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Olympia 2016
Speerwerferinnen: Kein "Mitleid mit den anderen"

Olympia Speerwerferinnen: Kein "Mitleid mit den anderen"

Der Nominierungsstreit vor Olympia sorgt bei den deutschen Speerwerferinnen immer noch für böses Blut. Leistungsfördernd war er auch nicht. Obergföll, Stahl und Hussong gingen alle leer aus in Rio.

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Christina Obergföll war mit 62,92 Metern und Platz acht noch beste deutsche Werferin.

Quelle: Lukas Schulze

Rio de Janeiro. Nach dem Debakel bei den Olympischen Spielen ist bei den deutschen Speerwerferinnen noch einmal der ganze Nominierungsstreit hochgekocht.

Während die ausgebootete Weltmeisterin Katharina Molitor zuhause saß, verschenkten Christina Obergföll, Linda Stahl und Christin Hussong in Rio ihre Medaillenchancen. "Momentan habe ich nicht so viel Mitleid mit den anderen. Das soll gar nicht böse klingen", sagte Ex-Weltmeisterin Obergföll und gab zu: "Ich bin stolz, dass ich nach den ganzen Diskussionen im Vorfeld heute hier als beste Deutsche rausgehe."

Die Olympia-Zweite von 2012 und -Dritte von 2008 zog sich als Achte mit 62,92 Metern bei ihrer letzten internationalen Karriere noch einigermaßen achtbar aus der Affäre. Die EM-Zweite Stahl als Elfte und die deutsche Meisterin Christin Hussong als Zwölfte waren schon nicht mehr dabei, als die besten Acht um die Medaillen kämpften. "Es war so schnell vorbei", meinte Stahl später und erklärte: "Der Kampf um die Nominierung hat uns alle viel Körner und Energie gekostet."

Molitor hatte versucht, ihr Olympia-Ticket vor dem Landesgericht und Oberlandesgericht Frankfurt einzuklagen und damit Obergföll den Startplatz streitig zu machen - ohne Erfolg. "Das war nicht schön, nicht leistungsfördernd und teilweise nicht fair", sagte ihre Rivalin aus Offenburg. Sie nehme Molitor ihr Vorgehen gar nicht übel, aber aus dem Leverkusener Verein habe es doch einige unpassende Kommentare gegeben.

Und deshalb verbarg die 34-Jährige ihre Genugtuung gar nicht. "Von den drei Mädels hat sich niemand um mich geschert in der Zeit." Stahl schlug vor, dass es künftig eine Ausscheidung wie bei den US-Trials gebe. Obergföll würde nach den deutschen Meisterschaften die Drei mitnehmen, die zu dem Zeitpunkt in der Weltbestenliste am besten platziert sind. Im Grunde aber kann es ihnen egal sein: Nach dieser Saison hören beide auf.

Unmittelbar nach der Rio-Pleite meldete sich auch Molitor aus der Heimat zu Wort und attackierte den Deutschen Leichtathletik-Verband und Bundestrainerin Maria Ritschel. Den DLV kritisierte sie wegen der Nominierungsrichtlinien, "die zu viel Spielraum lassen". Und von der Bundestrainerin sei sie enttäuscht, weil sie "nie klare Ansagen" zur Nominierung gemacht habe, sagte Molitor am Freitag im Sport1-Interview.

Die mageren Olympia-Resultate ihrer Speer-Kolleginnen sorgten bei ihr für besonderen Frust. "Die Enttäuschung ist sehr groß, dass ich am Ende um die Chance gebracht worden bin, eine olympische Medaille zu gewinnen", sagte Molitor. Sie hätte sich auf jeden Fall noch größere Weiten zugetraut. Mit ihrer Saisonbestleistung von 63,20 Metern wäre Molitor im Rio-Finale allerdings auch nur auf Platz acht gelandet.

Christin Hussong war gar nicht mehr in der Verfassung, sich zu dem Thema zu äußern. Die 22-Jährige aus Zweibrücken saß nach den ersten drei Versuchen mit der indiskutablen Weite von 57,70 Metern weinend im Innenraum. Vor ihrer Olympia-Premiere hatte sie 66,41 Meter geworfen. Das hätte für Gold gereicht an diesem Abend: Olympiasiegerin wurde erstmals die Kroatin Sara Kolak mit dem Landesrekord von 66,18 Metern vor Sunette Viljoen aus Südafrika (64,92). Die tschechische Weltrekordlerin Barbora Spotakova verpasste als Dritte mit 64,80 Metern ihr drittes Gold nach 2008 und 2012.

Stahl ging genauso unter. Die 30-Jährige aus Leverkusen kam nur auf 59,71 und hatte im zweiten Durchgang "den mit Abstand schlechtesten Wurf meiner Karriere. So weit werfe ich eigentlich aus dem Stand." Messen ließ sie die Weite aber nicht. Die Bronzemedaillengewinnerin von London 2012 hatte mit ihrem zweiten Platz und den 65,25 Metern bei der EM in Amsterdam den Vierkampf um die drei Brasilien-Tickets noch schwieriger gestaltet.

Sie hätte gerne Molitor dabei gehabt, die sei halt ihre Trainingskameradin. "Nach der EM gab's für uns viel Negatives. Ich kann nicht sagen, dass die Luft raus war", meinte Stahl und zuckte die Schultern: "Aber irgendwie war sie es dann doch."

dpa

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