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Olympia 2016
„So will ich mich nicht verabschieden“

Toba zurück in Hannover „So will ich mich nicht verabschieden“

Andreas Toba, der bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit einem gerissenen Kreuzband die letzte Mannschaftsübung absolvierte, ist wieder zurück in Hannover. Dienstagvormittag wurde er von seinem Heimatverein TK Hannover empfangen, am Donnerstag steht seine Operation an.

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In Hannover empfangen: TKH-Turner Andreas Toba, der sein verletztes Knie schonen muss.

Quelle: dpa

Hannover. Am Ende seiner Rio-Reise konnte Andreas Toba doch noch etwas Goldenes in den Händen halten. Mit Krücken humpelte der Turner Dienstag ins Vereinshaus des Turn Klubbs zu Hannover (TKH) und wurde dort von Freunden, Pressevertretern und Bewunderern mit Applaus empfangen. Ein wenig verschüchtert wirkte der 25-Jährige, als er kurze Zeit später auf dem extra für ihn bereit gestellten Sofa Platz nahm und das lädierte Knie auf einem Mini-Pauschenpferd ablegte. „Das ist alles noch überraschend für mich, ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich so empfangen werde“, sagte er. Ein Geschenk gab es obendrauf: die Goldene Ehrennadel des Vereins – für „deine herausragende Leistung, nicht nur sportlich, sondern vor allem charakterlich“, so Hajo Rosenbrock, TKH-Vorsitzender.

Andreas Toba, der bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiero mit einem Kreuzbandriss noch am Pferd turnte, ist wieder zurück in Hannover. Er wurde von seinem Heimatverein Turn-Klubb Hannover empfangen.

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Dass dieser Charakter vor allem ein Kämpfer ist, zeigte Toba nicht nur in Rio. Nachdem er sich bei der Qualifikation für das Mannschaftsfinale im Mehrkampf bei seiner Bodenübung einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, war der 25-Jährige dennoch zur Übung am Pauschenpferd angetreten – und hatte seinem Team damit die Teilnahme am Endkampf ermöglicht. „Mir war klar: Pferd ohne mich ist für die Mannschaft nicht machbar.“

Die Riege um Fabian Hambüchen erturnte dort den 7. Platz, Toba konnte nur zusehen. „Das Finale zu verpassen hat sehr wehgetan“, sagte er rückblickend. Und auch für sich selbst hatte der Turner mehr in Rio erhofft. „Ich war so fit wie noch nie, gefühlt sogar fitter als bei den deutschen Meisterschaften.“

So richtig angekommen ist die neue Situation in seinem Kopf noch nicht. Nicht nur die viele Aufmerksamkeit, die sich sogar auf dem Rückflug bemerkbar machte, als die Musiker der Scorpions Toba nach einem Foto fragten. Auch sonst „wirkt das alles noch nicht so real“, gestand er. Als der Wecker am Morgen klingelte, sei ihm durch den Kopf geschossen, dass er zum Training müsse. Dann fiel ihm die Verletzung wieder ein.

Schock für das deutsche Turn-Team: Der deutsche Mehrkampfmeister Andreas Toba aus Hannover hat sich am Samstag im olympischen Vorkampf in Rio einen Kreuzbandriss zugezogen.

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Dennoch machte der „Hero de Janeiro“ auch Dienstag klar, dass er sich vom gerissenen Kreuzband nicht zurückwerfen lassen will. Ein Jahr Pause prognostizieren ihm die Ärzte, dann erst soll Toba sein jetziges Wettkampfniveau wieder erreicht haben. „Die Leute, die mich kennen wissen, dass ein Jahr für mich nicht infrage kommt“, sagte der deutsche Meister im Mehrkampf.

Stattdessen nimmt er bereits die EM im rumänischen Bukarest im April ins Visier. Ein ambitionierter Plan – allerdings hat Toba einen guten Grund für seinen Ehrgeiz. „Meine Eltern kommen aus Rumänien.“ Dort an den Start gehen zu können, werde aber sehr sehr schwierig. „Da muss ich dann auch vernünftig sein.“

Donnerstag soll nun der erste Schritt in Richtung Genesung erfolgen. Dann wird Toba in Bremen operiert. Langfristig setzt sich der 25-Jährige bereits die nächsten Olympischen Spiele zum Ziel. In Tokio 2020 will er wieder antreten – und dann nicht nur vom Rand der Turnmatten seine Mannschaftskollegen anfeuern, sondern selbst wieder nach Edelmetall greifen. „So will ich mich nicht von Olympia verabschieden – nur, weil ich mich da ein bisschen verletzt habe“, sagte er.

Von Sabine Gurol

Unterstützung aus Hannover gibt Kraft zum Weitermachen

Leicht waren die vergangenen Jahre für Turner Andreas Toba nicht. Immer wieder hatte er mit Verletzungen zu kämpfen, erst im Frühjahr hatte er sich am Meniskus operieren lassen müssen. „Ich hatte keine leichte Zeit“, sagte der 25-Jährige gestern. Und er vergaß dabei – ganz geerdet – nicht, wem er für sein Comeback zu danken hatte. „Man darf nicht vergessen, was für eine große Unterstützung ich in den vergangenen Jahren hier bekommen habe“, erinnerte der Athlet an seinen Heimatverein den Turn-Klubb zu Hannover (TKH). „Ohne das Zusammenspiel von Verband, Verein, Trainer und der Familie hätte überhaupt nichts funktioniert.“

Statt weg vom Fenster zu sein, wie der Turner es beschrieb, gab es zweimal den Titel als deutscher Meister im Juni – einmal im Mehrkampf, einmal an den Ringen –, die Qualifikation für die Olympischen Spiele und schließlich den großen Auftritt in Rio de Janeiro, der so ganz anders verlief als gewünscht und dem 25-Jährigen doch so viel Aufmerksamkeit brachte.

Dennoch ließ Toba es sich nicht nehmen, auf die aktuellen Trainingsbedingungen in Deutschland einzugehen – und Handlungsbedarf anzumahnen. „Der Norden und der Westen liegen ziemlich weit zurück“, sagte der Turner. In Hannover gebe es zwar zwei gute Trainingsstätten, auch die Arbeit im Jugendbereich lobte der 25-Jährige. Eine Halle, die internationale Standards erfülle, fehle aber. „Wenn das gegeben ist, kann ich mich hier auf jeden Fall weiter sehr gut vorbereiten“, sagte er.

Zurückkämpfen wird sich Toba in jedem Fall. Ob er aber schon an Veranstaltungen wie dem kommenden Feuerwerk der Turnkunst wieder teilnehmen kann, ist sehr fraglich. „Ich muss zunächst den Heilungsverlauf abwarten“, sagte er.

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