Hannover/Lübbecke. Dieses Lächeln dürfte noch mindestens die EM-Pause der Handball-Bundesliga überdauern. Christopher Nordmeyer trug es am Dienstagabend durch die Katakomben der Kreissporthalle Lübbecke. Der Trainer der TSV Hannover-Burgdorf schien vor Glückseligkeit zu schweben und schwärmte nach dem unerwarteten 30:26-Erfolg seines Teams beim TuS Nettelstedt-Lübbecke in höchsten Tönen: „Ein Sieg hier in Lübbecke – das ist schon eine Hausnummer. Keiner in der Liga kann jetzt noch vor uns sicher sein.“
Für den Coach war das Ergebnis wie eine Bestätigung seiner immer wiederkehrenden Beteuerungen, die TSV habe während der Hinrunde auch auswärts nicht schlecht gespielt, nur weil dies die Ergebnisse nicht widerspiegelten. In Lübbecke stimmte nun endlich auch das Resultat. Der zweite Auswärtssieg schraubt die Ausbeute der Burgdorfer auf 14 Punkte hoch. Im Vergleich zu den beiden ersten Jahren in der Bundesliga, in denen die TSV zum gleichen Zeitpunkt mit jeweils neun Zählern dastand, eine massive Steigerung, die den Trainer zu vollmundigen Ankündigungen animierte. „Mit uns ist in der Rückrunde zu rechnen“, sagte er.
Eine echte Einheit hat Nordmeyer, der im vergangenen Februar Aron Kristjansson als Trainer ablöste, in den vergangenen zehn Monaten aus dem Kader geformt. Das wurde auch in Lübbecke wieder deutlich. Egal, wen der Coach auf das Spielfeld schickte, alle Spieler fügten sich nahtlos ins Team ein, und jeder hatte gegen die Ostwestfalen, deren Trainer Markus Baur nach der Partie seinen Abschied zum Saisonende ankündigte, seine besonderen Momente.
Prunkstück der TSV bleibt aber die Abwehr, die als 6:0-Bollwerk selbst viele Fehlversuche der Offensive in der Anfangsphase und zeitweise in der 2. Hälfte auffing und durch zahlreiche Ballgewinne das gefürchtete Gegenstoßspiel ermöglichte. Nach der 16:10-Führung zur Pause überstand die TSV auf diese Weise zwei Durststrecken im 2. Durchgang, in denen die Führung auf zwei Tore schrumpfte. Als Torwart Nenad Puljezevic seine klasse Leistung mit zwei weiteren Paraden kurz vor dem Ende krönte und Asgeir Örn Hallgrimsson zum 29:26 traf, war der Sieg perfekt. „Ich finde es sehr gut, dass wir diesmal den Kopf oben behalten haben“, sagt Nordmeyer mit Bezug auf das 33:33 in Gummersbach, als die TSV einen klaren Vorsprung am Ende noch verspielt hatte.
„Wir haben hervorragende Typen in der Mannschaft“, sagte Nordmeyer, der nach Gesprächen mit allen infrage kommenden Spielern weiß, dass keiner den Verein im Sommer verlassen möchte. Sieben Verträge laufen nach der Saison aus, darunter die der drei Torhüter. „Auf dieser Position werden wir etwas tun müssen“, sagte der Coach, der auch nach einem linken Rückraumspieler sucht. „Wir müssen jemanden finden, der besser ist als Piotr Pzrybecki. Das ist nicht leicht“, sagte er und hob den Einsatz des fast 40-jährigen Polen hervor, der sich derzeit trotz Verletzung in den Spielen quält und in den Dienst der Mannschaft stellt. Ob ein weiterer Spieler verpflichtet wird, richte sich nach dem Angebot. „Auf jeden Fall müssen die Neuen auch menschlich ins Team passen. Die mannschaftliche Geschlossenheit ist unser großes Plus, das darf auf keinen Fall verloren gehen“, sagte der Trainer. Qualität im Team allein reiche schließlich nicht aus, so Nordmeyer weiter. „Man muss es auch im Spiel zeigen können, das haben wir in Lübbecke gesehen.“
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