Startseite HAZ
Volltextsuche über das Angebot:

Olympia 2016
Olympiasieger Holdorf: Gute Zehnkämpfer wie lange nicht

Olympia Olympiasieger Holdorf: Gute Zehnkämpfer wie lange nicht

Die Zehnkämpfer in Deutschland sind "hundertprozentig sauber" - sagt Willi Holdorf, der Olympiasieger von 1964. Und sie haben seiner Meinung nach Medaillenchancen in Rio.

Voriger Artikel
Hilfswerk Adveniat: Nach Olympia Rio nicht vergessen
Nächster Artikel
Olympia-Premiere für Jackie Baumann unvergesslich

Willi Holdorf wurde 1964 Zehnkampf-Olympiasieger.

Quelle: Arne Dedert

Rio de Janeiro. Willi Holdorf, Olympiasieger von 1964, hat den Zehnkampf über viele Jahrzehnte hinweg aus nächster Nähe verfolgt und ist auch in Rio de Janeiro.

20 Jahre nach der Silbermedaille durch Frank Busemann setzt der 76-Jährige vor allem auf den Ulmer Arthur Abele. "Wir haben so gute Zehnkämpfer wie lange nicht mehr. Da ist die Chance, eine Medaille zu holen, sehr groß", sagte Holdorf in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Ashton Eaton ist der "König der Athleten", Weltrekordler mit 9045 Punkten, Weltmeister und Olympiasieger von London. Kann ihn in Rio überhaupt jemand vom Thron stoßen?

Willi Holdorf: Er ist einfach überragend. Er ist besonders schnell, und obwohl er nicht so kräftig ist, ist er in den Würfen sehr gut. Ich glaube nicht, dass einer die Chance hat, ihm die Goldmedaille streitig zu machen. Aber für Silber ist alles offen.

Auch für das deutsche Trio?

Holdorf: Da ist erstmal der Kanadier Damian Warner - aber da sind auch Arthur Abele und Kai Kazmirek. Bei Rico Freimuth, der ja letztes Jahr WM-Bronze geholt hat, weiß man nicht, wie gut er ist, weil er bis jetzt verletzt war. Wir haben so gute Zehnkämpfer wie lange nicht mehr. Da ist die Chance, eine Medaille zu holen, sehr groß.

Abele hat sich nach vielen schweren Verletzungen zurückgekämpft. Packt er es dieses Mal?

Holdorf: Sensationell, dass so was möglich ist. Wer so lange ausgefallen ist und dann so eine Auferstehung hat in Ratingen, da kann ich nur den Hut vor ziehen. Er hat ein paar überragende Disziplinen und ist ein großer Kämpfer. Abgesehen davon ist er ein sympathischer Junge. Das hilft im Zehnkampf natürlich nicht (lacht).

Abele hat in diesem Jahr 8605 Punkte stehen, Kai Kazmirek 8323. Was fehlt ihm noch?

Holdorf: Er ist auch sehr stark. Wir haben natürlich das Pech, dass Ex-Weltmeister Michael Schrader verletzt ist. Bei Kazmirek wäre ganz gut, wenn er mal ein paar Ausreißer hätte - nach oben. Er hat immer gleichmäßige super Leistungen. Aber er bräuchte ein paar Ausrutscher nach oben, um weiter nach vorne zu kommen.

Deutschland hatte ja nicht nur Olympiasieger, sondern auch die Weltrekordler Kurt Bendlin, Guido Kratschmer und Jürgen Hingsen. Wer war denn das größte Talent?

Holdorf: Eines der größten Talente war Werner von Moltke, der hat meines Erachtens nie den richtigen Trainer gehabt. Er ist ja auch Europameister geworden, aber er hätte noch mehr schaffen können. Kurt Bendlin hat fast zuviel trainiert und war immer am Rande einer Verletzung.

