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Fußball-EM Neuer-Fan Buffon

Der italienische Nationaltorwart sieht in seinem deutschen Gegenüber „den besten der Welt". Für das Wiedersehen mit dem Bayern-Keeper hatte sich der Routinier allerdings einen anderen Tag und einen anderen Ort gewünscht.

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Der italienische Torhüter Gianluigi Buffon freut sich im Halbfinale am Donnerstag auf den „besten Gegner der Welt“.

Quelle: dpa

Danzig. Beim Zeitpunkt und dem Ort hat sich Gianluigi Buffon ein wenig vertan. Am 9. Februar vergangenen Jahres hatte Buffon mit Italien ein Freundschaftsspiel gegen Deutschland bestritten (1:1). Buffon war nach der Partie in der sogenannten Mixed-Zone im Gespräch mit den italienischen Reportern vertieft, als Manuel Neuer auftauchte. Buffon ließ die Reporter stehen, ging auf Deutschlands Nummer 1 zu und legte einen Arm um dessen Schulter. Nicht jedes Wort von damals ist überliefert, ein Satz gilt aber als abgesichert: „Manuel“, sagte Buffon, „wir sehen uns bei der Euro 2012 am 1. Juli in Kiew im Finale.“ Das Wiedersehen findet am Donnerstag in Warschau statt, drei Tage vor dem Termin, den sich Buffon gewünscht hatte, was zu einem kleinen Problem führt: Nur einer der beiden „absoluten Weltklassetorhüter“ (Bundestrainer Joachim Löw) kann am 1. Juli in Kiew auf dem Platz stehen.

Dass sich Torhüter untereinander großen Respekt zollen, wenn sie nicht gerade im selben Team um den Platz zwischen den Pfosten kämpfen (Stichworte: Kahn, Lehmann), ist im internationalen Fußball nicht ungewöhnlich. Es gibt ja nicht so viele von ihnen, und sie haben alle mit denselben Problemen zu kämpfen: flatternden Bällen, gefährlichen Ecken, schlafmützigen Verteidigern, schlechter Sicht bei Freistößen, drängelnden Stürmern beim Bälle aus der Luft pflücken. Dass aber ein ganz Großer den anderen ganz Großen in höchsten Tönen lobt, ist ungewöhnlich.

Buffon, 34 Jahre alt, hat den acht Jahre jüngeren Neuer vor dem Turnier „als derzeit besten Torhüter der Welt“ bezeichnet und ihm vorhergesagt, dass er eine „wichtige Torwart-Ära im internationalen Fußball“ prägen wird. Ihm selbst ist das längst gelungen, und wie lange er schon dabei ist, erkennt man an einem schönen Satz von Löw vor zwei Tagen: „Seit ich mich mit der Nationalmannschaft beschäftige“, erzählte Löw, „spielt er auf einem wahnsinnig gutem Niveau.“ Genau wie sein Torwarttrainer Andreas Köpke sieht Löw Buffon, Neuer und den Spanier Iker Casillas über allen anderen Torhütern schweben, ohne eine Reihenfolge zwischen ihnen festlegen zu wollen. „Buffon ist die Ruhe selbst“, findet Löw, „fußballerisch ist Neuer besser als er.“ So viel Abstufung erlaubt sich der Bundestrainer dann schon.

Neuer und Buffon werden auch am Donnerstag das Spiel prägen, jeder mit seinem typischen Stil. Buffon, den sie in Italien „Portierone“ (Torwartgigant) nennen, mit seiner ansteckenden Gelassenheit, Neuer mit seinem deutlich riskanteren Spielstil, im dritten Vorrundenspiel gegen Dänemark (2:1) eindrücklich vorgeführt, als er einen Angriff auf der Position des Linksverteidigers unterband. „Unser ehemaliger DFB-Präsident Theo Zwanziger hat oft gesagt: Manuel, ich kriege immer fast einen Herzinfarkt, wenn du da so aus dem Tor raus rennst“, berichtete Neuer. Löw hat zu der Aktion übrigens nichts gesagt.

Neuer, Jahrgang 1986, hat vor ein paar Tagen die schöne Geschichte erzählt, dass er noch genau in Erinnerung habe, „dass ich schon 1990 bei der Weltmeisterschaft zu Hause auf dem Teppich lag. Und den Titelgewinn für Deutschland, den habe ich schon bewusst wahrgenommen.“ Aber erst 1996, bei der Europameisterschaft, „war ich voll dabei“. 1996 hat Deutschland seinen bislang letzten Titel gewonnen. Jetzt soll der nächste her. Am 1. Juli in Kiew. Mit Neuer auf dem Platz.

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