Hannover. So unterschiedlich können Pokallose aufgenommen werden. Beim Fußball-Regionalligisten Holstein Kiel brach am späten Mittwochabend überschwänglicher Jubel aus, als das „Traumlos“ Borussia Dortmund für das Viertelfinale des DFB-Pokals feststand. Auch die Handballer der TSV Hannover-Burgdorf bekamen einige Tage zuvor für ihr Viertelfinale im DHB-Pokal einen ganz großen Namen zugelost. Doch für die Burgdorfer wird das vermeintliche „Traumlos“, der ungeschlagene Bundesliga-Tabellenführer THW Kiel, immer mehr zur Last.
Nicht genug damit, dass die Chancen auf den Einzug in das „Final-Four“ auf ein Minimum gesunken sind. Während Holstein gegen den BVB auf eine satte Einnahme hoffen darf, droht der TSV beim Pokalspiel am 28. Februar auch wirtschaftlich ein Misserfolg. Denn die Kieler kommen fünf Tage später zum Punktspiel schon wieder nach Hannover. Und noch nicht einmal der Rekordmeister könne – so die einhellige Meinung bei den Burgdorfern – zweimal innerhalb so kurzer Zeit die 4400 Zuschauer fassende AWD-Hall füllen. Geschweige denn die mehr als doppelt so große TUI Arena.
In deren weitem Rund hatten die Verantwortlichen der TSV nach dem großen Zuschauererfolg im Bundesligaderby gegen Eintracht Hildesheim, zu dem rund 9300 Fans kamen, schon euphorisch nach vorne geschaut. „Das macht Lust auf mehr“, sagte Geschäftsführer Benjamin Chatton damals. Der nächste Coup sollte gegen Kiel folgen. Geplant war, das Punktspiel gegen den THW am 4. März ebenfalls in die Halle an der Expo-Plaza zu verlegen, um dort die Kasse klingeln zu lassen. Für die nötige Werbung sollte fünf Tage zuvor im Idealfall der Einzug ins Pokal-Halbfinale sorgen. Dass auf dem Weg dorthin nun ausgerechnet die Kieler im Wege stehen, wirft diesen Plan allerdings über den Haufen.
Zwar räumt Chatton ein, dass er die wirkliche Nachfrage der Fans nach den beiden Spielen nicht realistisch einschätzen kann. Doch die Erfahrungen aus den beiden vergangenen Jahren geben wenig Hoffnung. Gegen die Rhein-Neckar Löwen kamen im Oktober 2009 nach einer 24:34-Niederlage vor 3324 Zuschauern in der Liga sechs Tage später nur 591 Besucher zum Pokalspiel (26:38) vor nahezu leeren Rängen in die ehemalige Stadion-sporthalle. Gegen den TBV Lemgo zogen die Burgdorfer ein Jahr später daher nach Peine-Vöhrum um. Vor 700 Fans in der ausverkauften Dorfsporthalle gelang dem Team sogar eine Pokalüberraschung (28:25) – und wenige Tage später war die AWD-Hall auch zum Punktspiel gegen den TBV mit 3604 Zuschauern gut gefüllt.
Doch auch diese Variante ist gegen Kiel ausgeschlossen. Da die Pokalpartie live im Fernsehen übertragen werden soll, darf die TSV nicht in eine zu kleine Halle umziehen. Den Burgdorfern, die mit den wenig lukrativen weiten Auswärtsfahrten in den bisherigen Pokalrunden nur draufgezahlt haben, entgeht also auch die erhoffte kleine Einnahme für ein „Heim-Auswärtsspiel“ in einer Halle im Umland.
Im Anschluss an die 29:31-Niederlage am Mittwoch gegen die SG Flensburg-Handewitt trafen sich deshalb die Gesellschafter der TSV mit Mäzen Bernd Gessert und Chatton im Foyer der AWD-Hall zu einer spontanen „Pokal-Krisensitzung“. Nach kurzer Beratung stand fest: Beide Spiele gegen Kiel werden wohl in der AWD-Hall ausgetragen. Karten gibt es aber vorerst nur für die Ligapartie.
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