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Olympia 2016
Papa Phelps genießt wie nie zuvor

Olympia Papa Phelps genießt wie nie zuvor

Bei der Siegerehrung flossen reichlich Tränen: Rekordolympiasieger Michael Phelps ist auf der größten Sportbühne der Welt zurück. Und wie! Auf Anhieb gewinnt er die nächste Goldmedaille - und trotzdem sind für den Megastar diese Sommerspiele ganz anders.

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Michael Phelps und seine 19. Goldmedaille bei Olympischen Spielen.

Quelle: Patrick B. Kraemer

Rio de Janeiro. Selbst eine Vorlaufniederlage wird bei Michael Phelps mit begeistertem Beifall begleitet. Am Tag nach der Siegerehrung mit reichlich Tränen und dem 19. Olympia-Gold für die unglaubliche Rekordsammlung teilt sich auch ein Jahrhundertsportler die Kräfte ein.

Alles saugt der 31-Jährige bei seinen fünften Sommerspielen auf, erlebt die bedeutendsten Schwimm-Wettkämpfe der Welt so intensiv wie nie.

Da stört ihn ein fünfter Platz in den Vorläufen über 200 Meter Schmetterling am Montag reichlich wenig. Zum einen, weil es eben nur ein Vorlauf war. Zum anderen, weil die Rennvorbereitung für den Spiele-Oldie nicht optimal war. "Ich war erst um drei im Bett und um elf musste ich schon wieder los", sagte ein entspannter Phelps am Montag und freute sich auf "ein kleines Nickerchen".

Doch wenn es in einem Finale um die olympischen Ehren geht, wird Phelps mehr Gas geben. Denn von Goldmedaillen kann er einfach nicht genug bekommen. Im Kreise seiner Staffelkollegen küsste der Rekord-Olympiasieger das nächste Beweisstück für seine unfassbare Extraklasse. Und doch war diese Plakette ganz besonders für den 31-Jährigen. "Ich weiß nicht, ob ich jemals in einem Rennen so eine Atmosphäre auf den Rängen wahrgenommen habe, das Publikum war wild", schilderte Phelps die besonderen Karrieremeter.

Seine Verlobte Nicole Johnson - das drei Monate alte Baby Boomer im Tragegurt vor sich - rührte der Auftritt zu Tränen. Daneben jubelte Michaels Mama Debbie mit einem USA-Fähnchen in der Hand. Wie immer stolz auf ihren Michael Fred Phelps, der bei der Siegerehrung neben seinen schluchzenden Kollegen nach eigener Aussage selbst ein paar Tränen vergoss.

Insgesamt 23 olympische Plaketten stehen nun in seiner Vita. Und es sollen noch mehr werden. "Ich will viermal Gold gewinnen", lautet das Rio-Ziel von Phelps. Die viertbeste Zeit aller 32 Final-Akteure beim Sieg der Freistilstaffel über 4 x 100 Meter belegt seine gute Form. "So schnell war ich noch nie", sagte der Ausnahmesportler - und bangte am Ende des Rennens schreiend mit wie vielleicht noch nie bei einem Wettkampf.

Bei neuen Heldentaten des größten Sportlers der Olympia-Historie geraten Weltrekord-Auftritte wie der von Katie Ledecky am Sonntag (Ortszeit) in den Hintergrund. Doch die neunmalige Weltmeisterin kann ebenfalls schon eine stolze Medaillenzahl ihr Eigen nennen. Der Erfolg über 400 Meter Freistil in der Weltrekordzeit von 3:56,46 Minuten war nach dem Olympiasieg in London über 800 Meter ihr zweiter ganz großer Triumph. "Michael inspiriert jeden von uns", sagte die erst 19-Jährige, die in Rio weitere Chancen hat.

Die hat auch Phelps, bis zu sechs Goldmedaillen sind in der brasilianischen Metropole möglich. Vier Jahre nach seinem emotionalen Abschied im Londoner Aquatics Centre ist er sichtlich gerührt auf der größten Sportbühne der Welt zurück. Phelps genießt diese Spiele ganz besonders, nicht nur, weil ihm die Ehre des Fahnenträgers bei der Eröffnungsfeier zuteil wurde. Die Geburt seines Sohnes Boomer machte den einst unnahbaren Superstar zugänglicher für Gefühle. Der Zuspruch des Publikums ist bei diesen Spielen besonders groß.

Es liegen harte Jahre hinter Phelps, der nach seinem vermeintlichen Karriereende 2012 nichts Sinnvolles mit seiner Zeit anzufangen wusste. Die Alkohol- und Spielsucht endete in einer Fahrt mit 1,4 Promille bei überhöhter Geschwindigkeit. Die Festnahme, eine Verurteilung zur zweiten Bewährungsstrafe nach 2004 und eine Suchttherapie mit 45 Tagen in einer Entzugsklinik waren die Folge. Die Familie hat Phelps wieder den Halt gegeben, der im Partyleben mit Kumpels und vielen Golfrunden zwischendurch verloren gegangen war.

2000 in Sydney schnupperte der US-Amerikaner als 15-Jähriger erstmals Olympia-Luft. Und die macht ihn so süchtig, dass er nicht aufhören kann. "Es wäre fantastisch, als erster Schwimmer über Dreißig Olympisches Gold in einem Einzelwettkampf zu gewinnen", sagte der Amerikaner. Die erste Chance dazu hat er über 200 Meter Schmetterling.

dpa

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