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Olympia 2016
Boxverband räumt indirekt Fehlurteile ein

Fragwürdige Entscheidungen bei Olympia Boxverband räumt indirekt Fehlurteile ein

Das olympische Boxen hat seinen nächsten Skandal. Mehrere Boxer beschwerten sich über fragwürdige Entscheidungen. Der Boxverband überprüfte deshalb alle Kämpfe – und räumte indirekt Fehlurteile ein. Einige Kampf- und Ringrichter werden nun abgezogen.

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Ein fassungsloser Michael John Conlan nach seiner einstimmigen Punkte-Niederlage im Olympia-Viertelfinale gegen den Russen Wladimir Nikitin.

Quelle: EPA/VALDRIN XHEMAJ

Rio de Janeiro. Nach mehreren krassen Fehlurteilen zieht der Box-Weltverband AIBA eine ungenannte Zahl an Ring- und Kampfrichtern von den Spielen in Rio de Janeiro ab. "Weniger als eine Handvoll an Entscheidungen" sei nicht auf dem erwarteten Niveau getroffen worden, teilte die AIBA mit. Der Verband hatte die 239 Kämpfe überprüft, die bis Mittwochmorgen stattgefunden hatten. Die Ergebnisse der beanstandeten Duelle blieben jedoch gemäß der AIBA-Regeln bestehen.

Diverse Urteile bei den Sommerspielen in Rio hatten für Unmut bei den Boxern und Zuschauern gesorgt. Der Ire Michael Conlan wütete nach seiner Viertelfinal-Niederlage im Bantamgewicht gegen den Russen Wladimir Nikitin. Die AIBA sei von Korruption durchzogen, rief er in ein Mikrofon am Ring. "Sie sind verdammte Betrüger. Sie sind bekannt dafür, Betrüger zu sein. Amateurboxen stinkt von Kopf bis Fuß." Er wolle unter diesen Umständen nie wieder abseits des Profilagers boxen. "Wenn Menschen Olympia schauen und diese Entscheidungen sehen...ich denke, Boxen ist tot."

Nikitin gewinnt – trotz vieler Treffer

Conlan, 24, Irlands erster Amateur-Weltmeister, hatte verloren, obwohl sein Gegner verbeult und blutverschmiert den Ring verließ. "Ich war im ersten Gang und habe ihm die Ohren abgeboxt. Habt ihr sein Gesicht gesehen? Er hatte überall Cuts", sagte Conlan über Nikitin.

Nach Meinung zahlreicher Beobachter war auch der Kasache Wassili Lewit im Schwergewichts-Finale gegen den Russen Jewgeni Tischtschenko deutlich überlegen, verlor jedoch einstimmig nach Punkten. Kommentatoren sprachen nach dem Votum der drei Punktrichter aus Algerien, Irland und Kolumbien von einem skandalösen Urteil.

Lange Historie von Skandalen

"Ich schiebe das alles weg, ich belaste mich nicht damit, weil es weh tut", sagte Trainer Michael Timm, der in Rio unter anderen Artem Harutyunyan betreut. "Wir haben hier keinen Kampfrichter dabei, und wenn ich jetzt noch hingehe und sage: Oh mein Gott! Nein, das geht nicht. Deshalb: rein, aus allen Lagen feuern, um die Punktrichter zu überzeugen."

Olympisches Boxen blickt auf eine lange Historie von Skandalen zurück. "Es sind die schlimmsten Spiele seit 1988, als Roy Jones im Finale beraubt wurde", sagte US-Trainer Billy Walsh der englischen Zeitung "Guardian" in Rio.

Der Amerikaner Jones, der später Profiweltmeister wurde und klassenübergreifend als bester Berufsboxer galt, verlor in Seoul trotz absoluter Überlegenheit gegen den Südkoreaner Si-hun Park. In Akten des Staatssicherheitsdienstes fanden sich nach der Wiedervereinigung Berichte, dass drei Kampfrichter bestochen worden seien. Das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees konnte jedoch keine Beweise für eine Manipulation des Kampfes feststellen.

dpa/RND

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