„Die Atmosphäre in der Halle ist die ultimative Droge“, sagt Stefan Wyss. „Wer den Überraschungssieg gegen Lemgo mitgemacht hat, der will diese Gänsehaut immer wieder erleben“, schwärmt der Sportliche Leiter der TSV Hannover-Burgdorf. Ab Freitag können sich die Profis des Handball-Bundesligisten wieder an ihrem Spiel und der Stimmung der Zuschauer in der AWD-Hall berauschen. Mit dem Heimspiel gegen die Füchse Berlin (19 Uhr) startet die TSV in ihre zweite Saison in der wohl besten Liga der Welt.
Vieles bei der TSV kommt einem kurz vor dem Saisonstart auf den ersten Blick bekannt vor: Möglichst schnell wollen die Burgdorfer ihr Saisonziel, den Klassenerhalt, sichern, statt bis zuletzt zittern zu müssen. Es sei nicht legitim, schon deutlich mehr zu erwarten, sagte Wyss gestern. Der Grund seien wie im Vorjahr die vielen Neuzugänge, die der ebenfalls neue Trainer Aron Kristjansson in das Team einbauen muss. Eine Herkulesaufgabe.
Aber die gewohnte Bescheidenheit bei der TSV steht in einem interessanten Kontrast mit dem Erfolgsstreben des neuen Coaches. „Wir haben eine gute Vorbereitung gespielt und gute Ergebnisse erzielt“, betont er und fordert seine Spieler auf, Selbstbewusstsein zu zeigen. Dabei hatte Kristjansson aufgrund von Verletzungen seinen Kader noch nie komplett beisammen. „Ich weiß noch gar nicht, wie stark wir sind, wenn alle da sind“, sagte er.
Auch gegen die Füchse werden die Neuzugänge Morten Olsen (Flüssigkeitsablagerung im Sprunggelenk) und Nationaltorwart Nikolas Katsigiannis (Kreuzband-riss) sowie Torjäger Piotr Przybecki (Entzündung in der Fußsohle) fehlen. Doch der Kader zeigt mehr Potenzial als in der vergangenen Saison. So blühte Przybeckis Ersatzmann Aivis Jurdzs in der Vorbereitung auf und wurde mit seinen harten und präzisen Würfen und vielen Toren zum Erfolgsgaranten und zu einer echten Alternative. Taktische Vorteile eröffnen Vignir Svavarsson (Kreis) und Asgeir Örn Hallgrimsson (rechter Rückraum), die beide sowohl in der Abwehr als auch im Angriff eingesetzt werden können. Damit sind weniger Wechsel beim Umschalten nötig.
Mit zwei möglichen Abwehrsystemen und vielen neuen Abläufen in der Offensive will Kristjansson flexibler spielen lassen und „auf jeden Gegner eine Antwort“ parat haben. „Aber wir brauchen Zeit, um diese Systeme noch besser einspielen zu können. Das geht nicht in fünf Wochen Vorbereitung“, sagt er. Gerade das Anfangsprogramm hat es für die TSV aber in sich. Kristjansson setzt dem seine „isländische Mentalität“ entgegen: „Wir müssen jedes Spiel gewinnen wollen, auch auswärts. Wir müssen es zumindest versuchen“, sagt er.
Die Berliner sollten sich also auf große Gegenwehr einstellen, auch wenn das Team von Trainer Bob Hanning, das die Qualifikation für den Europapokal in der vergangenen Saison nur um zwei Tore verpasst hat und mit den Neuzugängen Sven-Sören Christophersen, Denis Spoljaric und Alexander Petterson diesmal noch mehr in Richtung oberes Tabellendrittel drängt.
Kristjansson fordert von seinem Burgdorfer Team eine gute Abwehrleistung, um gegen den Favoriten möglichst lange im Spiel zu bleiben. „Im Angriff wandeln wir auf dem schmalen Grat zwischen Disziplin und Aggressivität“, beschreibt der Trainer seinen Weg zum Erfolg. Und die Fans in der Halle? „Es ist für die Spieler eine Riesenmotivation, die Zuschauer als siebten Feldspieler hinter sich zu wissen“, sagt Wyss. „Das macht den Heimvorteil aus.“
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