehr als eine Pflichtübung. Ungefährdet erreichte die Berliner Sensationsweltmeisterin mit den herben Zügen als Schnellste ihres Vorlaufs in 1:59,31 Minuten das Halbfinale. Anfang des Jahres erklärte Semenya dem südafrikanischen Fernsehsender SABC ihr Erfolgsgeheimnis: "Wir arbeiten hart und sind auf dem richtigen Weg."

Viel mehr lässt sich Semenya, die nach ihrem WM-Triumph immer wieder von Verletzungen ausgebremst wurde, auch nicht entlocken. Zu ihrem Schicksal selbst hat sie öffentlich nie ein Wort verloren. Mann oder Frau? Die Konturen in der Grauzone verschwimmen.

Die Inderin Dutee Chand ist ein vergleichbarer Fall. Bei der Tochter einer mittellosen Weberfamilie, die in Rio das Halbfinale über 100 Meter klar verpasste, wurde Hyperandrogenismus festgestellt. Dabei handelt es sich um Symptome, die auf einen Überschuss an männlichen Hormonen hindeuten.

Semenya will nur ihren Zielen nachjagen. In Rio bedeutet das: Gold und vielleicht auch Weltrekord. "Das ist ganz sicher das Ziel. Und das Potenzial dafür hat sie bestimmt", hatte ihr Trainer Jean Verster der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld der Sommerspiele gesagt. Semenya selbst sind Bestmarken nicht wichtig. "Ich konzentriere mich auf keinen Weltrekord", beteuerte sie. Sie wolle den Wettkampf genießen. "Zeiten haben keine Bedeutung, Medaillen schon."

dpa

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