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Streifzug durch die Stadtteile

Jubel auch für die Schlusslichter beim Hannover-Marathon


Musik und gute Laune entlang der Strecke: Ordentlich Jubel gab es am Sonntag auch für die Schlusslichter beim Hannover-Marathon. Ein Streifzug durch die Stadtteile.
Läufer vor der Leibniz Universität Hannover.

Läufer vor der Leibniz Universität Hannover.

© Nico Herzog

Neues Rathaus
Gelb ist die Erkennungsfarbe. Am Sonntagmorgen signalisiert sie: Ich laufe Marathon – oder einen halben. Die Läufer, die sich am Neuen Rathaus um 8 Uhr tummeln, erkennt man an den gelb-weißen Beuteln. Gerrit Huesmann ist schon um 6 Uhr aufgestanden. Zwei Scheiben Toast mit Butter und Honig, ein Espresso und dann mit „innerer Aufregung“ los.

„Der Start will geübt sein“, tönt es aus den Lautsprechern am Neuen Rathaus. Astrid Robrecht und Holger Schiekin wissen das. Die zwei Marathonis haben sich bei einem Laufseminar in Portugal kennengelernt und wollen jetzt zusammen die 42,195 Kilometer meistern. „Er ist mein Tempomacher“, sagt Robrecht. Nach 3:50 Stunden will das Duo im Ziel sein.

Südstadt
Während am Trammplatz für die Marathonis der Startschuss fällt, ist in der Hildesheimer Straße noch alles ruhig. Eine ältere Dame führt ihren Dackel Gassi, ein Mann schlendert mit Brötchentüte den Fußweg entlang. Nur an der Ecke Altenbekener Damm herrscht schon rege Betriebsamkeit: Bei Kilometer 13 werden Getränkekisten geschleppt, Tische aufgestellt, Bananen geschält und Pappbecher aufgereiht. Hier eröffnen kurze Zeit später 35 Freiwillige vom Lauftreff Niedersachsen Döhren eine „Energie-Tankstelle“ für Skater, Walker und Läufer. Als die ersten Inliner anrollen, bringt sich das Team in Stellung. Aufgereiht wie Perlen an einer Schnur rauschen die Skater vorbei, erst um 9.06 Uhr schert einer aus und greift zum Wasser. „Egal, ob Läufer oder Inliner, die Schnellen halten sich mit Trinken und Essen nicht auf, erst die Langsameren greifen zu“, erläutert Teamchefin Martina Demitz. Richtig viel zu tun bekämen ihre Leute bei den Halbmarathonis. „Von denen wollen alle etwas, da brauchen wir hier jeden Mann, um Getränke und Obst anzureichen“, sagt die Döhrenerin.

Ein paar Meter weiter hat sich eine der vielen Samba-Gruppen mit großen Trommeln und Pauken positioniert. Die lauten, lebenslustigen Rhythmen locken etliche Zuschauer an, manche haben eigene Rasseln und Schellenkränze mitgebracht und stimmen in die Musik mit ein. „In den ersten Jahren sahen die Leute in uns eher eine Lärmbelästigung, inzwischen sind sie froh über unsere Gute-Laune-Musik“, sagt Petra Konegen, Leiterin der hannoverschen Gruppe „Samba da Minha Aba“. „Mit den südlichen Klängen im Ohr macht das Anfeuern doppelt Spaß“, findet die Südstädterin Anne Freyse, die eifrig jubelt, als um 9.43 Uhr die Marathonspitze, ein Pulk schwarzer Läufer, an ihr vorbeirast.

Innenstadt
Am Kröpcke machen Tuba, Banjo und Trompete gerade Pause. Das Musiktrio „Street Parades“ aus Hannover und Northeim hat die erste Runde gespielt. Tubaspieler Michael Kleinhaus denkt in der Pause noch ans frühe Aufstehen. „6 Uhr gibt es auf einem Musikerwecker eigentlich nicht.“ Dann wird mit Trompeter Axel Beineke den Läufern wieder der Marsch oder besser gesagt: der Lauf geblasen.