Frank Busemann hat 1996 in Atlanta als Zweiter die bislang letzte Medaille eines deutschen Zehnkämpfers gewonnen. Warum hat es - auch bei einer WM - nie zu Gold gereicht?

Holdorf: Er hatte den Nachteil, dass er - entgegen meines Rats - zu viel Krafttraining gemacht. Aber er hat natürlich aus seinen Möglichkeiten viel gemacht und ist heutzutage einer der bekanntesten deutschen Zehnkämpfer. Er verkauft sich auch immer noch gut. Ein ganz netter Kerl.

Wie sauber ist der Zehnkampf heutzutage?

Holdorf: Also in Deutschland hundertprozentig sauber. Wenn Sie da dopen wollen, müssen Sie der größte Künstler sein. Bei uns sind die Kontrollen so streng, da leg ich für jeden die Hand ins Feuer. Obwohl das einer vielleicht mal gerne machen würde - aber die Chance ist gleich null. Das ist auch schön. Traurig ist, dass in anderen Ländern nicht so kontrolliert wird.

Und wie war das zu Ihrer Zeit mit dem Thema Doping?

Holdorf: Da gab's kein Doping. Also zumindest zu meiner Zeit nicht. Vielleicht gab es das da, aber wir wussten nichts davon. Ich glaube nicht, dass einer meiner Gegner gedopt war.

ZUR PERSON: Willi Holdorf aus Kiel ist neben Christian Schenk (1988) der bisher einzige deutsche Olympiasieger im Zehnkampf. Der heute 76-Jährige triumphierte 1964 in Tokio mit 7887 Punkten und wurde später auch "Sportler des Jahres". Im abschließenden 1500-Meter-Lauf hielt er seinen Rivalen Rein Aun aus der Sowjetunion auf Distanz und brach im Ziel erschöpft zusammen. Holdorf arbeitete auch als Leichtathletik- und Fußball-Trainer.

Die Medaillen deutscher Zehnkämpfer bei Olympia:

Die deutschen Leichtathleten hatten bisher zwei Olympiasieger im Zehnkampf: Willi Holdorf 1964 in Tokio und Christian Schenk 1988 in Seoul. Weltrekordler wie Kurt Bendlin, Guido Kratschmer und Jürgen Hingsen haben nie Gold gewonnen.

1932 - Bronze: Wolrad Eberle

1964 - Gold: Willi Holdorf

1968 - Silber: Hans-Joachim Walde; Bronze: Kurt Bendlin

1976 - Silber: Guido Kratschmer

1984 - Silber: Jürgen Hingsen; Bronze: Siegfried Wentz

1988 - Gold: Christian Schenk; Silber: Torsten Voss

1996 - Silber: Frank Busemann

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Olympia-News
Recken besiegen HSC 2000 Coburg

Die TSV Hannover-Burgdorf bleibt sich treu in der Handball-Bundesliga. Starken Auftritten folgen Zitterpartien, und so wurde es am Sonntag gegen den HSC 2000 Coburg nichts mit dem allseits erwarteten klaren „Recken“ -Erfolg.

Auf dem Laufenden: HAZ-Redakteur Norbert Fettback (rechts) und Journalist Frerk Schenker verbinden in ihrem Blog die Themen „Laufen" und „Hannover" – mit Tipps zu Trainingsstrecken und Wettkämpfen sowie skurrilen Geschichten aus dem Läuferalltag.
2. Dezember 2016 - Frerk Schenker in HAZ-Laufpass

Gesamtwertung Frauen Platz Name Vorname Jhg Verein Punkte Lauf 1. Mewes Gwendolyn 1984 LAC Langenhagen 708 30 2. Krause Mandy 1987 Post SV Lehrte 511 28 3. Lyda Hannelore 1958 LAC Langenhagen 458 29 4. Meyer Kathrin 1980 Garbsener SC 264 22 5. Grohmann Nadine 1985 Allegretto Hannover [...]

mehr