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Olympia 2016
Ringer-Sensation: Kudla gewinnt Bronze

Olympia Ringer-Sensation: Kudla gewinnt Bronze

"Gewinnt man eine Medaille, steht man in den Geschichtsbüchern. Ich will auf jeden Fall Teil dieser Geschichte sein", hatte er vor dem Wettkampf angekündigt. Nun hat Denis Kudla die erste Olympia-Medaille seiner Karriere und die erste für den Ringer-Bund in Rio geholt.

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Denis Kudla rennt mit der Fahne durch die Halle.

Quelle: Sergei Ilnitsky

Rio de Janeiro. Ungläubig stürzte Ringer Denis Kudla auf die Matte, dann schnappte er sich die deutsche Fahne und rannte nach dem Sensations-Bronze wie ein Irrwisch durch die Halle.

"Ein Hammergefühl. Es ist unbeschreiblich", jubelte der junge Mann aus Schifferstadt. "Seit ich sechs Jahre alt bin, tue ich alles für diesen Sport. Die Familie musste leiden, die Freundin, bei täglich zweimal Training. Jetzt hat sich alles gelohnt."

Nach dem Sieg gegen den Ungarn Viktor Lorincz gab es von Bundestrainer Michael Carl ein Sonder-Lob: "Das ist unfassbar, als Debütant so eine Energieleistung. Er hat einfach einen unbändigen Kampfwillen." Völlig überraschend gewann Kudla die erste Medaille für die deutschen Ringer bei den Olympischen Spielen in Rio - es war das erste Edelmetall seit 2008.

Für Superschwergewichtler Eduard Popp dagegen war nach 1:47 Minuten im Bronze-Kampf schon alles vorbei. Der 25-jährige aus Neckargartach unterlag dem Aserbaidschaner Sabah Shariati im griechisch-römischen Stil nach einer Schulterniederlage vorzeitig. "Ich wurde blöd überrascht, hatte den Angriff auf der anderen Seite erwartet. Es ist umso ärgerlicher, weil ich ihn bei der EM noch besiegt hatte", sagte Popp.

Kudla dagegen bezwang im kleinen Finale der Kategorie bis 85 Kilogramm im griechisch-römischen Stil den WM-Dritten von 2013, Lorincz, sensationell durch die letzte Wertung. Zuvor hatte er in der Hoffnungsrunde gegen den Iraner Jomeh Habibollah Akhlghi ebenfalls dank der letzten Wertung beim Stand von 1:1 gesiegt.

"Eine grandiose Leistung von Denis, besser hätten die Spiele für uns in Rio nicht laufen können", sagte Sportdirektor Jannis Zamanduridis. Zuvor wurde Kudla im Viertelfinale vom Russen Dawid Schakwetadse, dem späteren Olympiasieger, klar mit 0:8 vorzeitig bezwungen. "Die, die er bezwingen musste, hat er besiegt. Daher bin ich sehr zufrieden", sagte Zamanduridis.

Da Schakwetadse wie erwartet das Finale erreichte und es auch gewann, bekam der Junioren-Europameister von 2013 eine zweite Chance - und die nutzte er. Zum Auftakt hatte Kudla in der Arena Carioca in Rio den Kirgisen Zhanarbek Kenzheev mit 2:0 aus dem Weg geräumt. Dann überzeugte er gegen den EM-Zweiten Roberti Kobliaschwili aus Georgien. Dank seiner letzten Wertung wegen Passivität seines Gegners gewann er trotz eines 1:1-Unentschiedens. So war es dann auch im Kampf gegen Akhlghi.

Kudla kam frühzeitig zum Ringen. "Durch meinen Vater, dessen bester Freund Ringer war. Erst hat er meinen Bruder hingeschickt, ein Jahr später kam ich dazu", sagte er. Dabei hatte er gleich die Schnauze voll: "Meinen ersten Kampf hatte ich gewonnen, im zweiten dann allerdings gegen ein Mädchen verloren. Da hatte ich keine Lust mehr und habe geweint", sagte er vor dem Bronze-Finale der Deutschen Presse-Agentur.

Vor seinem Wettkampf musste er in fünf Tagen fünf Kilogramm abspecken. "Kein Eiweiß, keine Kohlenhydrate, dann gibt es nach dem Wiegen immer einen Eiweißshake", verriet der Junioren-Europameister von 2013. Er hatte schon gleich nach seiner Qualifikation gewusst: "Ich will in Rio eine Medaille holen", meinte er und bescheinigt Bundestrainer Michael Carl den größten Anteil an seiner Entwicklung.

Neben dem Ringen spielt er gerne Fußball, geht schwimmen oder Radfahren. Und vergeben ist der gut aussehende Modellathlet ebenfalls. Seine Freundin ist sogar mit. "Seit vier Jahren, aber die Familienplanung muss noch warten, auch wenn ich seit vier Jahren vergeben bin", betonte er. Nach seinem Wettkampf wird nun in den nächsten Tagen an der Copacabana gefeiert. "Ein Mann ein Wort, ich habe es meinen Fans versprochen."

dpa

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