Am Hauptbahnhof wundert sich eine Reisende mit Koffer: „Was ist denn hier los?“ Eigentlich wollte die Rentnerin auf dem Weg von Bad Bevensen nach Koblenz nur kurz in die Sonne. Vom Marathon ist die Durchreisende begeistert. „Wie die laufen: mit kleinen und großen Schritten, die einen ganz locker, andere verkrampft“, staunt die Seniorin.

List
In der Voßstraße/Ecke Jacobistraße haben es sich Alexandra Böttcher und ihre Freunde gemütlich gemacht: Während die Marathonis an ihnen vorbeihecheln, genießen sie den sonnigen Vormittag beim Kaffeeklatsch. „Wir treffen uns jedes Jahr hier“, sagt Böttcher, die einen Schwung Gartenmöbel und selbstgebackenen Streuselkuchen mitgebracht hat. „Ich bin sportlich eher faul, daher bewundere ich diese enormen Leistungen der Läufer“, sagt Böttcher und greift zum Kaffeebecher. Die Berlinerin Nina Griese joggt zwar ab und zu, aber weite Distanzen überlässt sie ihrem Freund. Der läuft in Hannover bereits seinen 15. Marathon. „Mein Job ist die Verpflegung, alle sechs Kilometer bekommt er einen Drink“, sagt Griese, die dafür die Satteltaschen ihres Fahrrades mit Malzbier ohne Kohlensäure gefüllt hat.

Nordstadt
„Eine Welle“, ruft einer an der Ecke Appelstraße/Schneiderberg, wo die Stimmung so gut ist, dass die Läufer zurückwinken oder den Daumen nach oben strecken. Und auch beim nächsten Läuferpulk gehen wieder 20 Arme nach oben.

Vor dem St. Nikolai Stift in der Appelstraße geht es eher ruhig zu. Eine Gruppe Seniorinnen sitzt auf ihren Rollatoren und bestaunt die Vorbeilaufenden. „Manche sind schon ganz schön abgeschlafft“, sagt die 90-jährige Hilla Korthe, die am Muttertag zusammen mit ihrer 24 Jahre jüngeren Tochter Bärbel das Wetter und Laufgeschehen genießt.

Hainholz
Die Kleingärtner des Vereins Feierabend haben alle Hände voll zu tun. Direkt neben der Kleingartenkolonie Im Othfelde betreiben sie den Verpflegungspunkt Nummer vier. „Das Helfen macht uns Spaß, selbst das Herumärgern mit dem Publikum“, sagt Kleingärtner Rolf Schütte und schickt ein paar Fahrradfahrer von der Bahn. Bei den Kleingärtnern hat alles seine Ordnung: Das geschälte Obst liegt nicht einfach auf der Tischplatte, sondern auf sauberen Tabletts, und die benutzten Pappbecher werden schnell wieder von der Straße entfernt. Für eine besondere Atmosphäre sorgt eine Blaskapelle: „Die Musik lockert die Stimmung“, sagt Gisela Nagel, die seit vielen Jahren Marathon-Zuschauerin ist. Für Nagel ist klar: Sie bleibt, bis die letzten Läufer vorbeigekommen sind: „Gerade den Schlusslichtern muss man doch zujubeln.“

Georgengarten
Dieses Schild ist gemein. Links sind es vier Kilometer bis zum Ziel, rechts etwa sieben. Und während die Halbmarathonis im großen Pulk links abzweigen, fällt den 42-Kilometer-Läufern das Abbiegen nach rechts sichtlich schwer. Auf dieser Strecke sind sie wieder allein. Mit 35 Kilometern in den Beinen gehen inzwischen viele, andere schlurfen beinahe. „Am liebsten wäre ich auch nach links abgebogen“, stöhnt Lukas Paszko, der schon seit ein paar Kilometern Krämpfe hat und jetzt zu Ende spaziert. „Dabei war ich letztes Jahr zu dieser Zeit fast im Ziel.“

Manuel Becker und Sophie Hilgenstock

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